Foto einer Rutsche in einem Hallenbad. Im Hintergrund sieht man durch eine große Fensterfront eine Kirche. (Foto: IMAGO, IMAGO / Bernd König)

Wie Einrichtungen in RLP mit hohen Kosten umgehen

Hohe Energiepreise: kalte Kirchen, kalte Schwimmbecken?

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In Folge des Krieges gegen die Ukraine machen sich auch öffentliche Einrichtungen Gedanken ums Energiesparen. Wir haben uns beispielhaft Kirchen und Schwimmbäder angeschaut: Müssen wir Ostern auf der Kirchenbank frösteln oder im Schwimmbecken zittern?

Wie lässt sich möglichst viel Energie sparen? Das fragen sich aktuell nicht nur Privatpersonen. Dreht man die Heizung um ein Grad herunter, entspricht das einer Energieeinsparung von sechs Prozent, teilt die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz mit. Das Bistum Trier hat diese Zahl zum Anlass genommen, Menschen unter dem Titel "Ein Grad weniger" anzuregen, das eigene Heizverhalten kritisch zu hinterfragen.

Gas sparen, nicht in Russland kaufen

"Wir sehen die extrem gestiegenen Kosten für Öl und Gas mit all dem sozialen Druck, wir sehen den weiter wachsenden CO2-Ausstoß und wir sehen unsere Abhängigkeit von Öl, Gas und Kohle aus Russland", sagt die Vorsitzende der Diözesankommission für Umweltfragen im Bistum Trier, Charlotte Kleinwächter.  "Das Gas, das ich heute spare, muss ich morgen nicht in Russland kaufen."

Die Aufforderung richtet sich auch an die Pfarreien des Bistums. In einem Brief an die Gemeinden schreibt Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg: "Die furchtbaren und unglaublichen Ereignisse in der Ukraine erschüttern uns! Als Zeichen der Solidarität und Anteilnahme können wir im ganzen Bistum die Kirchenheizungen ab sofort - bis auf weiteres - abstellen oder wenigstens deutlich drosseln (...). Damit können wir Russlands Erlöse aus Gas- und Ölverkäufen zumindest symbolisch etwas schmälern."

Bei der Temperatur muss man einen Kompromiss finden

Ein Appell, aber keine Anweisung für die Pfarreien des Bistums. Und so ist die Heizung in vielen Kirchen doch noch an, zum Beispiel in der Pfarrei Alftal im Landkreis Bernkastel-Wittlich. Mollig warm ist es dort aber nicht. 13 Grad Grundtemperatur herrschen in der Kirche. "Wir gehen kostenbewusst um, aber wir müssen auch einen Kompromiss finden, so brauchen die Orgeln zum Beispiel ein gewisses Raumklima", heißt es aus der Pfarrei.

Auch in der Pfarreiengemeinschaft Gerolsteiner Land wurde nicht weiter an der Heizung gedreht. Der Grund: Bereits durch die Corona-Pandemie wurde das Heizen schon stark eingeschränkt, um die Verbreitung des Virus zu verringern. Nun sei man in den meisten Kirchen bei tagsüber 8 Grad ohne Gottesdienst und bei bis zu 14 Grad an Tagen mit Gottesdienst.

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In der Pfarrei Gillenfeld sieht auch Gemeindereferent Stefan Becker das Ende der Fahnenstange erreicht. Becker ist jemand, dem das Thema Energie besonders am Herzen liegt. 2017 gewann er mit seinem Energiesparkonzept den Umweltpreis des Bistums. "Hier wird nichts verplempert" sagt er. Und nach Ostersonntag würden die Heizungen sowieso abgestellt.

"Wir gucken schon, was wir machen können, damit wir Heizkosten einsparen können", sagt auch Diakon Norbert Hendricks von der Pfarreiengemeinschaft St. Maria Magdalena Großmaischeid-Isenburg. So würden teils Gottesdienste ins Pfarrheim verlegt, um die großen Kirchen nicht heizen zu müssen.

Kirchen setzen auf Nachhaltigkeit

Im Bistum Mainz hat es ein Schreiben wie das aus dem Bistum Trier nicht gegeben. Ein Thema ist das Heizen jedoch auch hier. "Der Krieg in der Ukraine zeigt, dass Nachhaltigkeit in Bezug auf fossile Energie auch ein Friedensthema ist", schreibt Tobias Blum von der bischöflichen Pressestelle.

Die Evangelische Kirche im Rheinland hat bereits auf ihrer Landessynode im Januar Beschlüsse auf den Weg gebracht, um in Zukunft mehr Energie zu sparen, zum Beispiel durch Heizungsoptimierung und Wärmedämmung. "Vor dem Hintergrund des Krieges wird es von einer Reihe von Gemeinden nun als dringlich empfunden, in diesem Bereich noch schneller zu handeln", heißt es von der Pressestelle.

Die Evangelische Kirche der Pfalz setzt unter anderem auf energiesparende, elektrische Unterbankheizungen. Eine zusätzliche Temperaturabsenkung hält man aber auch dort für sinnvoll: "In Kirchen macht jedes Grad Absenkung besonders viel aus, da der Unterschied zwischen Außentemperatur und gewünschter Temperatur nicht so groß ist wie bei Wohngebäuden."

