Ein Schloss liegt auf der Tastatur eines Computers (gestellte Aufnahme zum Thema: Datenschutz). Die seit fünf Jahren gültige Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) verunsichert nach wie vor Unternehmer - und beschert Beratungen, Anwälten und Start-ups damit ein boomendes Geschäft.

Fünf Jahre Datenschutzgrundverordnung

DSGVO: Immer noch viele Fragen bei RLP-Handwerk

Stand
AUTOR/IN
Wolfgang Brauer
ONLINEFASSUNG
Michael Herr
Andreas Reinhardt
Bild von Wirtschaftsredakteur Andreas Reinhardt

Viel Bürokratie für zu wenige Mitarbeiter: Fünf Jahre nach Einführung der DSGVO fällt die Bilanz beim Handwerk in Rheinland-Pfalz gemischt aus.

Die DSGVO beschäftigt Ralf Vowinkel fast täglich. Auch fünf Jahre nach der Einführung ist der Datenschutz ein großes Thema für den Raumausstatter in Waldsee bei Ludwigshafen, der zwei Mitarbeiter beschäftigt. Und das, obwohl über seinen Schreibtisch gar nicht so viele Daten gehen.

DSGVO prägt Arbeitsalltag

Vowinkel muss darauf achten, dass sich seine Beschäftigten an die Regeln halten. Das beginnt bei einfachen Abläufen. Zum Beispiel, dass keine Kundenadressen im Auto liegen bleiben. Auch bei seinen Lieferanten muss er abklären, dass dort ein sauberer Umgang mit Kundendaten gepflegt wird, es einen Datenschutzbeauftragten gibt, Kundendaten dort sicher sind. Und auch in auf den ersten Blick ganz alltäglichen Situationen kommt die DSGVO zum Tragen:

"Wir haben einen Handwerker-Parkausweis, der in der Windschutzscheibe liegt. Da muss ein Name da sein, wo wir arbeiten."

Weiterhin viel Beratungsbedarf beim Datenschutz

Denn auch solche Daten sind personenbezogen - auch wenn sie nur deshalb verwendet werden, damit ein Handwerker bei Bedarf schnell das Auto umparken kann. Die Routine mit den Regeln der DSGVO hat sich erst im Lauf der Jahre eingestellt. Vor fünf Jahren, bei der Einführung, nahm der Vorderpfälzer die Verordnung als große Bedrohung wahr. Heute sieht er die Sache differenzierter: "Einmal hat die DSGVO den Schutz der persönlichen Daten gestärkt, was ja auch sehr wichtig ist. Auf der anderen Seite wurde ein riesiges Bürokratiemonster erschaffen - das wir im Handwerk nach wie vor nicht ganz verstehen."

Am Ende bleibe das Thema wie immer am Chef hängen. An den Finanzen des kleinen Betriebs ist das nicht spurlos vorübergegangen. Am Anfang, so schätzt Ralf Vowinkel, habe er bestimmt zweitausend Euro an Arbeitsleistung investieren müssen - nur um sich ausreichend über die DSGVO zu informieren.

Audio herunterladen (26,4 MB | MP3)

"DSGVO für große Unternehmen gemacht"

Auch fünf Jahren nach der Einführung wirft die Verordnung im Handwerk in Rheinland-Pfalz immer noch Fragen auf. Im Norden des Landes landen die dann oft auf dem Schreibtisch von Susanne Terhorst von der Rechtsabteilung der Handwerkskammer Koblenz. Besonders kleinere Unternehmen seien bei dem Thema weiter oft überfordert. Die DSGVO habe allerdings auch positive Impulse gesetzt. Viele Handwerker gingen heute bewusster mit sensiblen Daten um als früher:

"Seit es die DSGVO gibt, ist das Thema Datenschutz in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Dennoch ist damit auch weiter ein hohes Maß an Bürokratie verbunden, ohne dass für die Betriebe direkt ein Mehrwert zu erkennen wäre. Das hat bei der Einführung der Verordnung für große Aufregung gesorgt - und ist auch heute noch so."

Wenn zum Beispiel von einem Augenoptiker mit fünf Mitarbeitern ein eigener Datenschutzbeauftragter gefordert wird. Als Maßstab gelten bei der DSGVO nämlich nach wie vor große Unternehmen, etwa Kliniken. Inhaber kleinerer Betriebe wie Ralf Vowinkel fordern bei der Verordnung daher regelmäßig Nachbesserungen - für ihn ist man bei den Regeln für kleine Firmen über das Ziel hinausgeschossen.

Trotzdem fällt Vowinkels Zwischenfazit zur DSGVO gemischt aus: "Wir freuen uns zwar nicht darüber, aber wir können es händeln. Ich denke, in den nächsten fünf Jahren werden wird uns daran gewöhnen." Die eigentlichen Probleme für kleine Betriebe beim Thema Datenschutz lägen nämlich ganz woanders: "Das größte Problem ist, dass irgendjemand unsere EDV hackt. Da ist es schon gut, dass man sich weiter sensibilisiert und aufpasst."