PCR-Tests Priorisierung (Foto: imago images, Sven Simon)

Labore kommen an ihre Grenzen

PCR-Tests zum Nachweis von Corona künftig nicht mehr für alle

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Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt, Labore kommen an ihre Grenzen, PCR-Tests zum Nachweis von Corona werden knapp. Künftig soll bei den Tests priorisiert werden.

In Rheinland-Pfalz gibt es aktuell zwar noch ausreichend Laborkapazitäten, wie das Gesundheitsministerium berichtet. Der Ausbau von PCR-Test-Möglichkeiten sei jedoch schwierig, weil dazu das Fachpersonal fehle.

Was passiert, wenn Testkapazitäten knapp werden?

Sind die Kapazitäten knapp, erhöht sich die Wartezeit für Menschen, die sich testen lassen. Oliver Harzer von Bioscentia, einem Institut für Labordiagnostik mit Standorten in Ingelheim und Mainz, erklärt: "Wir können pro Zeiteinheit nur eine bestimmte Anzahl an Tests machen, mit den Geräten, die wir haben. Dann stellen die sich einfach in die Schlange und kommen ein bisschen später dran. Man kann sich ja ausrechnen, dass das dann eben etwas länger dauert."

Wenn das Ergebnis also nicht nach zwölf oder 24 Stunden vorliegt, sondern möglicherweise erst nach drei oder vier Tagen, kann es unter Umständen wertlos werden, beispielsweise für Menschen, die mit dem Test einen Besuch bei Nichtgeimpften sicherer machen wollten.

Der Labordienstleister Bioscientia aus Ingelheim begrüßt eine geplante Priorisierung bei PCR-Tests. Durch die gestiegene Nachfrage könne das Unternehmen schon jetzt die Testergebnisse nicht immer innerhalb von 24 Stunden liefern.

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Nach Angaben von Bioscientia priorisiert das Unternehmen bereits jetzt PCR-Tests, wenn es nötig ist. Grundlage, sagt ein Sprecher, sei die nationale Teststrategie des Robert Koch-Instituts. Demnach würden Abstriche aus Krankenhäusern und Arztpraxen bevorzugt getestet.

Wer bekommt in Zukunft noch kostenlose PCR-Tests?

Kostenlose PCR-Tests sollen bald nur noch bestimmten Personengruppen zur Verfügung stehen. Bei knappen Tests soll medizinisches Personal Vorrang haben, also Mitarbeitende aus Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen.

Folgende Menschen sollen im Gegenzug keine kostenlosen PCR-Tests mehr erhalten: Menschen mit einem positiven Schnelltest oder einer roten Corona-Warn-App. Sie sollen stattdessen mit einem überwachten Antigentest nachgetestet werden. Auch zum Freitesten aus der Quarantäne für Kontaktpersonen sowie der Isolation von Infizierten sollen in Zukunft überall zertifizierte Antigen-Schnelltests zum Einsatz kommen.

PCR-Tests für den Urlaub: Bleibt diese Möglichkeit für Selbstzahler?

Dem Laborverband zufolge soll es in Deutschland weiterhin Kapazitäten für Selbstzahler geben. "Eine Priorisierung der PCR-Tests bedeutet nicht, dass es künftig nur noch PCR-Tests für bestimmte Gruppen gibt", sagt Michael Müller, Vorsitzender des Interessenverbands der akkreditierten Labore in der Medizin ALM, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Er gehe davon aus, dass private Testzentren auch in Zukunft PCR-Tests für Selbstzahler anbieten. Wer jedoch nicht zur priorisierten Gruppe zähle, müsse sich eventuell auf längere Wartezeiten einstellen - so zum Beispiel auch Reisende.

Was passiert, wenn das Ergebnis zu spät kommt?

Möchte man in den Urlaub reisen, ist es wichtig, dass das Testergebnis auch pünktlich da ist. Oftmals schließen die Betreiber von Teststellen die Haftung für eine pünktliche Bereitstellung komplett aus. Die Verbraucherzentrale Brandenburg kam jedoch zu dem Schluss, dass das gegen die gesetzlichen Bestimmungen verstoße. Sie mahnte deshalb einen bundesweiten Testanbieter ab - mit Erfolg. Der Anbieter entfernte die unzulässigen Bestimmungen aus den Geschäftsbedingungen. Da das jedoch kein Einzelfall war, bereitet sich die Verbraucherzentrale derzeit auf weitere Abmahnungen vor.

Welche Kritik gibt es an der Priorisierung?

Auf den Vorschlag der Priorisierung der PCR-Tests folgte Kritik von mehreren Seiten. Die Stiftung Patientenschutz macht darauf aufmerksam, dass ein wichtiger Bereich zu Unrecht von der Priorisierung ausgenommen sei: Angehörige von Pflegebedürftigen. Sie müssten priorisiert werden, da die Tests bei der Pflege von Angehörigen zum Teil lebenswichtig seien.

Auch vom deutschen Lehrerverband kommt Kritik an der Entscheidung. Die Politik betone oft genug, dass das Offenhalten von Schulen oberste Priorität habe, heißt es von Seiten des Verbands. Daher wäre es nur logisch, wenn Schüler und Lehrkräfte nun auch priorisiert werden.

Der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) sagte zur geplanten Priorisierung: "Wir erwarten einen Vorschlag des Bundes, wie dieser gedenkt, seine Testverordnung entsprechend den Beschlüssen der Regierungschefinnen und -chefs zu ändern. Für uns besteht auch weiterhin der Anspruch, dass jeder den Test bekommt, den er benötigt." Die Priorisierung sei im Hinblick auf Omikron von entscheidender Bedeutung. Mithilfe sogenannter "qualifizierter Schnelltestungen" (Profitests) könnte es eine Entlastung der PCR-Testkapazitäten geben.

Wie bekomme ich einen Genesenennachweis ohne PCR-Test?

Ein Problem, das durch die Priorisierung entsteht, wird derzeit häufig diskutiert: Wie soll man ohne einen PCR-Test den Genesenenstatus nachweisen? Nach den geltenden Regeln braucht man einen PCR-bestätigten Nachweis, um den Genesenenstatus zu erlangen. Ein Antigentest reicht nicht aus. Ändert sich daran nichts, würde die Priorisierung eine extreme Einschränkung für Genesene mitbringen, die ohne einen entsprechenden Nachweis von vielen Bereichen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen werden.

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