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In Rheinland-Pfalz häufen sich Fälle von Vandalismus. Als Verursacher sind immer wieder Jugendliche unter Verdacht. Das könnte auch mit der Corona-Pandemie zusammenhängen, sagt Erziehungswissenschaftler Benno Hafeneger.

Nächtliche Krawalle in Frankfurt, Berlin oder Stuttgart von mehrheitlich jungen Menschen haben jüngst für Schlagzeilen gesorgt. Dabei sind auch Regionen abseits der Großstädte von Vandalismus und Randale betroffen. "Wenn man genauer hinblickt, sieht man, dass das fast ein flächendeckendes Phänomen in der Republik ist", sagt der Marburger Erziehungswissenschaftler Benno Hafeneger im SWR-Politmagazin Zur Sache Rheinland-Pfalz.

So wurde jüngst beispielsweise das Denkmal am Deutschen Eck in Koblenz angesprüht. In Bad Ems fallen immer wieder Jugendliche durch öffentlichen Alkoholkonsum und lautes Benehmen auf. Und in Nierstein wurde ein Weinbergshäuschen mit Graffiti beschmiert, an beliebten Treffpunkten wie Bänken in den Weinbergen sammelt sich mancherorts haufenweise Müll.

Woher kommt die Zerstörungswut ?

Zwei Aspekte lassen sich laut Hafeneger aktuell besonders feststellen: Einerseits Vermüllung im Zusammenhang mit Alkoholkonsum und andererseits Randale verbunden mit Zerstörungswut. Diese entstünde in der Regel aus gruppendynamischen Situationen heraus. Dabei zeige sich ein "völliger Überschwang von Aggressivität und Lust an Randale", die die Jugendlichen dann einhole. "Eines ergibt das andere", so der Erziehungswissenschaftler.

"Wo sollen sie sonst hingehen?"

Allerdings ließe sich das Verhalten von diesen Teilen der jungen Generation durchaus nachvollziehen. "Man war ja praktisch unter Quarantäne und konnte nur digital über Medien miteinander Kontakt aufnehmen." Clubs, Sportvereine oder Jugendhäuser - die meisten öffentlichen Räume für Treffen mit Freunden und Gleichaltrigen waren lange geschlossen. Daher gebe es Hafeneger zufolge ein Bedürfnis, sich zu treffen und körperlich auszutoben.

Kinder und Jugendliche brauchen laut Hafeneger nicht nur Erwachsene, sondern immer auch die Gleichaltrigen: "Das Leben unter Gleichaltrigen ist das, was die Gefühlswelt der jungen Generation ausmacht. Nach dem Lockdown ging daher sofort die Suche los nach Treffgelegenheiten."

Wie hätte man Randale verhindern können?

Daher sei es kaum verwunderlich, dass nun gerade besonders schöne und beliebte Orte wie Weinbergshäuschen oder öffentliche Plätze von Vandalismus betroffen sind. "Man könnte sagen: Wo sollen sie sonst hingehen?", erklärt Hafeneger.

Um dieser Entwicklung vorzubeugen, hätte man sich demzufolge eher überlegen müssen, parallel zu den Lockerungen der Corona-Maßnahmen auch beispielsweise Jugendräume und Sportgelegenheiten zu öffnen.

Warum diese Krawalle besonders sind

Jugendkrawalle habe es jedoch in verschiedenen Ausprägungen schon immer gegeben. "Was neu ist, ist, dass keine junge Generation vorher einen Lockdown erlebt hat", erklärt Hafeneger. Der Lockdown habe sich verunsichernd auf Teile der jungen Generation ausgewirkt.

Es sei möglich, dass es sich um ein vorübergehendes Phänomen handelt, und sich das Ausmaß von Randale und Vandalismus durch Jugendliche wieder normalisieren könnte. Dabei komme Erwachsenen gerade in solchen Situationen die Aufgabe zu, eine Vernunftperspektive anzubieten, zur Nachdenklichkeit anzuregen und Gefahren durch das eigene Handeln aufzeigen. Allerdings keine leichte Aufgabe: "Sie werden ab und zu mal daran verzweifeln", so der Erziehungswissenschaftler.

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