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Rheinland-Pfalz rangiert bei der Einbürgerung bundesweit in der Spitzengruppe. Doch Integrationsministerin Anne Spiegel (Grüne) ist das nicht genug. Sie will die Verfahren verkürzen und entbürokratisieren.

Bei der Vorstellung einer Studie des Instituts für Sozialpädagogische Forschung zum Einbürgerungsverhalten sagte Spiegel in Mainz, mit einer Quote von rund 1,3 Prozent habe das Bundesland 2018 auf Platz drei hinter den Stadtstaaten Hamburg und Bremen gelegen. 2019 sei die Quote auf 1,34 oder mehr als 6.000 Menschen gestiegen.

Ein Grund für den Anstieg ist Spiegel zufolge der Brexit. Rund 650 Briten seien eingebürgert worden und damit fast ebensoviele wie Türken, die die größte Gruppe stellen. Auch ihr Ehemann - ein gebürtiger Schotte - habe sich unter anderem wegen des Brexits einbürgern lassen, gab Spiegel bekannt. Sein Verfahren habe alles in allem etwa 1,5 Jahre gedauert.

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Als Hauptgründe für die Einbürgerung nannten die Befragten weiter "mit allen Rechten und Pflichten dazu gehören zu wollen" sowie, dass sie Deutschland als sozialen und demokratischen Rechtsstaat schätzten (je 90 Prozent), wie die Sozialpsychologin und Autorin der Studie Claudia Vortmann berichtete. 41 Prozent der Befragten gaben zudem an, nicht mehr als Ausländer behandelt werden zu wollen.

Spiegel will Einbürgerungsverfahren modernisieren

Die Probleme auf dem Weg zur Einbürgerung seien bei allen Befragten deutlich geringer gewesen als von ihnen erwartet. So habe fast jeder Dritte angenommen, er bekomme die notwendigen Dokumente aus dem Ausland nicht. Dies habe aber nicht einmal bei jedem Zehnten zugetroffen.

Trotzdem kündigte Spiegel an, die vor mehr als zehn Jahren begonnen Einbürgerungskampagne im Gespräch mit den Kommunen modernisieren zu wollen. Agneta Psczolla vom Gemeinde- und Städtebund sagte: "Deutschland ist schon lange ein Einwanderungsland. Wir haben ein großes Interesse daran, dass die Menschen, die zu uns kommen und hier dauerhaft bleiben, sich wohlfühlen und gut integrieren."

Doppelte Staatsbürgerschaft weiter auf der Tagesordnung

Auf Bundesebene will sich Spiegel für die doppelte Staatsbürgerschaft und schnellere Einbürgerungen stark machen. In diesem Zusammenhang zeigt die Studie, dass 71 Prozent der Befragten als Argument gegen eine Einbürgerung anführten, ihre bisherigen Staatsangehörigkeit behalten zu wollen.

Die Studie zeige laut Spiegel zudem, dass das Entlassungsverfahren aus der bisherigen Staatsbürgerschaft die Verfahren oft unnötig bürokratisiere und in die Länge ziehe. "Menschen, die Deutsche werden wollen, fühlen sich ausgebremst", so die Ministerin. Dies führe zu Frust und Ärger.

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