Lange Warteschlangen haben sich am Düsseldorfer Flughafen vor den Schaltern gebildet (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | David Young)

Rechte von Passagieren

Personalmangel: Tipps im Flughafen-Chaos

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Christian Papadopoulos

Die Lufthansa hat angekündigt, mehr als 2.000 Flüge zusätzlich im Sommer zu streichen. Grund hierfür sei ein akuter Personalmangel. Welche Rechte habe ich als betroffener Fluggast? Und was ist, wenn ich meinen Flug verpasse, weil mein Zug Verspätung hat?

Sommerzeit ist Reisezeit. Umso schlimmer, dass ausgerechnet jetzt einige Fluggesellschaften Flüge unvermittelt streichen - einfach deshalb, weil ihnen das Personal fehlt. Welche Möglichkeiten habe ich als Betroffener, meine Rechte wahrzunehmen?

Dramatischer Personalmangel an Bord und am Boden - die Lufthansa muss deshalb weitere 2.200 Flüge im Sommer streichen. Betroffen sind vor allem innerdeutsche und europäische Flüge. Klassische Urlaubsziele sollen - wenn möglich - ausgenommen sein. Ähnliche Probleme gibt es bei der Schweizer Fluggesellschaft Swiss - einer Tochter der Lufthansa. Ursache ist die Corona-Pandemie. Zahlreiche Mitarbeitende haben in den vergangenen zwei Jahren der Reisebranche den Rücken gekehrt.

Personalmangel im Luftverkehr

Der Luftverkehr hat mit Personalmangel in der Hochsaison zu kämpfen, vor allem bei Bodendiensten, zum Teil aber auch bei Flugbegleitern. So fehlen an deutschen Flughäfen nach einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (DIW) derzeit rund 7.200 Fachkräfte. Zugleich gebe es "keine Reserven mehr am Arbeitsmarkt", um diese Lücken beim Luft- und Bodenpersonal zu füllen, heißt es in der Studie.

Bei Servicekräften gab es zwischen 2019 und 2021 einen Rückgang von 6.000 Beschäftigten, dazu kommen 1.200 Bodenkräfte im technischen Luftverkehrsbetrieb. Nun, da Fliegen wieder möglich ist, treffen eine hohe Nachfrage und ein großer Personalmangel aufeinander.

Was kann ich als Fluggast tun, wenn mein Flieger ausfällt?

Eine Möglichkeit: Ich wende mich an ein Fluggast-Rechteportal. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Möglichkeiten: Inkasso-Dienstleister und so genannte Sofort-Entschädiger. Letztere prüfen meinen Fall, schauen, was herausspringen könnte und machen mir ein Angebot. Stimme ich zu, ist der Fall für mich erledigt, und ich bekomme das Geld direkt von dieser Firma überwiesen - egal, ob und in welcher Höhe sich der Sofort-Entschädiger mit der Fluggesellschaft einigt. Aber: Die Firma behält dafür gut 40 Prozent meiner Entschädigung als Provision ein.

Weniger kostet es bei Inkassodienstleistern. Aber auch die verlangen etwa 30 Prozent Erfolgsprämie - also auch noch fast ein Drittel. Dafür muss ich aber länger warten, bis die Inkassofirma sich mit der Airline auseinander gesetzt hat. Das kann ein paar Monate oder länger dauern. In jedem Fall muss ich nur zahlen, wenn es klappt. Welche Portale gut sind, testen zum Beispiel die Stiftung Warentest oder Finanztipp immer wieder.

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Gebühren vermeiden - selbst aktiv werden

Verbraucherschützer raten meistens - gerade wegen der hohen Gebühren - es erst einmal selbst zu versuchen. Das klappt in Dreiviertel aller Fälle. Bei einem Nein der Fluglinie können Sie sich auch an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) wenden. Dort gibt es auch ein Online-Formular für den Schlichtungsantrag.

Ich kann auch zu einem Anwalt gehen - den zahlt bei Erfolg die Airline. Für manche Anwälte geht es bei solchen Streitfällen aber um zu wenig Geld. Für alle, die sich den Papierkram ersparen wollen und die Gebühren in Kauf nehmen, sind daher Fluggastrechte-Portale eine praktische Alternative.

ADAC: Flug gestrichen - Fluggesellschaft muss zahlen

Die Rechtslage ist klar: Wird ein Flug gestrichen, bekommen Passagiere ihr Geld zurück. Doch in der Corona-Pandemie hält sich kaum eine Fluggesellschaft daran. Lufthansa, Eurowings, Ryanair und Co. bieten ihren Kunden lieber Gutscheine an und verweigern oft die Erstattung des Ticketpreises.

Passagiere, deren Flug von der Airline storniert wurde, haben laut ADAC Anspruch auf komplette Erstattung des Ticketpreises. Für andere Kosten, zum Beispiel für Mietwagen oder Hotelübernachtungen am Reiseziel, muss die Fluggesellschaft zunächst nicht aufkommen.

Für die Stornierung darf die Airline keine Bearbeitungsgebühren erheben. "Solche Service-Gebühren können höchstens die Vermittler von Flügen wie Reisebüros oder Internetportale berechnen“, sagt Ellen Stamer aus der ADAC-Rechtsabteilung.

Was ist mit den Kosten für Ferienwohungen, Mietautos und Hotels am Urlaubsort?

