Balkengrafik zeigt die Stimmanteile der 16- bis 24-Jährigen bei der Europawahl in RLP 2024

Analyse zur Europawahl in Rheinland-Pfalz

Europawahl in RLP: Mann, Frau, alt, jung - wer hat wie gewählt?

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Andrea Lohmann
Andrea Lohmann, Online-Redakteurin bei SWR Rheinland-Pfalz Aktuell

Die Europawahl ist ausgezählt. Die AfD legt kräftig zu. Sie räumt bei Jungwählern in RLP regelrecht ab, im Prinzip mit Ansage. Wer in den Analysen gräbt, findet Zahlen und Zusammenhänge.

Rheinland-Pfalz ist tiefschwarz. Bei der Europawahl hat die CDU die meisten Stimmen von den Wählerinnen und Wählern bekommen. 30,7 Prozent kann sie am Ende verbuchen (2019: 31,3). Ob kreisfreie Städte, verbandsfreie Gemeinden oder Verbandsgemeinden - die CDU macht den Analysen des Landeswahlleiters zufolge das Rennen.

Es gibt nur einen Flecken auf der Rheinland-Pfalz-Karte, der in blau heraussticht: In der Verbandsgemeinde Germersheim setzt sich die AfD mit 27,2 Prozent ganz an die Spitze.

AfD-Ergebnis sorgt für Diskussionen

Die AfD - sie ist zwar nicht die stärkste Partei. Aber sie ist dennoch die Partei, die am lautesten jubelt. Sie hat die größten Gewinne im Vergleich zur Europawahl vor fünf Jahren eingefahren. Sie verbessert ihr Ergebnis um 4,9 Prozentpunkte auf 14,7 Prozent.

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Bei welchen Wählern und Wählerinnen konnte die Partei besonders punkten - und warum?

Politikwissenschaftler Uwe Jun von der Uni Trier erklärte im SWR, dass die Wählerschaft der AfD weniger auf die eigene Partei schaut, sondern auf die Unzufriedenheit mit anderen. Die Unzufriedenheit mit der Ampel ist demnach der Katalysator für die AfD, die CDU hat das Nachsehen: "Noch nie war eine Bundesregierung so unbeliebt wie diese. Die Union schöpft nicht ihr Potenzial aus. Viele Menschen wollen eine andere Politik, sie trauen das der Union aber noch nicht ganz zu."

Die AfD profitiert von der Unzufriedenheit mit der Ampel mehr als die Union.

Die Unzufriedenheit mit der Ampel spiegelt sich dann auch in deren Ergebnissen: Die SPD landet bei 17,5 Prozent, das ist ein neues, historisches Tief. Die Grünen müssen die größten Verluste überhaupt hinnehmen - am Ende stehen 9,3 Prozent als Ergebnis da. Allein die FDP kann sich leicht verbessern und kommt auf 5,9 Prozent.

TikTok, die AfD und die jungen Wähler

Es lag seit Monaten in der Luft und hat sich jetzt in den Ergebnissen bestätigt: Die AfD hat sich über die Sozialen Medien, allen voran über TikTok, auf die junge Wählerschaft gestürzt. Offenbar mit Erfolg. Bei den unter 25-Jährigen in Rheinland-Pfalz kommt die AfD auf 17 Prozent - Menschen über 60 haben der AfD lediglich 8 Prozent beschert. Die in Teilen gesichert rechtsextremistische Partei ist damit in Rheinland-Pfalz bei der Europawahl die stärkste Partei bei den jungen Wählern.

Politikwissenschaftler Jun erklärt: "Junge Leute sind nicht gebunden, sie haben keine parteiliche Identifikation aufgebaut." Eine große Rolle spielten hingegen die Sozialen Netzwerke. "Da hat sich die AfD sehr weit ausgebreitet. Und die anderen Parteien haben das spät entdeckt. Sie sind mit großem Rückstand bei TikTok ins Rennen gegangen."

Jungwähler können mit CDU und SPD nicht viel anfangen

Doch auch die Grünen können bei den Jungwählern stärker punkten als bei den älteren Wählerinnen und Wählern. 11 Prozent der Wähler unter 25 machen ihr Kreuz bei den Grünen, von den Ü-60-Wählern sind es nur 7 Prozent.

Umgekehrt ist das Bild bei den Stimmen für die CDU: Über 60-Jährige wählen die Union mit 41 Prozent, in der unteren Altersklasse bis 25 sind es nur 16 Prozent. Auch bei der SPD gibt es einen krassen Unterschied zwischen alt und jung: Nur 8 Prozent der Jungen wählen die Sozialdemokraten - gegenüber 25 Prozent der Menschen ab 60 aufwärts.

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Bildung und Kontostand machen einen Unterschied

Die Zahlen von Infratest dimap zeigen deutlich: Wer ein einfaches Bildungsniveau hat, der wählt fast doppelt so häufig die AfD (18 Prozent) wie Menschen mit einer höheren Bildung (10 Prozent). Damit eng verknüpft dürfte der Lebensstandard sein. Mit einer höheren Bildung verbindet sich meist ein besseres sozioökonomisches Niveau.

Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz weist in einer Analyse darauf hin, dass auf Ebene der Verbandsgemeinden die AfD insbesondere in strukturschwachen Regionen gut abgeschnitten hat. Das gilt übrigens auch für das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW).

Dort, wo es wenig Arbeit gibt, die Einkommen schlecht sind und Menschen auf soziale Unterstützung angewiesen sind, war die AfD offenbar erfolgreich auf Stimmenfang.

Mann wählt anders als Frau

Die Analysen von Infratest dimap zeigen auch: Die CDU ist bei Männern wie bei Frauen die beliebteste Partei bei der Europawahl. Einen deutlichen Unterschied gibt es allerdings bei den Plätzen zwei und drei: Während 19 Prozent der Frauen die SPD wählen, sind es bei den Männern nur 16 Prozent. Umgekehrt das Bild bei der AfD: Unter Männern genießt die Partei deutlich höheres Vertrauen als bei den Frauen - 12 Prozent der Frauen geben ihnen ihre Stimme, bei den Männern sind es 17 Prozent. Bei den Männern ist die in Teilen gesichert rechtsextremistische Partei bei der Europawahl in RLP die zweitbeliebteste Partei.

Rheinland-Pfälzer: Mehr Wähler, mehr Briefwähler

Mehr Menschen in Rheinland-Pfalz haben im Vergleich zur Europawahl 2019 gewählt: Die Wahlbeteiligung lag diesmal bei 66,7 Prozent. Vor fünf Jahren hatte sie noch 64,8 Prozent betragen. Zugleich hält der Trend zur Briefwahl an: Der Anteil der Briefwähler lag dem Landeswahlleiter zufolge bei 53,1 Prozent. Das ist ein neuer Höchststand.

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