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Alle Schüler in Rheinland-Pfalz sollen die Möglichkeit bekommen, sich zweimal pro Woche in der Schule selbst auf eine Corona-Infektion zu testen. Wie das funktioniert und was mit einem positiv getesteten Kind passiert - ein Überblick.

Ab wann wird getestet?
Muss sich jeder Schüler testen?
Kann man den Test auch zuhause machen?
Wie funktioniert der Test?
Wo und wie läuft der Test ab?
Was, wenn das Ergebnis positiv ist?
Was, wenn Kinder Angst haben vor dem Test?
Sind die Tests kostenlos?
Warum wird an den Schulen getestet?
Ersetzen die Tests die Hygienemaßnahmen?

Ab wann wird getestet?

Einige Schulen haben am Mittwoch mit den Tests begonnen. Im Moment werden aber nach Angaben von Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) noch bis Ende der Woche rund 4,5 Millionen Tests an die rheinland-pfälzischen Schulen ausgeliefert. Noch einmal die gleiche Menge soll bis Pfingsten bereitgestellt werden. Angedacht ist, dass sich ab der zweiten Schulwoche nach den Osterferien alle Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und andere Beschäftigte der Schule regelmäßig damit testen können. 

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Jede Schule organisiert die Selbsttestungen eigenverantwortlich für alle Schülerinnen und Schüler, die im Präsenzunterricht anwesend sind. Die Tests sollen nicht an zwei direkt aufeinander folgenden Unterrichtstagen stattfinden.

Muss jeder Schüler an den Tests teilnehmen?

Nein. Die Tests in den Schulen sind freiwillig. Der Schulbesuch ist nicht an die Teilnahme oder die Vorlage eines negativen Testergebnisses geknüpft. Schülerinnen und Schüler, die sich nicht an der Testung beteiligen, dürfen nicht bedrängt und nicht ausgegrenzt werden. Voraussetzung für die freiwillige Teilnahme an der Selbsttestung ist die schriftliche Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten beziehungsweise der volljährigen Schülerinnen und Schüler. In anderen Bundesländern wie Schleswig-Holstein und Niedersachsen gibt es dagegen eine Testpflicht. Allerdings dürfen sich dort die Schüler zu Hause testen.

Warum sollen die Tests in der Schule und nicht zuhause stattfinden?

Die Gründe für eine Selbsttestung in der Schule überwiegen dabei denen, Tests zuhause stattfinden zu lassen, so die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD). Bildungsministerin Hubig nannte drei: Den Kindern und Jugendlichen könne so am besten vermittelt werden, wie dieser Test richtig vorzunehmen sei. "Zum anderen ist es uns wichtig, einen Überblick zu erhalten, wie hoch die Teilnahmequote ist." Und schließlich werde so sichergestellt, dass positive Fälle auch gemeldet würden.

Die ADD, die in Rheinland-Pfalz für die Schulen zuständig ist, ergänzt, dass nicht in jedem Fall sichergestellt sei, dass Kinder zuhause eine entsprechende Anleitung durch die Eltern erhalten. Zudem würden die Testkits in größeren Chargen geliefert und seien nicht einzeln verpackt. Andere Testkits seien zurzeit auf dem Markt in solch großen Mengen nicht verfügbar.

Die Lehrerverbände kritisieren indes den zeitlichen und organisatorischen Aufwand für die Lehrkräfte. Sie lehnen es zudem ab, dass die Verantwortung für die Testungen den Lehrerinnen und Lehrern aufgebürdet wird.

Ein Schüler hält ein Antigentest zwischen seinen beiden Fingern, er führt an seinem Platz einen Selbsttest durch. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Eibner-Pressefoto | Fleig / Eibner-Pressefoto)
Antigentest im Klassenzimmer picture alliance / Eibner-Pressefoto | Fleig / Eibner-Pressefoto

Welche Tests werden angewandt?