Ein deutlicher Appell kommt auch von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Der Leiter des zugehörigen evangelischen Zentrums Gesellschaftliche Verantwortung in Mainz, Oberkirchenrat Pfarrer Christian Schwindt, fordert in Richtung Gemeinden: "Lassen Sie uns als Evangelische Kirche ein deutliches Zeichen setzen. Sparen Sie als Sofortmaßnahme Heizenergie in Ihrer Kirchengemeinde, um die Fremdfinanzierung des Krieges in der Ukraine durch Zahlungen aus Deutschland zu verringern."

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Wie gehen Schwimmbäder mit Energiekosten um?

Einerseits heizen die Kirchen im Land also sowieso bereits auf niedrigem Niveau und andererseits ist eine Jacke auf der Kirchenbank für die meisten Besucher wahrscheinlich akzeptabel. Wie sieht es aber in einem Bereich aus, in dem eine Jacke keine Option ist und eine gewisse Wohlfühltemperatur unbedingt gegeben sein sollte, um Besucher nicht zu vergraulen? Wie reagieren die Schwimmbäder im Land auf die Energiepreiskrise?

Nachdem die Corona-Pandemie den Bädern bereits stark zugesetzt hat, malt die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) nun ein düsteres Bild für die nähere Zukunft: "Es ist zu erwarten, dass die Energieversorgung in Deutschland im Jahr 2022 streng reguliert werden wird. Nach den Erfahrungen der Corona-Pandemie kann davon ausgegangen werden, dass Schwimmbäder nach Einschätzung der Politik nicht zu den systemrelevanten Einrichtungen gehören werden. Damit werden sie sich mit einem erheblich kleineren Anteil der Energieversorgung zufrieden geben und sich auf diese Situation angemessen vorbereiten müssen."

Sollte die Energieversorgung für die Bäder stark beschränkt werden, schlägt die DGfdB mehrere Sparschritte vor - von der Senkung der Wassertemperaturen über die Außerbetriebnahme beheizter Außenbecken und Attraktionen bis hin zur kompletten Schließung.

Bäder in Cochem und Mayen senken Temperaturen

Erste Hallenbäder in Rheinland-Pfalz haben nach eigenen Angaben die Wassertemperatur in ihren Becken tatsächlich bereits gesenkt - wegen der hohen Preise. Das Nettebad in Mayen hat nach eigenen Angaben die Wassertemperatur von 29 auf 28 Grad reduziert. Die Temperatur in der Halle selbst wurde von 33 auf 28 Grad minimiert. Auch das Moselbad in Cochem hat die Wassertemperatur in den Becken um ein Grad verringert. Nach eigener Auskunft falle das den Gästen oft nicht auf.

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In einer komfortableren Position ist da die Moseltherme in Traben-Trarbach. Jens Burch, stellvertretender Leiter der Verbandsgemeindewerke sagt: "Das Thermalwasser kommt so warm an, dass man tagsüber nur wenig tun muss, um es warm zu halten." Allerdings werde dafür aktuell nachts noch mehr Energie benötigt. Wegen der steigenden Ernergiekosten müsse man sich deshalb in Zukunft noch einmal darüber Gedanken machen, die Preise für Eintrittskarten zu erhöhen. Im Moment verzichtet die Therme noch darauf.

"Es wird sich was tun", ist aus Lingenfeld (Landkreis Germersheim) zu hören. Die Verbandsgemeinde betreibt dort ein kleines Hallenbad. In welche Richtung - ob in Form erhöhter Eintrittspreise, oder gesenkter Temperaturen - ist noch nicht entschieden.

Viele Bäder wollen Standardtemperaturen beibehalten

Im großen Taubertsbergbad in Mainz soll erst einmal alles beim Alten bleiben. Man habe zwar über niedrigere Temperaturen nachgedacht. "Allerdings möchten wir unseren Gästen auch weiterhin einen angenehmen Besuch bei uns bieten und haben uns deshalb bisher entschieden keine diesbezüglichen Anpassungen vorzunehmen", schreibt Pressesprecher Michael Theurer.

Das Taubertsbergbad in Mainz (Foto: SWR)
Das Taubertsbergbad in Mainz

Ähnliche Töne kommen von den Stadtwerken Trier, die das Bad an den Kaiserthermen betreiben: "Auch wenn die Energiekosten zuletzt stark angestiegen sind, möchten wir das Bad aus derzeitiger Sicht weiterbetreiben und werden dabei die Energieverbräuche und Kosten besonders im Blick halten. Gerade nach den Einschränkungen während der Coronazeit möchten wir unseren Kunden im Sinne der Daseinsvorsorge die Möglichkeit des Schwimmsports ermöglichen." Man habe außerdem in der Vergangenheit die Energieeffizienz des Bades optimiert.

Keine Sorgen müssen sich Badebesucher in Koblenz machen. In den Hallenbädern bleibt nach Aussage der Stadtverwaltung alles beim Alten, das Wasser im Freibad wird "mit einer solarthermischen Anlage erwärmt, so dass dort keine fossilen Energieträger zum Einsatz kommen."

Bäder haben noch weitere Sorgen

Das Saar-Mosel-Bad in Konz und das Erlebnisbad Cascade in Bitburg können längerfristige Gasverträge vorweisen, sind also von steigenden Energiepreisen vorerst nicht betroffen. Das gleiche erzählt auch Werner Brennemann, der als Geschäftsführer der Stadtwerke Zweibrücken für das Badeparadies Zweibrücken zuständig ist. Sinkende Wassertemperaturen sind dort nicht vorgesehen. Bei den Eintrittspreisen könne eine Erhöhung in Zukunft schon möglich sein. Das hätte dann aber mehrere Gründe: Corona, weniger Besucher, hohe Fix- und Personalkosten.

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