Der emeritierte Papst-Benedikt XVI. ist am Silvestertag 2022 gestorben - Reaktionen aus Rheinland-Pfalz (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON)

Würdigung des Theologen Ratzinger

Ehemaliger Papst Benedikt XVI. ist tot - Reaktionen aus RLP

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Der emeritierte Papst Benedikt XVI. ist tot. Das teilte der Vatikan mit. So reagieren Vertreter aus Kirche und Politik in Rheinland-Pfalz auf den Tod des früheren Kirchenoberhauptes:

Der Limburger Bischof Georg Bätzing, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, würdigte den Verstorbenen als "beeindruckenden Theologen und erfahrenen Hirten" und sagte: "Heute ist ein Tag der Trauer, des Abschieds, aber für mich innerlich noch viel mehr der Dankbarkeit und des Respekts vor einem großen Mann der Kirche." Für ihn sei der verstorbene Papst ein brillanter Theologe gewesen. Dieser habe wie kaum jemand sonst versucht, die Tiefen des Glaubens den Menschen deutlich zu machen.

Nachruf zum Tod von Papst Benedikt XVI. Wir waren Papst

Der erste Papst aus Deutschland seit rund 500 Jahren: Mit seiner Wahl 2005 wurde aus Kardinal Joseph Ratzinger Papst Benedikt XVI. Auch sein Rücktritt 2013 war historisch.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sprach ihr Mitgefühl zum Tod des früheren Papstes all denjenigen aus, die um ihn trauern. Dreyer verwies auf die historische Bedeutung von Benedikt XVI. - mit ihm sei nach Jahrhunderten wieder ein Deutscher zum Papst gewählt worden. Weiter heißt es in der Pressemitteilung der Ministerpräsidentin: "Und wie immer man sein Lebenswerk einschätzt, Papst Benedikt hat zweifellos die katholische Kirche über Jahrzehnte maßgeblich geprägt."

Dreyer erinnert an Begeisterung beim Weltjugendtag in Köln

Für sie selbst sei der Besuch von Papst Benedikt beim Weltjugendtag in Köln 2005 unvergessen. Benedikt habe damals die junge Generation begeistern können. Dreyer äußerte zudem großen Respekt für die Entscheidung des früheren Papstes, von seinem Papstamt zurückzutreten, "als er altersbedingt seine Kräfte nicht mehr geeignet befand, in angemessener Weise das Petrusamt auszuüben". Mit seinem Rücktritt im Jahr 2013 habe er erkennen lassen, dass sich die katholische Kirche weiterentwickeln müsse und den Weg dafür freigegeben.

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Auch der Limburger Bischof Bätzing und der Trierer Bischof Stephan Ackermann zollten ihm für diese Entscheidung Anerkennung: Er habe mit dieser Entscheidung einen ebenso außergewöhnlichen wie mutigen Schritt gesetzt, so Ackermann.

Bätzing findet jedoch auch nachdenkliche Worte für den verstorbenen Papst: "Er hat auch manchen Stolperstein in den Weg gelegt." Manche würden sagen, sein Rücktritt vom Amt sei "die vielleicht größte Tat seines Lebens" gewesen.

Bischof Kohlgraf würdigt und mahnt

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf würdigte den verstorbenen früheren Papst und mahnte zugleich vorerst Zurückhaltung an: "Viele Jahre hat er als Professor, Bischof und Präfekt der Glaubenskongregation die theologische Welt und die Kirche geprägt und inspiriert. Sein überraschender Rücktritt als Papst hat viele Menschen bewegt und beeindruckt. Mit abschließenden Einordnungen eines derart vielfältigen Lebenswerks sollten wir uns jetzt zurückhalten." Kohlgraf fügte hinzu: "Ich überlasse dieses Urteil dem großen Gott, an den wir glauben."

Große Bedeutung als Theologe

Die Bischöfe würdigten insbesondere die Rolle von Joseph Ratzinger als Theologe: "Sein theologisches Denkvermögen, seine politische Urteilskraft und sein persönlicher Umgang mit vielen Menschen haben den aus Deutschland stammenden früheren Papst ausgezeichnet", so Bätzing. Ackermann sprach davon, dass "mit dem Tod von Papst Benedikt XVI. Kirche und Welt einen großen Lehrer des christlichen Glaubens verloren haben".

Auch der Speyrer Bischof Karl-Heinz Wiesemann würdigte den früheren Papst als großen Theologen. "Das theologische Denken von Papst emeritus Benedikt XVI. war zutiefst biblisch verwurzelt, schöpfte aus der ganzen Breite der kirchlichen Tradition und zielte darauf ab, Glaube und Vernunft miteinander zu versöhnen."

Besucher stehen im Trierer Dom vor einem Bild des an Silvester verstorbenen, emeritierten Papstes Benedikt XVI. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Harald Tittel)
Besucher stehen im Trierer Dom vor einem Bild des verstorbenen, emeritierten Papstes Benedikt XVI. picture alliance/dpa | Harald Tittel

EKHN-Präsident Jung würdigt Benedikt

Der Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, bezeichnete Benedikt als "Theologen von Weltgeltung". Es sei ihm dabei besonders darum gegangen, "in der Auslegung der Bibel das Geheimnis der Person des Jesus von Nazareth für den Glauben zu entfalten".

2011 habe der Papst seine Wertschätzung für Martin Luthers konsequente Frage nach der Gnade Gottes zum Ausdruck gebracht. "Dies war rückblickend ein wichtiges Signal dafür, dass das Reformationsjubiläum 2017 ökumenisch begangen werden konnte", so Jung. Der Besuch habe allerdings damals nicht unmittelbar zu einem erhofften ökumenischen Aufbruch geführt.

Missbrauch in der Kirche: Vergebung - und unbeantwortete Fragen

Bätzing erinnerte auch an den Brief Benedikts vom 8. Februar 2022 anlässlich der Veröffentlichung des Münchener Gutachtens zu sexualisierter Gewalt: "Die Betroffenen hat er um Vergebung gebeten und doch blieben Fragen offen."

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Auch Bischof Wiesemann thematisierte die Kritik an dem Umgang mit Missbrauchsfällen während Ratzingers Zeit als Erzbischof von München und Freising. "Ich kann die Kritik derer nachvollziehen, die sich von Papst em. Benedikt XVI. ein klareres Wort der Verantwortungsübernahme und des persönlichen Versagens gewünscht hätten." Doch habe sich dieser bereits als Präfekt der Glaubenskongregation und noch mehr als Papst sehr dafür eingesetzt, sexualisierte Gewalt aufzudecken und Täter zur Verantwortung zu ziehen.

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Der Zustand des aus Deutschland stammenden früheren Papstes hatte sich in den vergangenen Tagen nach Informationen aus dem Vatikan zunehmend verschlechtert. Die Bischöfe hatten zum Gebet für das ehemalige Kirchenoberhaupt aufgerufen.

Ein zentrales Requiem in Deutschland wird es für den mit 95 Jahren verstorbenen Joseph Ratzinger nicht geben. Es sei sinnvoll, einen Unterschied zwischen dem Tod eines amtierenden Kirchenoberhauptes und dem Tod eines seit fast zehn Jahren im Ruhestand lebenden emeritierten Papstes zu machen, sagte Bätzing. Zu dieser Entscheidung sei man nach Kontakten mit der Botschaft des Vatikan in Berlin gekommen.

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