Analysebild von Copernicus - The European Earth Observation Programme (Foto: Copernicus Emergency Management Service (© 2021 European Union), EMSR517: Flood in Western Germany - https://emergency.copernicus.eu/mapping/list-of-components/EMSR517/GRADING/EMSR517_AOI15)

SWR-Datenanalyse zur Flutkatastrophe an der Ahr

Noch 3 Vermisste - Aktuelle Daten und Fakten

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Mindestens 133 Tote, Tausende sind obdachlos. Hunderte Gebäude sind weggerissen. Satellitenbilder zeigen annähernd, wie groß die Zerstörung an der Ahr ist. Eine SWR-Datenanalyse.

Die Ahr überschwemmt weite Teile der Ufergebiete. Insgesamt sind nach Auswertung der Satellitenbilder schätzungsweise fast 200 Hektar Fläche entlang der Ahr überflutet. Verheerend für die Anwohnerinnen und Anwohner. Entlang der Ahr im Landkreis Ahrweiler leben rund 56.000 Menschen. Für viele von ihnen kommt jede Warnung zu spät, sie sterben in den Wassermassen. Hunderte werden verletzt. Immer noch werden Menschen in den Trümmern vermisst.

Bis Samstag (18.9.2021) wurden 133 Tote im Ahrtal (+ ein Toter in Trier) und 766 Verletzte gezählt. Insgesamt wurden 142 Tote geborgen, acht davon sind der Polizei zufolge aber keine Flutopfer, sondern waren bereits vor der Hochwasser-Katastrophe gestorben und aufgebahrt oder beerdigt worden. Alle 134 unmittelbaren Flutopfer und die 8 anderen Toten sind mittlerweile identifiziert. Weiterhin vermisst werden noch drei Personen. Hier hofft die Polizei, diese Menschen lebend oder tot zu finden. Dies werde aber mit jedem Tag unwahrscheinlicher. So könne man nicht ausschließen, dass diese drei Fälle nie geklärt werden.

Das Ausmaß der Zerstörung des Hochwassers

Sturzfluten reißen Pegel im Kreis Ahrweiler davon

Als kurz nach 19:00 Uhr die Flutwelle die historische Marke von 3,21 Meter am Pegel in Altenahr überschreitet, ahnt vor Ort offenbar noch niemand, dass der Pegel in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli alle Rekorde brechen würde. Schon eine Stunde später steht der Pegel bei über 5 Meter. Dann überspülen die Sturzfluten das Messgerät. Erst nach 23 Uhr wird im Landkreis der Katastrophenalarm ausgerufen. Die Hochwasserzentrale schätzt, dass die beschauliche Ahr auf über 7 Meter angeschwollen war. Das ist mehr als das Doppelte vom historischen Höchststand vor fünf Jahren am 2. Juni 2016:

42.000 Betroffene des Hochwassers im Landkreis Ahrweiler

Entlang der Ahr im Landkreis Ahrweiler leben laut EU-Auswertung rund 56.000 Menschen. Dabei geht die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) von 42.000 Betroffenen aus. Davon haben mindestens 17.000 unmittelbar Hab und Gut verloren oder stehen vor erheblichen Schäden, so die Schätzung auf Basis der Satellitenauswertung.

Dernau im Landkreis Ahrweiler wurde beinahe komplett von den Wassermassen geflutet. Viele Menschen verloren alles. (Foto: Imago, Future Image)
In der Eifel haben heftige Regenfälle und Dauerregen für Überschwemmungen und Überflutungen gesorgt. Im Ahrtal trat der Fluss vielerorts über die Ufer und überschwemmte nicht nur Keller, sondern ganze Ortschaften. Im Bild der Ort Dernau (Landkreis Ahrweiler), der beinahe komplett von den Wassermassen geflutet wurde. Viele Menschen verloren alles. Imago Future Image

Schätzungsweise 3.000 Gebäude nach Flut beschädigt - fast 500 zerstört

Die Flut am 14. Juli reißt mindestens 467 Gebäude mit, darunter mindestens 192 Wohnhäuser. Geschäfte, Hotels, Fabriken und Werkstätten werden vom Wasser zerstört. Von den 4.200 Gebäuden entlang der Ahr sind geschätzt mehr als 3.000 beschädigt worden. Das sind mehr als 70 Prozent aller Gebäude. Dazu kommen in Rheinland-Pfalz und dem benachbarten Nordrhein-Westfalen an die 100.000 beschädigte Telefon- und Internet-Leitungen. Laut Telekom konnten mittlerweile (Stand: 30.8.) bei rund 80.000 der zwischenzeitlich vom Netz gegangenen Haushalte die Leitungen repariert werden.

Zerstörte Brücken und Straßen Folgen der Flutkatastrophe

179 Kilometer Verkehrswege könnten beschädigt sein. 5,2 Kilometer sind demnach vollständig zerstört, darunter 0,7 Kilometer Brückenwege. Mehr als 73,9 Kilometer der 179,7 Kilometer an Straßen, Brücken und Wegen an der Ahr weisen auf den Satellitenbildern Anzeichen auf eine Beschädigung auf.

Daten des EU Copernicus Emergency Management Service

Satellitenbilder liefern eine erste Möglichkeit, aus der Vogelperspektive Daten vor und nach der Flut abzugleichen. Daraus lässt sich eine grobe Schätzung der Schäden an Gebäuden, Flächen und Infrastruktur ableiten. Grundsätzlich tendiert diese Perspektive laut Experten dazu, das Ausmaß eher zu unterschätzen. Die tatsächlichen Schäden sind häufig größer und nicht immer auf den Luftbildern zu erkennen. Der SWR hat die Rapid Mapping Analyse der Europäischen Kommission ausgewertet und die Informationen in den hier gezeigten Karten und Charts aufbereitet.


Das Copernicus Emergency Management Service ist eine Einrichtung der Europäischen Kommission für das Krisenmanagement bei Katastrophen. Die Service-Agentur bietet auf Anfrage von Behörden ein Rapid Mapping mittels Satellitenbilder an. Dabei werden die betroffenen Krisengebiete abgesteckt. Anhand von Vorher-Nachher-Vergleichen und weiteren Daten über Bevölkerung, Fläche, Bebauung, Infrastruktur etc. wird das Ausmaß einer Naturkatastrophe analysiert. Im Falle der Flutkatastrophe an der Ahr hat Copernicus EMS am 21. Juli 2021 Karten und Daten zu einer ersten Abschätzung der Schäden veröffentlicht.

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Hinweis: In einer früheren Version hieß es, die Flutwelle habe die historische Marke von 3,21 Meter am Pegel in Altenahr bereits um 18.00 Uhr überschritten. Dies war falsch. Die Angaben des Pegels werden in der Mitteleuropäischen Zeit MEZ erfasst und ausgegeben. Diese Zeitangabe berücksichtigt keine in Deutschland geltende Sommerzeit. Deshalb war der Zeitpunkt nach Mitteleuropäischer Sommerzeit erst um 19.00 Uhr.

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