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Mehrere hundert Gastronomen und Hoteliers aus ganz Rheinland-Pfalz haben sich an einer bundesweiten Protestaktion beteiligt. Mit verwaisten Stühlen wiesen sie darauf hin, dass viele Betriebe durch die Corona-Pandemie von der Pleite bedroht sind.

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Die Aktion "Leere Stühle" sollte das Symbol der aktuellen Notlage von Hotellerie und Gastronomiebranche darstellen. Denn die muss ihre Häuser weiterhin wegen der Pandemie geschlossen halten, anders etwa als Teile des Einzelhandels.

Die Gastronomen haben deshalb quer durch Land auf Rathausplätzen oder anderen großen Plätzen massenweise leere Stühle aufgestellt - etwa vor die Porta Nigra in Trier. In Koblenz wurde zum Beispiel eine große Tafel am Deutschen Eck aufgestellt, festlich gedeckt, umrahmt von - laut Organisator - 1.020 leeren Stühlen. 72 Betriebe beteiligten sich alleine in Koblenz an der Aktion.

Trier Protest der Gastronome vor Porta Nigra (Foto: SWR)
Vor der Porta Nigra haben die Gastronomen der Stadt Trier leere Stühle und einen großen Tisch aufgestellt. Bild in Detailansicht öffnen
Mit der Aktion soll die Politik auf die angespannte Lage in der Gastronomie wegen der Corona-Krise aufmerksam gemacht werden. Bild in Detailansicht öffnen
Mit dabei waren die Besitzer von allen Arten von Restaurants, vom Sterne- bis zum Fastfoodrestaurant. Bild in Detailansicht öffnen
Die Unternehmer fordern von der Politik neben einer dauerhaften Mehrwertsteuersenkung auch einen Rettungsschirm für die Branche. Bild in Detailansicht öffnen
Sie befürchten, dass sonst viele Restaurants von der Insolvenz betroffen sein werden. Bild in Detailansicht öffnen
Außerdem ist unter den Unternehmen die Sorge groß, dass auch nach der Krise die Gäste eher zögerlich sein werden. Bild in Detailansicht öffnen
Die Unsicherheit bei den Unternehmern ist groß, weil derzeit noch niemand weiß, wann er überhaupt wieder öffnen darf. Bild in Detailansicht öffnen

"Branche steht mit Rücken zur Wand"

Nach Angaben des Präsidenten des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga im Land, Gereon Haumann, gab es zudem Aktionen in Mainz, Landau und Kaiserslautern. Dort stellten Gastronomen etwa 100 unbesetzte Stühle auf den Martinplatz. Auch in Mainz waren es an die hundert leere Stühle - aufgereiht vor dem Osteiner Hof auf dem Mainzer Schillerplatz.

"Es ist ein eindrucksvolles Mahnmal einer Branche, die mit dem Rücken zur Wand steht", sagte Haumann, der selbst in Koblenz mit dabei war. Es brauche in Rheinland-Pfalz für das Gastgewerbe dringend finanzielle Hilfen über die allgemeinen Soforthilfen hinaus. Für zahlreiche Betriebe reiche das Geld nur noch einige Tage.

"Senkung der Steuer hilft nicht bei fehlenden Erlösen"

Darlehen würden nicht helfen. Dass Finanzministerin Doris Ahnen (SPD) sich auf Bundesebene für eine Senkung der Umsatzsteuer für die Branche von 19 auf sieben Prozent einsetzen wolle, helfe angesichts geschlossener Betriebe und fehlender Erlöse aktuell nicht. Auch dürfe eine solche Senkung nicht befristet sein, sagte Haumann.

Die Gastronomen seien bei den ersten gewesen, die wegen der Corona-Pandemie schließen mussten, jetzt sei die Landesregierung gefordert, eine Pleitewelle zu verhindern und einen Aktionsplan zur schrittweisen Wiedereröffnung der Betriebe vorzulegen.

Wissing: Wenigstens über Öffnung der Außengastronomie sprechen

Wirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) zeigte Verständnis für die Proteste. Dem SWR sagte er, die Branche sei von der wochenlangen Zwangsschließung wegen der Corona-Pandemie sehr hart getroffen. Wissing forderte erneut, in den Beratungen der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Merkel am kommenden Donnerstag müsse zumindest über eine Öffnung der Außengastronomie gesprochen werden.

Ahnen (SPD) hatte am Montag Pläne vorgestellt, nach denen das Land Rheinland-Pfalz die Gastronomiebranche durch eine Mehrwertsteuer-Senkung unterstützen will. Sie erklärte, eine solche Absenkung brächte den Betrieben allein im Land ein Entlastungsvolumen von geschätzt rund 300 Millionen Euro im Jahr.

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