Die Silhouette einer Ölpumpe in den USA.  (Foto: IMAGO, IMAGO / McPHOTO)

Debatte neu entbrannt

Fracking in RLP als Lösung für aktuelle Energiekrise?

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Zuletzt wurden wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine immer wieder Forderungen laut, mit Hilfe von Fracking in Deutschland Gas zu fördern. So steht's in Rheinland-Pfalz um das Thema Fracking.

Im Zuge der aktuellen Energiekrise und, um sich unabhängiger von russischem Gas zu machen, wird plötzlich wieder über ein eigentlich längst abgeschriebenes Thema gesprochen: Fracking. Gerät gerade ein umwelttechnisches Tabu ins Wanken?

Was ist Fracking?

Fracking ist eine Methode, um Erdöl- und -gas aus undurchlässigen Gesteinsschichten zu fördern. Beim Fracking in nicht ausreichend durchlässigem Stein wie Schiefer wird Erdgas mit Hilfe von Druck und Chemikalien aus Gesteinsschichten herausgeholt. Die unter großem Druck in den Schiefer gepresste Wasser-Sand-Chemikalien-Mischung sorgt für Risse im Gestein. Weil es mögliche Gefahren für die Umwelt - zum Beispiel für das Grundwasser - birgt, ist das Verfahren höchst umstritten.

Trotzdem werden im Zuge von Russlands Krieg gegen die Ukraine und den damit einhergehenden explodierenden Energiepreisen immer wieder Forderungen laut, wieder über das verbotene Fracking in Deutschland nachzudenken. Zuletzt hatte der baden-württembergische FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke gesagt, er könne sich "angesichts hoher Energiepreise vorstellen, in Deutschland Erdgas durch die Fracking-Technologie zu gewinnen".

Wer von Putins Gas unabhängig werden will, der muss alle anderen Möglichkeiten vorurteilsfrei prüfen.

Insofern könne auch Fracking nicht von vornherein ausgeschlossen werden, betonte der Politiker. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) und der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, hatten kürzlich eine ergebnisoffene Prüfung des Frackings gefordert.

Fracking ist keine kurzfristige Lösung

Und tatsächlich: Nach Schätzungen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) könnten zwischen 300 bis rund 2.000 Milliarden Kubikmeter Erdgas als Schiefergas in Deutschland vorhanden sein. Das Potential wäre als vorhanden, aber das Ganze kann keine kurzfristige Lösung für die aktuelle Energiekrise sein. Denn: Die Untersuchungen der BGR stammen aus dem Jahr 2016. 2017 kam dann das gesetzliche Fracking-Verbot.

"Die Erkundung dieser Ressource steht ganz am Anfang", erklärt der Geologe Stefan Ladage vom BGR. Der nächste Schritt würde zunächst beinhalten, dass man in wesentlich größerem Detail einzelne Vorkommen erkunden müsste, so Ladage. Das sei aber nach heutiger Gesetzgebung untersagt. Laut BGR haben bislang auch keine der per Gesetz möglichen vier Probebohrungen in Deutschland stattgefunden.

Und selbst für den Fall, dass im Zuge der Energiekrise dass Fracking-Verbot gekippt würde, sieht Ladage im Fracking keine kurzfristige Lösung, um russische Erdgaslieferungen zu ersetzen: "Selbst wenn es das Fracking-Verbot nicht geben würde, muss man aus geowissenschaftlicher Sicht festhalten: Die Erschließung dieser Vorkommen könnte nur schrittweise erfolgen. Das geht nicht von heute auf morgen und würde sicherlich Jahrzehnte in Anspruch nehmen."

In RLP kommt Oberrheingraben für Fracking infrage

In Rheinland-Pfalz besteht laut BGR nur im Gebiet des Oberrheingrabens an der Grenze zu Frankreich und Baden-Württemberg Schiefergaspotential. Das bestätigt auch das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium, bei dem die Zuständigkeit für das Thema Fracking in Rheinland-Pfalz liegt. Aber auch hier setzt man keine große Hoffnung ins Fracking: "Die konventionellen Erdöllagerstätten in Rheinland-Pfalz sind gasarm, so dass dies auch auf die Muttergesteine zutreffen dürfte und folglich ein entsprechendes Potential kaum zu erwarten ist", heißt es auf Anfrage des SWR.

Auch die rheinland-pfälzischen Ampel-Parteien winken zum Thema Fracking schnell ab. Die Grünen erklären mit Verweis auf die Umweltrisiken, Fracking sei "kein geeignetes Verfahren, um die Energiesicherheit zu gewährleisten". Ähnlich äußert sich die rheinland-pfälzische SPD. Solange die mit Fracking verbundenen hohen Risiken für Umwelt und Bevölkerung nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden könnten, seien entsprechende Vorhaben abzulehnen. Für Rheinland-Pfalz spiele diese Art der Energieförderung außerdem eine "absolut untergeordnete Rolle". "Wir gehen nicht davon aus, dass die Förderung, insbesondere durch Fracking, in Rheinland-Pfalz besonders sinnvoll ist", äußert sich auch der energiepolitische Sprecher der rheinland-pfälzischen FDP-Fraktion, Marco Weber.

Erneuerbare Energie statt Fracking

Stattdessen betonen alle drei Regierungsparteien im Land die Wichtigkeit des Ausbaus erneuerbarer Energiequellen. Für Rheinland-Pfalz scheint also das Thema Fracking in naher Zukunft keine Rolle zu spielen. Ähnlich wie in Baden-Württemberg, wo das zuständige grüngeführte Umweltministerium dem Ansinnen von Oppositionspolitiker Rülke eine schnelle Absage erteilte. Die BW-Landeschefin des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Sylvia Pilarsky-Grosch, entgegnete den neu entbrannten Diskussionen ums Fracking schlicht: "Herausforderungen der Zukunft und der Gegenwart bewältigt man selten mit Ideen der Vergangenheit."

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