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Bringe ich mein Kind oder bringe ich es nicht? Vor dieser Frage stehen viele Eltern aus Rheinland-Pfalz, die ihr Kind in der Kindertagespflege haben.

Während in 14 Bundesländern die Kindertagespflege geschlossen wurde, arbeiten nur noch die Tagesmütter in Rheinland-Pfalz wie gewohnt weiter. In Schleswig-Holstein hat die Landesregierung nun beschlossen, dass Tagesmütter ihr Angebot nicht aufrechterhalten müssen. Sie dürfen auch nur eine Notbetreuung anbieten, schreibt der NDR.

In Rheinland-Pfalz entscheidet jede Kommune selbst, ob die Kindertagespflege schließt. Dabei orientieren sich die Kommunen an der Empfehlung der Landesregierung, "Kindertagespflege kann weiter stattfinden." Der Präsident des Landesjugendamtes Detlef Placzek erklärt dem SWR, man zwinge niemanden diese Pflegestellen aufrechtzuerhalten. Trotzdem arbeiten die meisten Tagesmütter noch. Und das zur Sorge der Eltern.

Bleibt das Kind daheim, entfällt das Fördergeld

Denn die stehen in einigen Kommunen unter finanziellen Druck. Ein Beispiel aus Mainz: Bringt eine Mutter ihr Kind aus Schutz und Sorge wegen Corona nicht zur Tagesmutter, erhält die Familie keine Förderleistung, bestätigt das Jugendamt in Mainz. Die Familie bliebe Stand heute also auf den Kosten sitzen. Das könnte die Eltern dann bei einem Vollzeitplatz um die 1.000 Euro im Monat kosten.

Eltern verspüren Angst und finanziellen Druck

Viele Eltern fühlen sich alleingelassen – auch Mutter Sylke Grimm-Heinz. "Ich bringe meine 16 Monate alte Tochter nicht zur Tagesmutter, da das Wohl meines Kindes mir wichtiger ist." Das tue finanziell sehr weh.

Mehrere Städte, darunter auch Mainz, hatten letzte Woche erklärt, Beiträge für die städtischen Krippen und Horte auszusetzen. Familie Grimm-Heinz hatte keinen Krippenplatz in Mainz bekommen und fand so zur Kindertagespflege. "Ich verstehe das nicht, ich fühle mich irgendwie bestraft", erklärt die Grundschullehrerin dem SWR. Die Kommune habe das Geld doch schon im Haushalt eingeplant. Sie frage sich, wie lange die Eltern das finanziell tragen können. Auf ihre Emails reagiere man nicht. Auch der SWR hat bis heute keine Rückmeldung aus Mainz.

Eltern fordern Land auf zu handeln

Denn auch in Trier sieht die Situation nicht anders aus. Verena Hardt, Administratorin einer Facebook-Gruppe für Kindertagespflege im Umkreis Trier, erhält täglich Zuschriften von besorgten Eltern. “Ich sehe großen Handlungsbedarf in der Landespolitik. Einer muss einschreiten. Es kann nicht sein, dass wir in Rheinland-Pfalz so alleine gelassen werden.” Viele Tagesmütter und Eltern sehen sich massiv unter Druck gesetzt.

Das Landesjugendamt antwortet auf eine Anfrage vom SWR, dass es sich bei der Kindertagespflege um eine familiennahe Betreuung mit maximal fünf Kindern handele. Und genau da sehen Hardt und Grimm-Heinz das Problem. Gerade bei den Kleinen sei es unkontrollierbar die Hygienevorschriften einzuhalten. Das habe man in den anderen Bundesländern schon kapiert, so Grimm-Heinz. Tagesmütter hätten eine sehr enge Bindung zu den Kindern. "In der Notfallbetreuung in Kitas können Erzieher und Kinder durch einen besseren Betreuungsschlüssel geschützt werden", erklärt Hardt. "Tagesmütter und die Kinder werden der Sache einfach ausgesetzt." Außerdem hätten viele Tagesmütter auf Grund der Corona-Schließungen in Rheinland-Pfalz auch ihre Kinder daheim.

Auch die Interessengemeinschaft Tagespflege Rheinland-Pfalz (IG KTP) forderte am Samstag, dass sich das Land bei den Kommunen ausdrücklich dafür einsetzt, die Tagesmütter weiter zu bezahlen, auch wenn die Eltern keine Notbetreuung brauchen und ihre Kinder zuhause lassen. Außerdem sei ein Drittel der 1.535 Tagespflegepersonen älter als 55 Jahre.

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