Nach Angaben der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz müssen Sie für die Kosten für Mietwagen, Ferienhäuser oder Hotelübernachtungen am Urlausbort in Vorlage treten, können diese aber nach deutschem und europäischem Recht nachträglich bei der Airline geltend machen. Die Rechtsprechung des EuGH sei hier inzwischen sehr verbraucherfreundlich, so Julia Gerhards von der Verbraucherzentrale. "Schließlich ist der Personalmangel bei den Airlines nicht vom Himmel gefallen", sondern sei absehbar gewesen. Die Fluggesellschaften hätten von vornherein nicht mehr Flüge anbieten dürfen, als sie mit dem vorhandenen Personal hätten bewältigen können, sagte Gerhards dem SWR. Leichter sei es für Reisende, die eine Pauschalreise gebucht haben. Sie könnten sich die kompletten Reisekosten vom Veranstalter ersetzen lassen, wenn Sie das Reiseziel wegen eines ausfallenden Flugs nicht erreichen können.

"Der Personalmangel bei den Airlines ist nicht vom Himmel gefallen."

Airline haftet nur bei Eigenverschulden

Die Fluggesellschaft, bei der Sie den Flug gebucht haben, muss die Schäden ersetzen, die durch die Annullierung als Verletzung der vertraglichen Beförderungspflicht entstehen. Sie haftet dann nicht, wenn sie nachweist, dass sie die Annullierung nicht verschuldet hat. Dies ist zum Beispiel der Fall bei Startverboten, Mängeln in der Flugsicherung, Streik der Fluglotsen, anderer Dritter oder auch des eigenen Personals oder bei schlechtem Wetter. Technische Defekte kann das Luftfahrtunternehmen dagegen nicht geltend machen. Von der Fluggesellschaft bereits gezahlte Ausgleichsleistungen müssen Sie sich allerdings auf eventuelle Schadenersatzansprüche anrechnen lassen.

Wenn die Airline einen Alternativflug anbietet

Entscheidend für etwaige Ansprüche auf Ausgleichszahlung ist, wann Sie über die Annullierung informiert wurden und ob die Fluggesellschaft Ihnen einen Alternativflug mit Flugzeiten angeboten hat, die nur geringfügig von denen des annullierten Flugs abweichen. Lehnen Sie einen angebotenen Ersatzflug ab und verlangen den Preis für den annullierten Flug zurück, verzichten Sie dadurch auf Ihre Ansprüche auf Betreuungsleistungen - wie etwa die vorübergehende Unterbringung im Flughafenhotel auf Kosten der Airline oder Geld für Speisen und Getränke. Allerdings muss Ihnen die Fluggesellschaft zusätzlich zur Erstattung des Ticketpreises je nach Entfernung zwischen 250 und 600 Euro Entschädigung zahlen. Die Verbraucherzentrale bietet eine App an, mit der Sie Ihre Ansprüche kostenlos prüfen lassen können.

Urlauber, die selbst storniert haben, weil sie aus Angst vor Corona nicht fliegen wollten, können häufig nur Steuern und Gebühren zurückverlangen, nicht aber den Ticketpreis. "Bei ausländischen Airlines gibt es teilweise gar nichts zurück, nicht mal Steuern und Gebühren“, erklärt Stamer.

Wenn die Bahn Verspätung hat und ich meinen Flug verpasse

Was kann ich tun, wenn ich meinen Flieger verpasse, weil mein Zug zum Flughafen ausfällt oder Verspätung hat? Laut dem Portal fachanwalt.de können Sie sich bei einer Zugverspätung als Ursache für einen verpassten Flug mit Ihren Ansprüchen zunächst mal an die Deutsche Bahn oder das betreffende private Bahnunternehmen wenden. Eine Haftung ergibt sich für den Bahnbetreiber in der Regel aber nur dann, wenn die Verspätung auf grober Fahrlässigkeit beruht. Bei einer Pauschalreise können Sie sich an den Reiseveranstalter wenden, wenn dieser die Zugfahrt in Kooperation mit der Bahn als eigene Leistung angeboten hat.

Wer auf eigene Faust mit dem Zug anreist, sollte auf jeden Fall eine so frühe Verbindung nehmen, dass er oder sie noch rechtzeitig zum Check-In am Flughafen erscheint. Mit Abfertigungszeiten von bis zu drei Stunden muss man angesichts des derzeitigen Personalmangels durchaus rechnen. Wirtschaftsanwalt Kay Rodegra empfiehlt, Aufnahmen mit dem Smartphone zu machen, um nachzuweisen, dass man rechtzeitig am Flughafen war.

Anreise zum Flughafen mit privatem Pkw oder Taxi

Gleiches gilt natürlich auch, wenn ich mit dem privaten Pkw oder mit einem Taxi zum Fughafen anreise. Hier muss ich eventuelle Staus zu Stoßzeiten oder durch Baustellen mit einkalkulieren und darf mich nicht auf die reguläre Fahrzeit bei fließendem Verkehr verlassen. Beachten Sie hier den Verkehrsfunk im Radio oder werfen Sie einen Blick auf die Navigations-App Ihres Smartphones oder auf Ihr Navigationsgerät. Moderne Geräte sind in der Regel mit dem aktuellen Verkehrsfunk verbunden, warnen vor Verkehrsbehinderungen auf Ihrer Strecke und rechnen diese in die Fahrzeit mit ein. Auch die Zeit für die Suche nach einem Parkplatz im Parkhaus sollten Sie berücksichtigen und lieber früher losfahren, falls Sie Ihren Wagen am Flughafen stehen lassen wollen bis zu Ihrer Rückkehr. An vielen Flughäfen können Parkplätze auch im Voraus online gebucht werden.

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