Aufräumen nach der Flutkatastrophe (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Thomas Frey)

Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz

Auch Andrang von Helfern muss organisiert werden

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Die Flut in Rheinland-Pfalz hat auch eine Flut der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Aber neben Dankbarkeit gibt es auch Frust bei Betroffenen und Helfern. Behörden und Organisationen bemühen sich um eine bessere Organisation.

Als das Ausmaß der Flutschäden erkennbar wurde, haben sich zahlreiche Menschen von nah und fern auf den Weg in die betroffenen Gebiete in Rheinland-Pfalz gemacht: die Feuerwehr, das Technische Hilfswerk (THW), aber auch viele Privatleute. Sie wollen helfen - schnell und unbürokratisch.

Doch die gut gemeinte Hilfe kam nicht überall auch gut an. Hilfsbereite Bürger behinderten teilweise die Rettungsarbeiten, sagte am Samstag ein Sprecher der Feuerwehr in Adenau. Die Polizei in Koblenz teilte per Twitter mit: "Bitte fahrt nicht in das Katastrophengebiet, um selbst nach Angehörigen zu suchen oder Hab und Gut zu sichern. Ihr bringt Euch sonst selbst in Gefahr und behindert ggf. die Rettungsmaßnahmen!"

Es kam zu teils chaotischen Verkehrsverhältnissen, wie etwa rund um die besonders betroffene Ortsgemeinde Schuld im Kreis Ahrweiler. Örtliche Hilfskräfte äußerten die dringende Bitte, sich vorher anzumelden, damit die Hilfe besser koordiniert werden könne.

Am Dienstag gab es Stau bei Dernau (Landkreis Ahrweiler). Die Polizei rief über Facebook die Menschen dazu auf, Fahrgemeinschaften zu bilden.

Eure Hilfsbereitschaft ist weiterhin überwältigend!
Derzeit erreichen uns jedoch viele Meldungen, dass die wenigen...Posted by Polizei Rheinland-Pfalz on Wednesday, July 21, 2021

Der Ortsbürgermeister von Dernau (Kreis Ahrweiler), Alfred Sebastian, bittet die Polizei um Hilfe. Sie solle Ordnung ins Chaos bringen, damit "effizient" aufgeräumt werden könne. Derzeit ginge es "nicht voran".

Frust bei vielen Helfern

Aber nicht nur bei den örtlichen Organisatoren, auch bei Helfern gab es Frust. Viele Menschen beklagen sich darüber, das ihre Hilfe nicht angenommen werde. So waren Feuerwehrleute aus dem Kreis Kaiserslautern nach Bitburg gefahren, um zu helfen. Aufgrund der unübersichtlichen Lage wurden sie aber wieder nach Hause geschickt.

Es gab aber auch viele, die einfach unangemeldet kamen und tatkräftig anpacken konnten, wie etwa Albrecht Hannemann aus dem fränkischen Braunsbach. Auch beim SWR landen ständig Hilfsangebote - etwa über Instagram: "Hallo! Mein Mann und ich möchten gerne helfen, wo wir benötigt werden. Wir fahren hin wo wir für Aufräumarbeiten oder ähnliches gebraucht werden. Könnt ihr mir sagen wo ich herausfinden kann, wo man wie helfen kann? Ich denke nicht dass es sinnvoll wäre, einfach drauf los zu fahren, aber bei den Hotlines komme ich nicht durch!"

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THW: "Es gibt immer eine Chaosphase"

"Alles ganz normal", sagt Michael Walsdorf, der Sprecher des THW-Landesverbandes Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, auf SWR-Anfrage. Bei solchen Ereignissen gebe es "immer eine Chaosphase, die drei, vier Tage dauert". Schließlich müssten sich die Hilfskräfte erst einmal selbst installieren. Man brauche Stellplätze, die Helferinnen und Helfer müssten verpflegt werden.

ADD leitet Einsätze im Kreis Ahrweiler

Die Verantwortlichen haben mittlerweile auf die teils unübersichtliche Situation reagiert. Die Einsatzleitung in Bad Neuenahr-Ahrweiler liegt nun beim Land Rheinland-Pfalz. Der Landkreis habe das Land am Samstagabend gebeten, die Einsatzleitung zu übernehmen, hieß es am Sonntag. "Die erforderlichen Maßnahmen zur Bewältigung der verheerenden Unwetterkatastrophe übersteigen bei weitem die Einsatzmöglichkeiten des örtlichen Katastrophenschutzes", teilte die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) mit.

Menschen laufen durch eine dichte Staubwolke und transportieren etwas in einem Rollwägelchen. (Foto: SWR)
Inzwischen trocknet der Schlamm und die Lkw, Traktoren und andere Fahrzeuge wirbeln sehr viel Staub auf.

"Das ist das erste Mal, dass sich in Rheinland-Pfalz eine Naturkatastrophe in dieser Größenordnung ereignet hat. Wir werden alles Erdenkliche tun, um die Folgen der Katastrophe gemeinsam zu bekämpfen. Die Kräfte des Landes und des Landkreises arbeiten eng zusammen", sagte ADD-Präsident Thomas Linnertz.

Im Bereich Trier sind weiter die Stadt Trier und die entsprechenden Landkreise für die Koordinierung der Hilfe zuständig.

"Lage hat sich verbessert"

Aber egal, ob ADD oder Landkreis - "die wissen alle, was sie tun", sagt THW-Mann Walsdorf. Wichtig sei, dass nun mehr Personal für die Organisation zur Verfügung stehe. "Die Lage hat sich verbessert."

Aber der Aufwand sei weiter riesig, sagt Walsdorf. Er rechne damit, dass der Einsatz Monate dauern werde. Und eines beeindrucke ihn ganz besonders: "Sehr viele Menschen vor Ort sind selbst betroffen von der Flut - und machen trotzdem ihren Job."

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