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Landauf, landab haben am Freitag in Rheinland-Pfalz die Menschen für mehr Klimaschutz demonstriert. Protestiert wurde in den großen Städten genauso wie in kleineren Orten.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen RP

Ob Mainz, Trier und Koblenz oder Hachenburg im Westerwald und Sausenheim im Kreis Bad Dürkheim - an zahlreichen Orten im Land haben sich die Bürger am globalen Klimastreik beteiligt. Insgesamt galt der Aufruf laut Fridays for Future an 32 Orten im Land.

Mehrere Tausend in Mainz auf der Straße

In Mainz zogen drei Demonstrationszüge vom Hauptbahnhof, der Uni und dem Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kastel in einem Sternmarsch auf den zentralen Gutenbergplatz zu einer Kundgebung. Allein hier berichteten die Veranstalter von insgesamt etwa 10.000 Teilnehmern, die Polizei von deutlich über 8.000. Der Verkehr kam auf mehreren Hauptverkehrsachsen zeitweise komplett zum Erliegen. "Alles ist sehr entspannt", sagte ein Polizeisprecher.

Die Polizei in Koblenz sprach von rund 4.000 Demonstranten, in Trier versammelten sich auf dem Domfreihof über 2.000 Menschen und zogen durch die Stadt, wie eine Sprecherin der Polizei sagte. Ein Demonstrationszug schlängelte sich unter anderem auch durch Bitburg. Dort waren es laut Polizei rund 350 Menschen.

Fünf vor zwölf - die Glocken läuten

Proteste gibt es außerdem in Sausenheim (Kreis Bad Dürkheim), Hachenburg (Westerwald), Wittlich, Gerolstein und Idar-Oberstein. Auch in Speyer und Neustadt an der Weinstraße waren jeweils mehr als 1.000 Menschen auf den Straßen unterwegs. In der gesamten Westpfalz nehmen außerdem zahlreiche kirchliche Einrichtungen an den Demonstrationen teil. In mehreren Kirchen wurden symbolisch fünf Minuten vor zwölf die Glocken geläutet.

"Fahrradstreife for Future"

Polizist mit Rad  als Fahrradstreife for Future unterwegs (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Ein Polizist begleitet die Demonstrationen in Mainz als "Fahrradstreife of Future". Picture Alliance

In Mainz skandierten Demonstranten: "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut." Ein Familienvater sprach von "einem historischen Tag". Am Kopf des Demonstrationszuges von Mainz-Kastel auf hessischer Seite nach Mainz, riefen Erwachsene und Jugendliche: "Streik in der Schule, Streik im Betrieb, das ist unsere Antwort auf eure Politik." Begleitet wurden sie von Polizisten auf Rädern. Einer hatte auf eine neongelbe Weste "Fahrradstreife for Future" geschrieben.

Jung und Alt demonstrieren zusammen

Für die Demonstration hatte das Aktionsbündnis Fridays for Future explizit die Erwachsenen aufgerufen, sich an dem Streik zu beteiligen: "Klima geht uns alle etwas an!", erklärte Lisa Siegel von Fridays for Future in Speyer vorab. Viele Erwachsene folgten diesem Aufruf:

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Reaktionen aus der Politik

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sagte mit Blick auf die Demonstranten: "Ja, kämpft für eine klimagerechte Welt und nehmt die Politik in die Pflicht. Aber lasst uns auch beieinander bleiben, wenn es um die mühsamen Wege geht, die Ziele tatsächlich zu erreichen."

CDU-Fraktionschef Christian Baldauf nannte Fridays for Future "eine bedeutende, kontinuierlich wachsende Initiative und eine Mahnung an uns Politiker zugleich". "Was als Schüler-Bewegung begann, hat sich zur generationenübergreifenden Protestbewegung weltweit entwickelt."

Bernhard Braun, rheinland-pfälzischer Grünen-Fraktionschef äußerte sich enttäuscht über das Klimakabinett der Groko. "Große Teile der Bevölkerung haben längst erkannt, wie ernst die Lage für unseren Planeten ist", erklärte er. "Was die Regierungsfraktionen auf Bundesebene abliefern, reicht jedoch nach wie vor nicht aus."

Rund 200 Organisationen unterstützen Protest

Nach Ansicht des AfD-Fraktionsvorsitzenden Uwe Junge sind die Demos ein Ausdruck von Verunsicherung und Besorgnis. "Ich bin überzeugt, dass der Erfindergeist der Deutschen uns auch für die kommenden Herausforderungen Lösungsmöglichkeiten eröffnen wird", so Junge. Er forderte, "vom Demo- in den Denk-Modus" zu wechseln.

Insgesamt unterstützten nach Angaben von Fridays for Future mehr als zweihundert Organisationen das Aktionsbündnis und die Streiks am Freitag. Darunter unter anderem Verdi, die IG Metall Jugend, die Bistümer Mainz, Trier und Speyer sowie die Evangelische Kirche der Pfalz und die Evangelische Kirche im Rheinland.

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