Viele Weinflaschen liegen gestapel übereinander. Noch haben sie keine Etiketten. Im EU-Parlament gibt es Überlegungen, Warnhinweise auf Weinflaschen und anderen alkoholischen Getränken einzuführen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Philipp von Ditfurth)

Warnhinweise auf Alkoholflaschen

Winzer aus RLP fürchten sich vor Entscheidung der EU-Kommission

STAND

Gesundheitshinweise auf Weinflaschen - über diesen Vorschlag will heute das Europäische Parlament entscheiden. Winzern aus Rheinland-Pfalz passt diese Vorstellung aber gar nicht.

Die EU-Kommission möchte mit den Warnhinweisen auf Etiketten einen Beitrag zur Krebsbekämpfung leisten.

Winzer befürchten Imageschaden

Bereits im Vorfeld schlugen die Weinbauverbände in Rheinland-Pfalz Alarm: Wein sei ein Kulturgut und dürfe nicht diskriminiert werden. Wenn Klaus Schneider an Warnhinweise auf Weinflaschen denkt, dann sieht er überall Verluste. Einkommensverlust, Verlust von Kulturlandschaften, Verluste beim Tourismus, Verluste in der Gastronomie. Schneider ist Winzer in Dirmstein in der Pfalz und außerdem Präsident des Deutschen Weinbauverbands. "Es besteht das Risiko, dass das Image des Weins einen Schaden nehmen könnte", fasst er seine Ängste zusammen.

"Wein betrachte ich gar nicht als alkoholisches Getränk."

Warnhinweise auch für andere alkoholische Getränke geplant

Gesundheitliche Warnhinweise auf Flaschen mit alkoholischen Getränken - nicht nur auf Weinflaschen - das hat ein Sonderausschuss des EU-Parlaments vorgeschlagen. Dieser Ausschuss hat Empfehlungen erarbeitet, wie die EU Krebserkrankungen besser bekämpfen könnte. Es geht um viele verschiedene Themenbereiche rund um Krebsvorsorge und Krebstherapie. Und einer dieser Vorschläge sind die Gesundheitswarnungen auf alkoholischen Getränken.

"Wein betrachte ich gar nicht als alkoholisches Getränk. Es gibt ihn seit Jahrtausenden, die Generationen haben ihn alle gut überlebt", sagte Weinbaupräsident Schneider dem SWR-Politikmagazin Zur Sache Rheinland-Pfalz. Moderat genossen gebe es keine Schädigungen. Und für einen moderaten Weingenuss setze sich die Weinbranche ja sowieso schon im Rahmen mehrerer Initiativen ein.

Video herunterladen (20,1 MB | MP4)

Sollte die EU den Vorschlag wirklich umsetzen, könnte das nur der Anfang sein, befürchtet Schneider. "Ich kann mir vorstellen, dass die EU in Zukunft möglicherweise ähnliche Ziele verfolgen könnte, wie beim Tabak." Steuererhöhungen, ein komplettes Werbeverbot, Schockbilder.

Winzer haben Angst vor Wegfall von Subventionen

Zumindest Schockbilder sind aktuell nicht vorgesehen, sagt SWR-Weinexperte Werner Eckert. "Es ist schon soweit entschärft, dass nur auf dem Rückenetikett ein kleiner Warnhinweis kommen wird, dass Alkohol Krebs fördern kann", erklärt er. Wenn überhaupt. Der französische Agrarminister habe seinen Winzern sogar schon völlige Entwarnung gegeben.

Bei dem lauten Protest der Winzer spiele auch die Angst vor dem Wegfall von Subventionen eine Rolle, sagt Eckert. "Wenn einmal festgestellt ist, dass Wein Alkohol ist und Alkohol schädlich ist, dann stellt sich früher oder später die Frage, wieso die EU den Anbau von Wein mit Subventionen fördert, wo doch das Produkt selbst schädlich ist."

Angst vor Bedeutungsverlust von Wein als Kulturgut

Um das Kulturgut "Deutscher Wein" fürchtet die rheinland-pfälzische Weinbauministerin Daniela Schmitt (FDP). "Rheinland-Pfalz ist das Weinanbauland in Deutschland", sagt sie. "Wir erleben, dass unsere Weine Kulturgut sind, sie sind Genussmittel. Und in einem moderaten Konsum durchaus bereichernd. Deswegen sehe ich die aktuelle Debatte ein Stück weit mit Sorge, weil wir auch schauen müssen, dass die Wertschätzung dem Produkt gegenüber nicht in Gefahr gerät."

