Rutsche auf Spielplatz wurde durch das Hochwasser aus den Boden gerissen. (Foto: SWR)

Zeugenaussagen in Flut-Untersuchungsausschuss

Mitarbeiter: "Pföhler war in Flutnacht nicht wieder zu erkennen"

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Dirk Rodenkirch
Dirk Rodenkirch  (Foto: ARD-Hauptstadtstudio/Jens Müller )

Im Untersuchungsausschuss zur Flutkatastrophe hat ein enger Mitarbeiter des damaligen Landrates des Kreises Ahrweiler, Jürgen Pföhler (CDU), ausgesagt. In der Flutnacht habe er Pföhler ganz anders erlebt als sonst, sagte Erich Seul.

"Je später der Abend wurde, desto mehr hat man ihm angemerkt, dass er von der Situation betroffen war", sagte der Mitarbeiter der Kreisverwaltung im U-Ausschuss. Der Landrat habe in früheren Krisen immer sofort Entscheidungen getroffen und besonnen reagiert. Am Flutabend habe er Pföhler "fahrig" und "unkonzentriert" erlebt, sagte Seul.

Pföhler habe unter anderem von seinem Haus gesprochen, das direkt an der Ahr liege. "Ich habe den Mann nicht wiedererkannt", so Seul. Sein Verhältnis zum früheren Landrat Pföhler bezeichnete er als "intensives Arbeitsverhältnis."

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Unklar, warum Pföhler nicht in der Kreisverwaltung war

Am frühen Nachmittag des 14. Juli 2021 habe Pföhler die Kreisverwaltung verlassen. Warum wisse er nicht, erklärte Seul in seiner Zeugenaussage. Der Landrat sei dann am Abend noch einmal in die Kreisverwaltung gekommen, nachdem sich Innenminister Roger Lewentz (SPD) angekündigt hatte. Anschließend sei Pföhler wieder nur über sein Handy erreichbar gewesen.

Das Ausmaß der Katastrophe sei ihm an dem Abend nicht klar gewesen, berichtete Seul: "Aber es war allen klar, dass es etwas sehr Großes ist, was da passiert." Die Technische Einsatzleitung (TEL) des Kreises Ahrweiler habe von Anfang an intensiv gearbeitet und alles getan, um an Hubschrauber heran zu kommen.

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Er könne aber nicht ausschließen, dass in dem Gespräch auch das Wort "Katastrophenalarm" gefallen sei. "Der Tenor war aber ein anderer", erklärte Seul. Der Kreis habe dann auch die zentrale Steuerung übernommen - wie von Weigand gewünscht. Katastrophenalarm rief der Kreis aber erst am späten Abend aus.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den ehemaligen Landrat Pföhler wegen womöglich zu später Warnungen und Evakuierungen. Er wird am kommenden Freitag (8. Juli) im Untersuchungsausschuss erwartet.

Im ersten Teil der Sitzung hatte sich der Landtagsausschuss erneut mit der Situation in der Technischen Einsatzleitung des Kreises Ahrweiler in der Flutnacht befasst. Mitglieder des Technischen Hilfswerks, die dort eingesetzt waren, berichteten unter anderem von einer problematischen Kommunikation nach außen. So habe es im Grunde keinerlei Informationen über die Lage an der oberen Ahr gegeben.

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S2-Position in der Einsatzleitung war doch besetzt

Daniel Gronwald vom THW Sinzig erklärte, dass er damals in der TEL die Position des S2 innehatte und somit dafür zuständig gewesen sei, sich eine Übersicht über die Lage im Kreisgebiet zu verschaffen. "Ich kann keine Lage führen, wenn ich keine Rückmeldungen habe," beklagte Gronwald. Zudem habe Personal gefehlt, um selbst Einsatzkräfte zur Erkundung der Lage rauszuschicken.

In der vorausgegangenen Sitzung hatten einige andere Mitglieder der Einsatzleitung ausgesagt, dass sie sich nicht daran erinnern könnten, wer die S2-Position besetzt hatte. Die Abgeordneten im U-Ausschuss hatten deshalb vermutet, dass es Absprachen bezüglich der Aussagen gegeben haben könnte.

Laut Gronwald versuchte der Leiter der TEL, Michael Zimmermann, damals mehrfach Landrat Pföhler telefonisch zu erreichen. Dabei sei Zimmermann aber gescheitert. "Da schwang etwas Verzweiflung mit", berichtete Christian Niemeyer in seiner Befragung von Zimmermanns Bemühen, Pföhler zu erreichen. Auch Niemeyer vom THW Ahrweiler war damals in der TEL im Einsatz.

Der Einsatzleiter in Ahrweiler habe auch bei der ADD angezeigt, dass man mit der Lage überfordert sei, sagte Ausschussmitglied Marcus Klein (CDU) dem SWR. "Trotzdem ist keine Reaktion erfolgt – und das wird hier in den nächsten Wochen auch noch aufzuarbeiten sein."

Der Untersuchungsausschuss soll klären, welche Versäumnisse es bei der Flutkatastrophe Mitte Juli gab und wer dafür verantwortlich ist. Die Flut hatte in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 für verheerende Zerstörungen gesorgt, 135 Menschen starben alleine in Rheinland-Pfalz.

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