Ein Drehstromzähler in einem Haushalt. Viele Verbraucher und Unternehmen in RLP fürchten finanzielle Belastungen durch hohe Energiepreise. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Uli Deck)

Hohe Energiekosten

Ofen aus? Pleitewelle bei Unternehmen in RLP befürchtet

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Überall steigen die Preise wegen der hohen Energiekosten. Für die Verbraucher wird es teurer, aber auch für die Unternehmen in Rheinland-Pfalz. Viele Mittelständler bangen um ihre Existenz.

Nicht nur an der Tankstelle der Preisschock - auch das Brot in der Bäckerei ist deutlich teurer geworden. Viele Verbraucher in Rheinland-Pfalz stöhnen wegen der Preissteigerungen, wohin man auch schaut. Doch auch bei den Erzeugern und Produzenten hinter den Kulissen wachsen die Sorgen.

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Die hohen Energiepreise bringen die kleinen und mittleren Unternehmen im Land teils an ihre Existenzgrenze. Vor allem die Betriebe, die viel Energie zum Produzieren brauchen, machen sich große Sorgen. Wie eben Bäckereien oder Industrieunternehmen, die Rohstoffe herstellen.

Fixkosten verdreifacht

In der Backstube der Bäckerei Grund im Westerwald ist alles energieintensiv. Sechs Öfen sind dort ständig im Betrieb, dazu kommen noch drei große Frostkammern zum Tiefkühlen. Die Anlagen laufen mit Strom, Öl und Gas. Die monatlichen Stromkosten haben sich fast verdreifacht - von circa 9.000 Euro auf 25.000 Euro.

Bäckermeisterin Daniela Grund kann nicht einfach mal alles ausschalten. "Ohne Produktion ist eine Bäckerei verloren. Also einfach mal ausschalten, können wir nicht - es sind unsere Fixkosten, die stehen bleiben." Deswegen seien hier schon einige Produkte teurer geworden. Manches wurde aus dem Sortiment genommen. Die Bäckerei habe schon Kunden verloren, "weil bei Lidl, Aldi und Co ist es natürlich günstiger".

Verband "Der Mittelstand" warnt vor Katastrophe

Deshalb fordert der Verband "Der Mittelstand" eine schnellere Unterstützung für seine Mitglieder. Denn letztlich sei der Mittelstand das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. "Wenn hier ganze Branchen, die energieintensiv sind, ausbluten, weil sie einfach die Kosten nicht mehr tragen können, dann laufen wir da wirklich auf eine Katastrophe zu", warnt Guido Augustin vom Verband in Rheinland-Pfalz.

Laut Statistischem Landesamt hat die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Rheinland-Pfalz im ersten Halbjahr um sechs Prozent zugenommen (im Vergleich zum Vorjahreszeitraum). Die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) sprach am Dienstag im SWR von einer "sehr, sehr ernsten Lage".

Schmitt: Weichen für die Zukunft richtig stellen

Man müsse alles unternehmen, um jede Insolvenz zu verhindern und die Wirtschaft in dieser schweren, herausfordernden Lage zu begleiten. So müssten Zuschüsse und Förderprogramme schneller bei den Unternehmen ankommen, forderte sie. Ihre Liquidität und Handlungsfähigkeit müsse sichergestellt werden. Es sei zwar wichtig, Unternehmen zu begleiten und Härten abzufedern, aber man müsse auch die Weichen für die Zukunft richtig stellen. "Am Schluss geht es bei dieser Krise um die Zukunftsfähigkeit des Wirtschafts- und Industriestandorts Deutschlands und Rheinland-Pfalz."

Beim Familienunternehmen Ton- und Schamottewerke KTS in Mülheim-Kärlich geht der Ofen im nächsten Jahr aus, wenn die Energiepreise weiter steigen. Etwas anderes bleibe ihm dann nicht übrig, sagt der Geschäftsführer Wolfgang Mannheim. Das Unternehmen baut in fünfter Generation Tone ab, die dann im Werk aufbereitet werden. Die feuerfesten Werkstoffe werden von der Stahl- und Eisenindustrie und der Glasindustrie gebraucht - also den Schlüsselindustrien.

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Momentan keine Alternative zu Erdgas

Ohne Strom und Edgas kann das Werk die Tone nicht verarbeiten. Das Brennen ist der energieintensivste Arbeitsschritt - und damit auch der erste, der abgestellt werden müsste. Denn die ab Oktober geltende Gasumlage wird die Kosten für KTS verdreifachen.

"Eine Alternative zu Erdgas gibt es für unser Unternehmen zur Zeit nicht", so Mannheim. Es gebe zwar Forschungsprojekte - aber auch dort brauche man Zeit. "Es gibt Möglichkeiten, aber die sind für unser Unternehmen zur Zeit noch nicht relevant."

"Das Preisniveau derzeit ist tödlich für uns und viele andere Industrien."

Wolfgang Mannheim richtet einen Appell und einen Hilfeschrei nach Berlin: "Bei dem Preisniveau, das wir derzeit haben - das ist tödlich für uns und für viele andere Industrien und das wird einen großen Kollateralschaden quer durch die gesamte Gesellschaft geben." Es müsse um jeden Preis verhindert werden, dass man auch nur eine Kilowattstunde mit Gas produziere. Alle Kraftwerkreserven müssten ans Netz.

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