"Moderater Konsum" ist Schmitts Mantra. Dafür müsse man werben, Aufklärung betreiben, das wäre der richtige Weg. Die Tendenzen innerhalb der EU-Gremien in Sachen Weinkonsum seien sehr ernst zu nehmen.

"Das Thema hat bei uns in Rheinland-Pfalz und bei den Winzern großes Entsetzen hervorgerufen."

Unterschriften gegen Warnhinweise

Gegen den Vorschlag der Sonderkommission wehrt sich auch die rheinland-pfälzische Politikerin Christine Schneider, CDU-Abgeordnete in der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament. "Das Thema hat verständlicherweise bei uns in Rheinland-Pfalz und bei den Winzern großes Entsetzen hervorgerufen", sagt sie. Deshalb möchte Schneider einen Änderungsantrag gegen Warnhinweise einbringen und sammelt dafür Unterschriften. Ob sie am Ende erfolgreich ist? "Ich bin da verhalten zuversichtlich."

"Ich halte wenig von Schockbildern und Verboten, sagt Schneider. Neben besserer Aufklärung müsse man mehr zwischen Alkoholmissbrauch und Genuss unterscheiden. Es werde alles in einen Topf geworfen. "Ab und zu das gute Glas rheinland-pfälzischen Wein, das kann man nur unterstützen." Sollten die Warnhinweise kommen, bedeute das im nächsten Schritt auch den Anfang vom Ende der Weinwerbung, befürchtet sie.

Ludwigshafen

Pläne der EU Warnhinweise auf Weinflaschen: Pfälzer Winzer in Sorge

Unter Pfälzer Winzern macht sich Sorge breit. Der Grund: Die Europäische Union zieht in Erwägung, Schockfotos und Warnhinweise auf Weinflaschen drucken zu lassen.

Vor Gefahren des Alkohols sollte gewarnt werden

Eine entgegengesetzte Meinung vertritt die Abgeordnete Jutta Paulus aus der Pfalz, die für die Fraktion Die Grünen/EFA im Europäischen Parlament sitzt. Sie war stellvertretendes Mitglied im Sonderkomitee und befürwortet Warnhinweise auf Alkoholflaschen. "Nach dem, was uns Experten über die Gefahren des Alkohols vorgetragen haben, sowohl was die Suchtgefahr angeht, aber auch was das Momentum angeht, dass Alkohol an Krebserkrankungen beteiligt ist, halte ich das für eine sinnvolle Vorgehensweise."

Sie ist auch optimistisch, dass der Bericht der Sonderkommission mehr oder weniger so angenommen wird, wie er jetzt ist. Die Sorge der Winzer könne sie nachvollziehen, sagt Paulus. Aber: "Nur weil sich ein Getränk etabliert hat, heißt es ja nicht, dass kein Suchtpotenzial vorhanden ist."

Bis es allerdings tatsächlich überhaupt zu einem entsprechenden Gesetz kommen könnte, wird noch Zeit vergehen. Nach jetzigem Plan will die EU-Kommission im Jahr 2023 ihren Entwurf vorlegen. Dieser durchläuft dann das Gesetzgebungsverfahren. Am Ende werde es dann einen abgestimmten Vorschlag geben, so Paulus. Vor 2024 rechnet sie nicht damit.

Warnhinweise auf Weinflaschen Kommen bald Schock-Fotos auf Weinflaschen?

Kommen bald Schockfotos auf Weinflaschen? Wie reagieren die Winzerverbände? SWR1 Wein-Experte Werner Eckert erklärt im Interview alles zu den geplanten Warnhinweisen.

Alkohol und Politik Alkohollobby verhindert Beschränkungen

In Deutschland sterben jedes Jahr 74.000 Menschen an Alkohol. Es entstehen Kosten von 57 Milliarden Euro. Seit Jahren wird über Beschränkungen diskutiert. Es geschieht nichts.

odysso - Wissen im SWR SWR Fernsehen

STAND
AUTOR/IN
SWR