Seniorin mit Rollator - Bildausschnitt Beine (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Jens Büttner)

Ersatzkassen: Pflegebedürftigkeit bleibt Armutsrisiko

Mit diesem Eigenanteil müssen Pflegeheimbewohner in RLP rechnen

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Trotz neuer Zuschüsse: Selbst zu zahlende Anteile von Pflegebedürftigen im Heim sind weiter gestiegen. Die Kosten in Rheinland-Pfalz liegen dabei über dem Bundesdurchschnitt.

Der Eigenanteil, den Bewohner von Pflegeheimen in Rheinland-Pfalz zu leisten haben, ist seit Jahresbeginn gestiegen. Für das erste Jahr im Heim waren zum 1. Juli 2.344 Euro pro Monat fällig. Das hat der Verband der Ersatzkassen (vdek) ausgerechnet. Im Vergleich zum 1. Januar 2022 sind das 124 Euro mehr.

Damit liegt Rheinland-Pfalz im Vergleich der Bundesländer auf den vorderen Plätzen. Im bundesweiten Schnitt lagen die Zuzahlungen für das erste Jahr im Heim bei 2.200 Euro pro Monat.

Entlastungszuschläge dämpfen Kosten nur begrenzt

Zum Jahresbeginn sind Neuregelungen bei der Pflege in Kraft getreten: Für Heimbewohnerinnen und -bewohner sinkt mit der Pflegedauer der Eigenanteil für die reine Pflege. Im ersten Jahr sinkt er um fünf Prozent, im zweiten um 25 Prozent, im dritten um 45 Prozent und ab dem vierten Jahr liegt der sogenannte Entlastungszuschlag bei 70 Prozent.

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Für Rheinland-Pfalz bedeutete das nach der Auswertung der Ersatzkassen zum 1. Juli Folgendes: Der Eigenanteil lag im zweiten Jahr bei 2.152 Euro - um 110 Euro höher als zum 1. Januar. Im dritten Jahr lag er bei 1.958 Euro, im vierten Jahr bei 1.717 Euro.

Die Zahlen zeigen: Durch die staatlichen Kostendämpfer werden die Heimbewohnerinnen und -bewohner nur begrenzt entlastet. Grund ist, dass im Eigenanteil nicht nur die Kosten für die Pflege enthalten sind. Auch die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und für Investitionen in den Einrichtungen werden mit einberechnet. Hier schlagen gestiegene Löhne sowie höhere Lebenshaltungs- und Energiekosten zu Buche.

vdek: Eigenanteile sind zu hoch

Die Vorstandsvorsitzende des Verbands der Ersatzkassen, Ulrike Elsner, kritisierte, dass die Eigenanteile in der Gesamtschau weiter zu hoch seien. Sie forderte dringend nachhaltige politische Lösungen. Bei so hohen Eigenanteilen bleibe Pflegebedürftigkeit ein Armutsrisiko, so Elsner.

Bundesländer sollten Investitionskosten übernehmen

Die Verbandsvorsitzende rief die Bundesländer dazu auf, die Investitionskosten für die Pflegeeinrichtungen zu übernehmen. Das würde die Pflegebedürftigen um durchschnittlich 469 Euro pro Monat entlasten, so Elsner.

Die Bundesländer gehen unterschiedlich mit den Investitionskosten um. Nach Angaben der Barmer Krankenkasse im Mai fördern 13 Bundesländer diese Kosten mit unterschiedlich hohen Anteilen. Rheinland-Pfalz sei eines von drei Bundesländern, die keinerlei Investitionskosten übernähmen. Deshalb müssten Pflegebedürftige in rheinland-pfälzischen Heimen auch mehr zahlen als im Bundesdurchschnitt.

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