Urne auf einem Friedhof (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Fragen und Antworten zum Bestattungsrecht

Die Urne mit Omas Asche daheim: Warum das in RLP nicht geht

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Es gibt viele Möglichkeiten sich in Rheinland-Pfalz bestatten zu lassen: unter der Erde, in einer Urne, im Wald. Wir haben zusammengefasst, was erlaubt ist - und was nicht.

Muss ich meine Angehörigen bestatten lassen?

In Deutschland muss jede Leiche bestattet werden. Dafür gibt es eine sogenannte Friedhofspflicht. Das heißt, Verstorbene müssen auf Friedhöfen oder dafür ausgewiesenen Stellen bestattet werden. Das gilt sowohl für Erdbestattungen in Gräbern als auch für Einäscherungen mit Urnenbegräbnissen. In Rheinland-Pfalz muss vor der Bestattung eine Genehmigung der örtlichen Ordnungsbehörde erteilt werden.

Wer diese Bestattungspflicht verletzt, begeht eine Ordnungswidrigkeit.

Wie sind Bestattungen in RLP möglich?

In Rheinland-Pfalz sind Erd- und Feuerbestattungen zugelassen. Bei der Erdbestattung wird die Leiche in einem Sarg in einer Grabstätte bestattet. Bei der Feuerbestattung wird die Leiche zunächst verbrannt, also eingeäschert, und dann an einer Grabstätte bestattet. Die Urne darf dann in ober- oder unterirdischen Grabkammern, Totenhäusern, Grüften, Urnenwänden oder ähnlichen Einrichtungen beigesetzt werden.

Also darf ich die Urne mit der Asche meiner Oma nicht mit nach Hause nehmen?

Nein. In Rheinland-Pfalz müssen auch Urnen beigesetzt werden. Die Landesregierung plant auch nicht, das Bestattungsgesetz zu ändern, hieß es in einer Mitteilung aus dem September 2020. Laut Regierung bietet die Friedhofspflicht einen öffentlich zugänglichen Ort, "der für alle Angehörigen und Freunde zugänglich ist und eine Möglichkeit für Abschiednahme und Trauer darstellt".

Wie regelt das der Rest von Deutschland und die Nachbarländer?

Die private Aufbewahrung von Urnen ist in Deutschland nicht zulässig. Eine Ausnahmeregelung gibt es aber in Bremen. Dort dürfen Angehörige die Asche der verstorbenen Personen in ihrem Garten verstreuen. In der Schweiz, den Niederlanden und in Tschechien sind die Gesetze zum Beispiel lockerer als in Deutschland. Da dürfen Urnen mit der Asche von Verstorbenen auch daheim aufbewahrt werden.

Gibt es noch andere Möglichkeiten?

Es ist möglich, sich aus einem Teil der Asche einen Edelstein oder Diamanten herstellen zu lassen. Das kostet ca. 2.000 bis 3.000 Euro.

Wo sind Bestattungen in Rheinland-Pfalz möglich?

Laut Bestattungsgesetz von Rheinland-Pfalz kann man sich auf Friedhöfen oder dafür ausgewiesenen Flächen bestatten lassen. Das sind Gemeindefriedhöfe, kirchliche Friedhöfe und Grabstätten in Kirchen sowie Anstaltsfriedhöfe.

Außerdem ist es in Rheinland-Pfalz möglich, sich in einem Fried-, Ruhe- oder Begräbniswald bestatten zu lassen. Die Gemeinden im Land regeln selbst, ob sie das anbieten oder nicht.

Auch private Grabstätten sind im rheinland-pfälzischen Bestattungsgesetz erwähnt. Damit sind aber Klöster oder Schlösser mit jahrhundertealten Friedhöfen gemeint. Für private Bestattungsflächen braucht man eine Genehmigung. Ein Paar aus der Eifel hatte zuletzt für so eine Genehmigung geklagt.

Gibt es auch anonyme Grabformen?

Ja, die gibt es. Zum Beispiel in Friedwäldern oder Urnenfeldern auf Friedhöfen.

Wie schnell kann jemand bestattet werden?

In Rheinland-Pfalz können Verstorbene grundsätzlich frühestens 48 Stunden und sollen spätestens zehn Tage nach ihrem Tod bestattet werden. Das gilt auch für Urnenbegräbnisse. Die verstorbene Person muss außerdem spätestens 36 Stunden nach dem Tod zu einem Bestattungsinstitut überführt werden. Muss eine Leiche obduziert werden, kann sich die Frist von zehn Tagen verlängern. Auch nach der Flutkatastrophe im Ahrtal konnte die Frist nicht eingehalten werden.

Was ist mit Menschen muslimischen Glaubens?

Muslimische Bestattungen laufen anders ab als christliche. Ein Unterschied: Muslimische Verstorbene werden ohne Sarg in einem Leinentuch bestattet. Laut rheinland-pfälzischem Bestattungsrecht gibt es aber eine Sargpflicht. Ausnahmen kann es geben, wenn Friedhöfe muslimische Grabfelder angelegt haben. In Landau gibt es das zum Beispiel. Dort hat die Stadt im vergangenen Jahr 76 Gräber für Verstorbene muslimischen Glaubens angelegt. Die Verstorbenen dürfen aber wie nach deutschem Recht erst 48 Stunden nach dem Tod begraben werden. Im muslimischen Ritus würden sie sofort nach dem Tod begraben.

