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Eine Injektionskanüle im Schweinenackenbraten und Keime in Würsten - bei mehr als 2.100 Proben erfüllten Lebensmittel und Bedarfsgegenstände in Rheinland-Pfalz zuletzt nicht die gesetzlichen Vorgaben.

Die Lebensmittelüberwachung in Rheinland-Pfalz hat 2019 etliche Mängel zutage gefördert. Insgesamt nahm das Landesuntersuchungsamt (LUA) in Koblenz 19.688 Proben unter die Lupe. 11,1 Prozent davon (2.188) wurden beanstandet.

Das geht aus der Bilanz der Behörde hervor, die am Montag veröffentlicht wurde. Oft habe eine Kennzeichnung gefehlt oder Angaben seien irreführend gewesen. 2018 hatte die Quote bei 11,5 Prozent gelegen.

Pflasterreste im Buttermilchdessert

Als gesundheitsschädlich stuften die Fachleute im vergangenen Jahr 25 Fälle ein. Dabei war unter anderem eine Probe Birnen mit einer Menge des nicht zugelassenen Pflanzenschutzmittelwirkstoffs Amitraz belastet, bei der eine Gesundheitsgefahr für Kinder nicht ausgeschlossen werden könne. Ein Nahrungsergänzungsmittel habe die zwölffache Menge der tolerierbaren Tagesdosis Vitamin B6 enthalten, so die Behörde.

In acht Proben fanden sich Fremdkörper, wie etwa Reste von Pflastern in einem Buttermilchdessert, Draht im Parmigiano Reggiano oder gar scharfkantige Gegenstände wie eine Injektionskanüle in einer Fertigpackung Schweinenackenbraten. Hier habe möglicherweise ein Tierarzt dem Tier eine Spritze gegeben, wobei die Kanüle im Fleisch stecken geblieben sei, erklärte eine Sprecherin des LUA. Diese sei ins Fleisch eingewachsen und bei der Schlachtung nicht erkennbar gewesen.

22 Prozent der Bier-Proben mangelhaft

15 Proben waren mikrobiologisch belastet. So enthielten beispielsweise verschiedene Wildfleisch-Rohwürste eines Metzgers sowie das Mehl eines Mühlenladens sogenannte verotoxinbildende Escherichia coli-Bakterien. Der Keim Clostridium perfringens wurde in Proben pürierten Sauerbratens aus einem Seniorenheim nachgewiesen, auch das Mittagessen einer Taufgesellschaft war mit diesem Keim belastet. Diese Keime oder die von ihnen gebildeten Gifte können Erbrechen und schwere Durchfallerkrankungen auslösen.

Die Fachleute untersuchten auch 41 Bierproben, davon wiesen 22 Prozent Mängel auf. Bei Craft Bieren lag die Quote durch die handwerkliche Herstellung in meist kleineren Brauereien sogar bei 30 Prozent, etwa wegen mangelhafter Allergenkennzeichnung oder eines fehlerhaften Zutatenverzeichnisses.

Bei den Proben des LUA handelte es sich vor allem um Lebensmittel. Daneben wurden Kosmetika oder Gegenstände und Materialien getestet, die mit Lebensmitteln und dem Körper in Kontakt kommen. Dazu zählen beispielsweise Kleidung, Reinigungsmittel und Spielwaren.

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