STAND

Im Dunst der 3. Corona-Welle macht sich die Aussage breit, immer mehr Kinder erkrankten an Covid-19. Lässt sich das mit Zahlen belegen oder ist es eher eine diffuse Angst, die sich breit macht?

Corona ist in jeder Hinsicht ein emotional aufgeladenes Thema. Das gilt umso mehr, wenn es um die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen im Land geht. Vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin war kurz vor Ostern zu hören, dass sich die Inzidenzzahlen insbesondere bei den unter 15-Jährigen innerhalb von vier Wochen verdoppelt hätten. In seiner Risikobewertung vom 15. März schreibt das RKI: "Ein besonders rascher Anstieg wird bei Kindern und Jugendlichen beobachtet." Was aber bedeutet das?

Corona-Infektion ist nicht gleich Corona-Erkrankung

Professor Fred Zepp hat bis Ende März die Kinder- und Jugendklinik in Mainz geleitet. Er verfolgt die Diskussion um angeblich vermehrte Corona-Erkrankungen bei Kindern und stellt klar: "Es wird oft nicht zwischen Infektion und Infektionskrankheit unterschieden." Das aber sei ein ganz entscheidender Unterschied.

Ein Plus bei Infektionen - nicht bei Erkrankungen

Seit vier Wochen werde in Deutschland massenhaft und anlasslos getestet, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. "Wir testen also routinemäßig, und nicht nur, weil jemand Krankheitssymptome hat." Richtig ist nach Aussage von Zepp deshalb: "Es werden mehr Infektionen festgestellt und mit dem Anstieg der Gesamtzahl der Infektionen in der Bevölkerung geht auch die Zahl der Infektionen bei den Kindern hoch."

"Wir haben quasi keine Kinder wegen einer Covid-19-Erkrankung in den Kliniken."

Der entscheidende Unterschied aber sei: "Die Mehrzahl der Kinder wird nach wie vor nicht krank, da gibt es keine Steigerung. Wir sehen zwar auch Kinder, bei denen wir eine Infektion im Test nachweisen können, aber wir haben quasi keine Kinder wegen einer Covid-19-Erkrankung in den Kliniken", sagt Zepp.

Zudem verbreiteten Kinder die Infektion deutlich seltener als Erwachsene. Man habe festgestellt, dass ein infiziertes Kind in der Schule die Infektion im Schnitt an eine andere Person weitergebe. Ein infizierter Erwachsener, also Lehrer oder Lehrerin, stecke im Schnitt dagegen drei bis vier Personen an.

Grafik zeigt die Entwicklung Zahl der Corona-Erkrankten, die in den letzten Wochen ins Krankenhaus mussten, nach Altersgruppen sortiert. Die Kurven der 0 bis 4-Jährigen und der 5 bis 14-Jährigen verlaufen fast waagerecht.  (Foto: Robert-Koch-Institut, lagebericht vom 13.4.2021)
Die rote Kurve und die dahinter liegende blaue Kurve bleiben im Zeitverlauf sehr flach. Sie zeigen die Entwicklung der Krankenhausaufnahmen von Kindern zwischen 0 und 14 Jahren infolge einer Corona-Erkrankung. Robert-Koch-Institut, lagebericht vom 13.4.2021

300 Prozent mehr Tests

Nach Meinung von Zepp macht die primäre Fokussierung auf die Inzidenz, so wie es das RKI macht, ohne Berücksichtigung von Erkrankungen und Krankenhausaufnahmen keinen Sinn - insbesondere mit Blick auf die Kinder. "Die Altersgruppen 0 bis 4 und 5 bis 14 Jahre sind die einzigen, bei denen sich die Tests vervielfacht haben. Im Vergleich zu den ersten zwei Monaten des Jahres haben wir hier 300 Prozent mehr Tests pro 100.000 Personen in dieser Altersgruppe." Entsprechend würden mehr infizierte Kinder "gefunden", aber es seien bisher nicht mehr Kinder krank. Genau das sei aber doch die entscheidende Frage: "Wie krank sind die Menschen, müssen sie auf die Intensivstation oder sterben sie vielleicht sogar", so Zepp.

Rheinland-Pfalz

Aktuelle Lage im Land Corona-Live-Blog in RP: Impfen ohne Termin in Ingelheim und Trier

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt in Rheinland-Pfalz wieder, bewegt sich aber immer noch auf niedrigem Niveau. Die aktuelle Entwicklung hier im Blog.  mehr...

Auch die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) verweist auf ihrer Homepage darauf, dass Kinder und Jugendliche meist milde Verläufe haben, wenn sie an Covid-19 erkranken. Schwerste Erkrankungen bis hin zu lebensbedrohlichen Verläufen seien Einzelfälle, häufig in Verbindung mit Vorerkrankungen.