Muslimisches Gräberfeld in Landau (Foto: SWR)
Das Grabfelder für muslimische Verstorbene in Landau

Was sind weitere Unterschiede muslimischer Bestattungen?

Muslimische Verstorbene werden nach Eintritt des Todes gewaschen. Danach wird der Leichnam in ein weißes Tuch gehüllt. Es wird ein Totengebet gesprochen und die verstorbene Person wird von seinen Sünden freigesprochen. Feuerbestattungen sind nicht erlaubt. Außerdem werden die Menschen nach muslimischem Ritual ohne Sarg, nur mit dem Leichentuch, ins Grab gelegt. Das Gesicht des Verstorbenen soll gen Mekka ausgerichtet sein. Bevor das Grab verschlossen wird, werden Holzbretter in Form eines Dachs über dem Verstorbenen angeordnet.

Wie ist es mit Verstorbenen jüdischen Glaubens?

Auch im Judentum sind Feuerbestattungen ein Tabu. Die Verstorbenen werden nach dem Ableben gewaschen und in ein schlichtes weißes Gewand gehüllt. Verstorbene Jüdinnen und Juden werden den Ritualen zufolge auch ohne Sarg beerdigt. Wegen der Sargpflicht in Deutschland werden sie hierzulande meistens in Holzsärgen beerdigt.

Wer muss sich um die Bestattung kümmern?

Laut Bestattungsgesetz muss sich der Erbe oder die Erbin um die Bestattung der angehörigen Person kümmern. Sind keine Erben zu ermitteln, müssen sich Ehegatten, Lebenspartner, Kinder, Eltern, sonstige Sorgeberechtigte, Geschwister, Großeltern oder Enkelkinder in dieser Reihenfolge darum kümmern.

Was ist die Leichenschau?

Ein Arzt oder eine Ärztin muss den Tod einer verstorbenen Person feststellen. Dazu zählen auch Todeszeitpunkt, Todesart und Todesursache. Das nennt man Leichenschau. Direkt danach müssen Leichen in einen Sarg kommen.

Welche Unterlagen brauche ich zur Bestattung eines Verstorbenen und wo erhalte ich die?

  • Todesbescheinigung: Arzt oder Ärztin
  • Sterbeurkunde: zuständiges Standesamt
  • Bestattungsgenehmigung: örtliche Ordnungsbehörde
  • Grabantrag: Friedhofsverwaltung des Ortes, wo die Person beerdigt werden soll
  • Im Fall einer Urnenbestattung: Bescheinigung einer zweiten amtlichen Leichenschau vor der Kremierung

Was kostet eine Bestattung?

Es fallen Kosten aus verschiedenen Bereichen an. Auf dem Friedhof muss die Beisetzung, die Grabnutzung, bei einer Trauerfeier die Nutzung der Trauerhalle und bei einer Einäscherung auch diese bezahlt werden. In Speyer kostet ein Erdpachtgrab für eine Nutzungsdauer von 30 Jahren über 1.020 Euro. Ein Urnenpachtgrab kostet knapp 420 Euro.

Hinzu kommen Kosten für die Bestattungsfirma. Dazu zählen: Sarg oder Urne, Abholung und Versorgung des Leichnams, Einsargung, Überführung und auch Verwaltungskosten. Ein Holzsarg ist in der Regel teurer als eine Urne.

Wenn Sie einen Grabstein für die verstorbene Person möchten, müssen sie das ebenfalls einkalkulieren. Ein Grabstein mit Einfassung kann bis zu 10.000 Euro kosten. Weitere Kosten kommen für die Grabpflege oder Blumenschmuck hinzu.

Auch die für die verschiedenen Unterlagen fallen Gebühren an, z.B. für die Ausstellung der Sterbeurkunde oder der Bestattungsgenehmigung.

Dürfen auch Sternenkinder bestattet werden?

Wenn das Gewicht des im Mutterleib verstorbenen Kindes mindestens 500 Gramm beträgt, muss es ebenfalls bestattet werden. Wiegt es weniger, kann eine Bestattung genehmigt werden, wenn ein Elternteil es möchte. Auch nach Schwangerschaftsabbrüchen kann der Embryo ebenfalls bestattet werden.

Was gibt es noch zu Bestattungen zu wissen?

  • Wer eine tote Person findet oder beim Eintritt des Todes dabei war, muss laut Gesetz sofort eine angehörige Person oder die Polizei benachrichtigen.
  • Nur dafür zugelassene Leichenwagen dürfen Leichen von einem Ort an den anderen in Deutschland überführen.
  • Wer beruflich die Reinigung Ankleidung und Einsargung von Leichen übernimmt, oder als Totengräber arbeitet, darf nicht gleichzeitig im Gesundheitswesen oder im Nahrungsmittel-, Genussmittel-, Gaststätten- oder Friseurgewerbe tätig sein.
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