Zum Einsatz kommen die sogenannten Nasenbohrertests. Diese sind zur Eigenanwendung durch Laien zum Nachweis von SARS-CoV-2 vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassen. 

Wie funktioniert der Test?

Das Teststäbchen muss circa 2 cm tief nacheinander in jedes Nasenloch eingeführt, an der Nasenschleimhaut entlang hin- und herbewegt und dann in das Probenröhrchen mit Testflüssigkeit eingeführt werden. Anschließend wird die vorgegebene Menge der Lösung auf den Teststreifen gegeben. Nach etwa 15 bis 20 Minuten wird das Ergebnis des Tests selbst abgelesen. Je nach Hersteller können sich die einzelnen Testschritte leicht unterscheiden. Welcher Test an der konkreten Schule zum Einsatz kommt, erfahren Schüler und Eltern von der Schule. Den Testkits liegen genaue Angaben zur Anwendung bei.

Können das auch jüngere Schüler?

Ja, sagt das Bildungsministerium. Diese sogenannten Nasenbohrertests seien mit ein wenig Übung einfach anwendbar. Der Selbsttest soll mit den Schülerinnen und Schülern altersangemessen ausführlich eingeübt werden. 

Wo und wie läuft der Test ab?

Der Raum, in dem die Selbsttestung durchgeführt wird, muss ausreichend groß und gut zu belüften sein. Zwischen den Schülern, die zeitgleich den Abstrich aus dem Nasenbereich durchführen, soll ein 3-Meter-Abstand eingehalten werden, da kurzzeitig die Maske abgenommen werden muss. Den genauen Ort bestimmen die Schulen. In der Regel finden die Tests im Klassenzimmer statt.

Vor dem Testen werden Hände gewaschen und desinfiziert. Die Schüler müssen den Test selbst durchführen. Die Lehrkräfte stehen dabei nur unterstützend zur Seite - auch bei jüngeren Schülern gilt: Das Einführen des Tupfers in die Nase muss stets durch die Schülerin oder den Schüler selbst erfolgen.

Die ADD stellte hier gegenüber dem SWR noch einmal klar: "Lehrkräfte führen keine Testungen durch. Sie leiten lediglich auf Grundlage der Informationsmaterialien an und führen die Aufsicht."

Was, wenn das Ergebnis positiv ist?

Bei einem positiven Testergebnis kann ein Kind nicht weiter am Unterricht teilnehmen. Die Schule muss umgehend die Eltern oder Sorgeberechtigten informieren. Die betroffene Schülerin oder der betroffene Schüler wird in einen gesonderten Raum geführt und dort betreut, bis er oder sie abgeholt wird oder nach Zustimmung der Eltern unter Beachtung der Hygieneregeln (Maske tragen, Abstand) selbstständig nach Hause geht. Dieses Verlassen der Lerngruppe dürfe jedoch "in keiner Weise den Eindruck erwecken, aus der Klassengemeinschaft ausgeschlossen zu werden oder 'schuld' zu sein", heißt es in dem Konzept der Landesregierung. In dieser besonderen Situation werde die Schülerin/der Schüler laut ADD altersgerecht sensibel pädagogisch betreut und nicht alleine gelassen.

Das positive Selbsttestergebnis sollte möglichst durch einen PoC-Antigentest in einer vom Land beauftragten Schnellteststation durch geschultes Personal überprüft werden. Ist das Ergebnis dort dann negativ, kann die Schule wieder besucht werden. Die Bescheinigung über das negative Testergebnis muss der Schule vorgelegt werden.

Ist das Ergebnis jedoch auch dort positiv, muss die Schülerin oder der Schüler unverzüglich in eine 14-tägige häusliche Quarantäne. Ein positiver PoC-Antigentests kann mit einem PCR-Test verifiziert werden. Hierzu muss nach Terminvereinbarung ein zweiter (kostenloser) Abstrich in einem Testzentrum durchgeführt werden. Bei einem negativen PCR-Ergebnis kann die Quarantäne beendet werden.

