Überdachter Eingang zum jüdischen Ritualbad (Mikwe) in Speyer (Foto: Klaus Venus)

SchUM-Stätten, Bad Ems und Limes

UNESCO entscheidet über weitere Welterbetitel für Rheinland-Pfalz

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2005 hatte die UNESCO zuletzt in Rheinland-Pfalz Welterbelterbestätten anerkannt. Jetzt könnte es wieder soweit sein. Drei Stätten haben sich beworben, ab dem 16. Juli fällt die Entscheidung.

Vier Stätten des Kultur- und Naturerbes der Menschheit hat Rheinland-Pfalz bereits. Nun könnten drei weitere hinzukommen: Mainz, Speyer und Worms als Orte des jüdischen Mittelalters, Bad Ems als eines von elf bedeutenden europäischen Bädern des 19. Jahrhunderts sowie im Norden von Rheinland-Pfalz der Beginn des Niedergermanischen Limes.

Das Welterbekomitee kommt am Freitag, den 16. Juli, zu einer digitalen Tagung zusammen, die aus Fuzhou in China geleitet wird. Bis zum 31. Juli berät das Komitee über Anträge aus aller Welt auf einen Welterbestatus. Würde das Komitee auch den vier Anträge aus Rheinland-Pfalz stattgeben, könnten sich die SchUM-Stätten Mainz, Speyer und Worms und die Bäderstadt Bad Ems in einem Atemzug mit mit den Pyramiden von Giseh in Ägypten und der Inka-Stadt Machu Picchu nennen.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) zeigt den Welterbe-Antrag für die Schum-Stätte (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) zeigt den frisch unterzeichneten UNESCO-Welterbe-Antrag für die "SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz". Picture Alliance

Erstmals jüdische Kultur in Deutschland als Welterbe

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) sagte: "Wir sind in der glücklichen Situation, dass wir zum ersten Mal seit 2005 neuen Welterbestätten im Land entgegenfiebern dürfen und dann gleich dreien auf einmal." Mit Mainz, Speyer und Worms, den sogenannten SchUM-Stätten gemäß den hebräischen Anfangsbuchstaben dieser Städte, würde sogar erstmals jüdisches Kulturgut in Deutschland als Welterbe anerkannt, betonte Lewentz.

Mit dem Titel UNESCO-Welterbe sind natürlich auch wirtschaftliche Interessen verbunden. "Jeder Welterbestatus steigert auch die touristische Bedeutsamkeit unseres Landes und bestärkt unseren Ruf als Reiseziel, an dem europäische Geschichte in all ihren Facetten und auf höchstem Niveau erlebbar ist", so Lewentz.

Festjahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Die Anerkennung der SchUM-Stätten, des einstigen "Jerusalems am Rhein", käme mitten im bundesweiten Festjahr zu 1700 Jahre jüdischen Lebens in Deutschland. Der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) sagt, seine Stadt habe sich unabhängig vom Welterbe-Antrag entschieden, ihren "sensationellen jüdischen Friedhof, diesen Diamanten, in Zukunft anders zu präsentieren".

Geplant sei ein Besucherpavillon mit einem Überblick über die Geschichte des Alten jüdischen Friedhofs. "Man kann ihn nicht betreten, aber er soll erfahren werden", erläutert Ebling. Der Pavillon könnte Ende 2022 oder Anfang 2023 eröffnet werden. Geplant sei auch eine neue Handy-App, die das einstige jüdische Viertel in Mainz wieder dreidimensional erwachen lasse.

Bad Ems: Wo einst der Hochadel badete

Die Bäderstadt Bad Ems ist Teil eines Weltererbe-Antrags für insgesamt elf europäische Bäder des 19. Jahrhunderts ein. In Bad Kissingen, Baden-Baden und dem rheinland-pfälzischen Bad Ems mit seiner historischen Bäderarchitektur hat sich einst Europas Hochadel getroffen. Der Bürgermeister von Bad Ems, Oliver Krügel (CDU), sagt, der Welterbetitel wäre für sein Städtchen an der Lahn eine große Freude - nicht nur für den dann weiter zunehmenden Tourismus, sondern auch, um für spätere Generationen "das starke Schwert des Denkmalschutzes zu schärfen".

Emser Therme in Bad Ems sind wegen Corona seit November geschlossen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Thomas Frey)
In den Emser Thermen badete im 19. Jahrhundert der Hochadel inklusive Kaiser Wilhelm I. picture alliance/dpa | Thomas Frey

Der dritte Welterbe-Antrag, der neben den Niederlanden und Nordrhein-Westfalen auch Rheinland-Pfalz betrifft, bezieht sich auf den Niedergermanischen oder "Nassen" Limes der Römer. Er orientiert sich am antiken Rheinverlauf von der Nordsee bis zum heutigen Bad Breisig. Auch die nahe am Limes gelegenen Stadt Remagen verspricht sich von einem Welterbetitel eine große touristische Anziehungskraft für die gesamte Region.

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