So viele Kinder und Jugendliche mussten wegen einer Covid-19-Erkrankung seit beginn der Pandemie im Krankenhaus behandelt werden - als Kurve dargestellt. (Foto: Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektionologie e.V.)
Die Kurve zeigt aufaddiert seit Januar 2020 die absolute Zahl der Minderjährigen, die wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt wurden. Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektionologie e.V.

Seit Beginn der Pandemie sind der DGPI zufolge in ganz Deutschland 1.237 Kinder und Jugendliche mit Covid-19 stationär im Krankenhaus behandelt worden. In Rheinland-Pfalz waren es bislang 90 Minderjährige. Auf einer Intensivstation mussten deutschlandweit bisher 67 Kinder behandelt werden, das sind fünf Prozent der wegen Sars-CoV-2-Infektionen im Krankenhaus behandelten Kinder. Todesfälle hat es nach Angaben des RKI durch Covid-19 bei den unter 20-Jährigen seit Beginn der Pandemie bislang 14 gegeben (Stand 13. April 2021) . Elf von ihnen hatten bekannte Vorerkrankungen.

Zepp, der auch Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko) ist, lenkt den Blick auf andere Probleme und Erkrankungen im Zusammenhang mit Corona.

Längst bekannt, aber doch immer wieder im Hintergrund: die psychischen Probleme und Entwicklungsstörungen, die Kinder durch mangelnde soziale Kontakte erleiden. Dieser Aspekt dürfe nicht in Vergessenheit geraten.

Mainz

Neue Corona-Maßnahmen für Kitas im Land Maskenpflicht für Erzieherinnen in rheinland-pfälzischen Kitas

Die Kitas in Rheinland-Pfalz bleiben im Regelbetrieb geöffnet. Wie Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) mitteilte, müssen Erzieherinnen aber künftig eine Schutzmaske tragen.  mehr...

Rheinland-Pfalz

Aktuelle Lage im Land Corona-Live-Blog in RP: Impfen ohne Termin in Ingelheim und Trier

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt in Rheinland-Pfalz wieder, bewegt sich aber immer noch auf niedrigem Niveau. Die aktuelle Entwicklung hier im Blog.  mehr...

Rheinland-Pfalz

Corona-Pandemie in Rheinland-Pfalz Inzidenz steigt in Rheinland-Pfalz leicht an am Montag

Das Landesuntersuchungsamt hat am Montag 113 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Die landesweite Inzidenz steigt leicht auf 16,7.  mehr...

Baden-Württemberg

Immer mehr Entwicklungsstörungen Corona-Pandemie: Therapeuten fordern mehr Schutz für Kinder

Der Lockdown laugt viele psychisch aus. Vor allem Kindern macht die Situation zu schaffen. Experten stellen vermehrt Sprachstörungen fest und fordern Hilfen von der Politik.  mehr...

Risiken und Nebenwirkungen: Wie die Corona-Krise die Psyche der Kinder kaputtmacht

Die Corona-Pandemie hat Deutschland seit mehr als einem Jahr fest im Griff. Unter den Einschränkungen leiden Kinder und Jugendliche besonders, sagt Benedikt Waldherr, Vorsitzender des Bundesverbands der Vertragspsychotherapeuten. Nach dem zweiten Lockdown hätten mehr als 30 Prozent psychische Probleme. Man merke das an erhöhtem Nachfragebedarf in den Praxen. Die Wartelisten würden anschwellen. Als Grund nennt Waldherr, dass Kinder und Jugendliche in der Pandemie ihre sozialen Kontakte und ihr stabilisierendes Umfeld verloren hätten. "Die Zeit vor dem Computer geht massiv in die Höhe. Die Bewegungszeit und das freie Spiel werden weniger." Konsequenzen seien zunehmende Belastungsstörungen wie Übergewicht und die Tendenz, dass Kinder und Jugendliche sich zurückzuziehen würden. Welche Forderungen der Diplom-Psychologe an die Politik hat, erläutert er im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderatorin Astrid Meisoll.  mehr...

Neustadt

Modellprojekt in drei Kitas Neustadt testet Kita-Kinder auf Corona

Die Stadt Neustadt testet 250 Kita-Kinder auf Corona - und zwar per Spuck-Test. Das Modellprojekt läuft erstmal 14 Tage und sieht zwei Tests pro Woche für die Kinder vor.  mehr...

Wissenslücken schließen Corona-Pandemie: Schüler in Rheinland-Pfalz nehmen vermehrt Nachhilfe

Die Corona-Pandemie in Verbindung mit dem Thema "Bildung" stellt für jüngere Generationen ein großes Problem dar. Wissenslücken tun sich auf. Kein Wunder also, dass Schüler*Innen vermehrt Nachhilfe nehmen.  mehr...

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR Fernsehen RP

STAND
AUTOR/IN