Ein positives Testergebnis wird durch die Teststelle an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet. Parallel dazu müssen die Eltern die Schulleitung informieren. Die Schulleitung ist ebenfalls verpflichtet, die positiv getestete Person an das zuständige Gesundheitsamt zu melden.

Selbstverständlich spiele der Datenschutz eine wichtige Rolle und eine Weitergabe von Daten an die Schulleitung bei positiven Tests sei nur zum Zweck des Infektionsschutzes und zur Meldung an das zuständige Gesundheitsamt (nach Bestätigung durch PoC- und/oder PCR-Test) vorgesehen, so die ADD.

Viele Kinder haben Angst vor dem Test oder Angst, positiv zu sein. Wie werden sie vorbereitet?

Hier stellt die ADD klar: "Eine Infektion mit dem Coronavirus ist - genauso wie andere Krankheiten - kein Stigma und kann jeden treffen." Das Testkonzept des Landes für Schulen, das unter Mitwirkung der Experten der Unimedizin entstanden ist, sehe daher vor, die Schülerinnen und Schüler auf die Selbsttestungen in geeigneter Form pädagogisch vorzubereiten. Dazu gehöre auch die Information, dass eine Infektion mit SARS-CoV-2 jeden und jede treffen könne.

Im Konzept heißt es: "Dabei sollten auch mögliche Ängste in Bezug auf eine Erkrankung mit COVID-19 oder die Weitergabe der Infektion an Familienmitglieder mit aufgegriffen werden." Zur Vorbereitung gehöre auch die Kommunikation über den Umgang mit positiv getesteten Schülerinnen und Schülern. Es müsse klar sein, dass von einer positiv getesteten Person keine unmittelbare gesundheitliche Gefahr für die restliche Lerngruppe ausgehe.

Muss die ganze Klasse in Quarantäne, wenn es einen positiven Fall gibt?

Nein. Das Infektionsrisiko während der Testdurchführung stuft die Landesregierung als gering ein. Das Testkonzept sei mit Experten der Mainzer Unimedizin erarbeitet worden. Es beinhaltet klare Hygieneregeln für die Anwendung der Selbsttests, etwa die, dass die Tests nur in gut belüfteten Räumen mit ausreichend Abstand vorgenommen werden sollen. Außerdem nehmen die Schülerinnen und Schüler die Masken nur für den kurzen Moment der eigentlichen Probeentnahme ab.

Sind die Tests kostenlos?

Ja, die Kosten dafür übernimmt das Land Rheinland-Pfalz. Bereits seit dem 8. März können sich alle Bürgerinnen und Bürger in Rheinland-Pfalz einmal pro Woche in einer Schnellteststation kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Auch Schüler sowie Lehrkräfte und andere Schulbeschäftigte können dieses Angebot zusätzlich zu den Tests in Schulen kostenlos in Anspruch nehmen.

Warum wird an den Schulen getestet?

Die Corona-Selbsttest an den Schulen sind Teil der Teststrategie der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Infektionen ohne Krankheitssymptome sollen so frühzeitig erkannt und Infektionsketten unterbrochen werden. Sie ergänzen die bestehenden Abstands- und Hygieneregeln und sollen das Infektionsrisiko an den Schulen weiter minimieren.

Wie sicher sind die Tests? Müssen die Hygienemaßnahmen wie Abstand und Lüften trotzdem weiter eingehalten werden?

Ja. Jedes Testergebnis ist nur eine Momentaufnahme. Die Tests können einen zusätzlichen Schutz und eine zusätzliche Möglichkeit bieten, Infektionsketten frühzeitig zu erkennen und zu unterbrechen. Sie geben aber keine hundertprozentige Sicherheit. Deshalb, so das Bildungsministerium, sei es wichtig, dass die Hygiene- und Infektionsschutzregeln weiterhin eingehalten werden.

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