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Das Dürrerisiko wächst. Experten des weltweit forschenden Helmholtz-Zentrums erwarten Klimabedingungen, die Politik und Menschen in Rheinland-Pfalz vor neue Herausforderungen stellen wird.

Dietrich Borchardt ist Experte für Wassermanagement und Leiter des Department Aquatische Ökosystemanalyse und Management (ASAM) am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ und Professor an der Technischen Universität Dresden. Nach seiner Einschätzung könnten Witterungsextreme immer häufiger Auswirkungen auf die Wasserversorgung nehmen - daran sei in diesem Jahr auch Corona schuld.

SWR Aktuell: Was macht diese Dürre so gefährlich?

Dietrich Borchardt: Die aktuelle Dürre ist ähnlich gravierend wie 2018 und 2019. Mit Ausnahme des Alpenvorlandes und des nördlichen Schleswig-Holstein ist der Oberboden ungewöhnlich bis extrem trocken. Viele Grundwasserpegel zeigen Niedrigststände, viele Flüsse haben zur Zeit extrem niedrige Abflüsse und kleinere Bäche trocknen sogar aus.

Dürre in Deutschland - eine Übersichtskarte (Foto: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung)
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung

SWR Aktuell: Gibt es Prognosen, wie die Trockenheit das Leben in Rheinland-Pfalz verändern wird?

Dietrich Borchardt: Der Klimawandel ist auch in Rheinland-Pfalz bereits spürbar und es gibt entsprechende Prognosen. Eine Verstärkung von Witterungsextremen, das sind einerseits Starkregen und dann Trockenheit in Verbindung mit Hitzewellen, ist zu erwarten. Davon sind auch Kommunen besonders betroffen, wie jetzt Lauenau zeigt (Anmerkung der Redaktion: In der niedersächsischen Gemeinde war im August zeitweise das Trinkwasser ausgegangen. Die Feuerwehr musste teilweise die Versorgung übernehmen).

Eine Klimawandelanpassung ist auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene eine notwendige Aufgabe zur Daseins- und Risikovorsorge und wird immer dringender. Von der Raum-, Regional- und Bauleitplanung, über das technisch-wissenschaftliche Regelwerk bis hin zu Betriebsregeln für Wasserinfrastrukturen sind entsprechende Anpassungen notwendig. Im Krisenfall kann das auch das Verbot von Gartenbewässerung beinhalten.

SWR Aktuell: Wasserversorger melden, dass durch die Corona-Pandemie und dem daraus resultierenden Urlaub Zuhause ein höherer Wasserverbrauch zu verzeichnen ist. Kann dieser Mehrverbrauch die Dürre verstärken?

Dietrich Borchardt: Nicht die Dürre, denn die entsteht durch großflächigen Regen- und Wassermangel, zur Zeit auch in Verbindung mit Hitze. Der Mehrverbrauch kann aber dazu führen, dass die Kapazitätsgrenzen der Wasserversorgung erreicht werden.

SWR Aktuell: Warum sind in Rheinland-Pfalz vor allem die bewaldeten Gebiete wie die Eifel, der Westerwald oder Hunsrück von Trockenheit betroffen und nicht die sehr warmen Regionen der Rheinebene und Rheinhessen?

Dietrich Borchardt: Die Wälder in den Mittelgebirgen, nicht nur in Rheinland-Pfalz, zeigen die deutlichsten Trockenschäden. Dabei spielt der Wassermangel für die Bäume selbst, aber auch Hitzestress, in dessen Folge die Widerstandsfähigkeit gegen Insektenschädlinge, wie dem Borkenkäfer, aber auch gegen Pilze abnimmt, die wichtigste Rolle. Wärmere Regionen haben kein Problem solange genügend Regen fällt, oder das Grundwasser nicht absinkt.

SWR Aktuell: Durch den Borkenkäfer werden aktuell große Flächen Fichtenwälder beseitigt und Mischwald angepflanzt. Wird diese Umwandlung durch die Trockenheit gefährdet?

Dietrich Borchardt: Pflanzungen sind durch die Trockenheit sehr gefährdet, weil die Feuchtigkeit und das pflanzenverfügbare Wasser gerade in den Bodenschichten fehlt, in denen die Jungpflanzen wurzeln.

SWR Aktuell: Was wird sich aus Ihrer Sicht beim Wasserverbrauch in Zukunft ändern müssen?

Dietrich Borchardt: Die Änderungen werden sich je nach Nutzungsart unterscheiden. Beispielsweise wird der Kühlwasserbedarf für thermische Kraftwerke zurückgehen, weil sie nach und nach abgeschaltet werden. In der Landwirtschaft hingegen wird der Wasserbedarf für Bewässerung steigen. Im häuslichen Gebrauch erwarte ich im Durchschnitt keine gravierenden Änderungen, aber in Extremsituationen, wie jetzt, werden die Verbauchsspitzen höher.

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