Impfung gegen das Coronavirus steht bevor (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Experten: Unklar, wie lange Impfschutz hält

Brauchen wir bald schon eine Auffrischung der Corona-Impfung?

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Während viele Menschen noch auf ihre erste und zweite Corona-Impfung warten, diskutieren andere schon über eine dritte Auffrischungsimpfung oder gar eine jährliche Impfung. Hier gibt's alle wichtigen Infos für Rheinland-Pfalz.

Rheinland-Pfalz will sich bei möglichen Auffrischungsimpfungen an die Bundesimpfverordnung und die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) halten, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums auf SWR-Anfrage. "Aktuell ist noch nicht endgültig abzusehen, ob und wenn ja in welchem Umfang beziehungsweise für welchen Personenkreis Auffrischungsimpfungen vonnöten sein werden." Der Mainzer Virologe Bodo Plachter sagte dazu: "Ob eine dritte Corona-Schutzimpfung notwendig sein wird, wird man beobachten müssen." Auch eine jährliche Auffrischung sei möglich.

Großbritannien dagegen plant schon Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus. Ende März sagte der zuständige Staatssekretär der Regierung dem "Daily Telegraph", dass Menschen über 70 Jahren schon ab diesem Herbst mit einer dritten Impfung rechnen könnten. Die "Times" berichtet sogar davon, dass alle Menschen ab 50 Jahren im Herbst ein Angebot für eine dritte Corona-Impfung erhalten. Und auch in der EU schließt man Auffrischungen nicht aus: Am Donnerstag wurde bekannt, dass die EU bis zu 1,8 Milliarden weitere Impfdosen des Impfstoffes von Biontech/Pfizer gekauft hat. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) sagte, die Dosen sollen vor allem für Auffrischungen eingesetzt werden.

Warum kann eine Auffrischung sinnvoll sein?

Da Sars-CoV-2 ein relativ neues Virus ist, gibt es bislang keine Langzeitstudien, darüber wie lange die Impfstoffe wirksam sind. Es wird davon ausgegangen, dass die Vakzine mindestens sechs Monate lang zuverlässigen Schutz bieten. Eine Studie der Mainzer Firma Biontech hat das Anfang April nochmal bestätigt.

Die Antikörperkonzentration im Blut kann nach einer Zeit nachlassen, sagt SWR-Wissenschaftsredakteur David Beck. Bodo Plachter erklärte: "Bei älteren Personen kann es zum Beispiel sein, dass sich der Impfschutz nach einigen Monaten abschwächt." Das Gleiche passiere laut Beck auch nach einer durchgemachten Corona-Infektion: Die Immunität kann nachlassen. "Das heißt nicht, dass es keinen Schutz mehr gibt, aber eine Ansteckung wird wieder wahrscheinlicher und auch, dass dann das Infektionsgeschehen wieder schneller wird", so der Wissenschaftsredakteur.

Impfschutz bei Varianten eventuell geringer

Ein zweiter Grund, warum eine Auffrischung sinnvoll sein kann, ist, dass es neue Varianten des Coronavirus geben kann. Gegen die könnten die bisherigen Impfstoffe nichts mehr bringen. "Davon ist momentan eigentlich nicht auszugehen, aber es muss trotzdem ständig geprüft werden", sagt der Wissenschaftsredakteur Beck. Gibt es weniger Antikörper im Blut, sei es zudem auch wahrscheinlicher, dass Varianten entstehen. Deshalb schätzt Beck es als "ziemlich wahrscheinlich" ein, dass eine Auffrischungsimpfung kommen wird.

Unklar ist, wie viele Impfungen dann notwendig wären - also, ob eine dritte (oder zweite - beim Impfstoff von Johnson & Johnson) Impfung ausreicht oder es zum Beispiel jährliche Impfungen geben muss. "Das wird man beobachten müssen, denn es ist unklar, ob der Impfling ein Jahr nach der Impfung noch geschützt ist", so der Virologe Plachter. "Wichtiger ist es jetzt erst einmal, alle Menschen durchzuimpfen."

Biontech- und Moderna-Studien über Impf-Auffrischung

Die Mainzer Firma Biontech, die gemeinsam mit Pfizer den Impfstoff Comirnaty entwickelt hat, führt seit Februar eine Studie über eine dritte Impfung durch. Noch liegen keine Daten vor, deshalb könne man noch nicht einschätzen, wie es um eine Auffrischungsimpfung steht, sagte eine Unternehmenssprecherin dem SWR. In der Studie würden Probanden in den USA, die während der ersten Testphase des von Biontech entwickelten Impfstoffs im vergangenen Jahr geimpft wurden, nochmals geimpft.

Außerdem wird demnach in einer anderen Studie auch ein weiterentwickelter Impfstoff getestet. Dieser könnte es Biontech und Pfizer ermöglichen, den aktuellen Impfstoff schnell an neue Virus-Varianten anzupassen. Man könne Auffrischungsimpfungen technisch innerhalb von Wochen entwickeln, wenn dies erforderlich sei, sagte der Biontech-Gründer Uğur Şahin im Februar. Ein solches Vorgehen sei für andere Infektionskrankheiten wie die Grippe etabliert.

Auch Moderna testet Auffrischungen mit seinem Impfstoff. Ersten Ergebnissen zufolge bietet eine dritte Dosis wirksamen Schutz auch gegen die Virusvarianten aus Südafrika und Brasilien.

Rheinland-Pfalz will Impfzentren weiter betreiben

Der Mainzer Virologe Plachter fasst zusammen: "Man kann definitiv jetzt noch keine Aussage darüber treffen." In Rheinland-Pfalz will man unterdessen unabhängig von den möglichen Auffrischungen vorerst an den Impfzentren festhalten, so das Gesundheitsministerium. "Momentan gibt es keine Planungen, die bestehenden Impfzentren zeitnah zu schließen." Die Impfzentren seien bis zum 30. September eingerichtet, die Strukturen seien gut und effektiv. Man wolle sie deshalb nicht vorschnell zurücknehmen - "auch um auf kommende Ereignisse vorbereitet zu sein", so ein Sprecher des Ministeriums. Dabei sei aber wichtig, dass der Bund zeitnah die notwendigen Entscheidungen treffe, da er die Impfzentren zur Hälfte mitfinanziert.

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