STAND

Vor der nächsten Schalte der Länderchefs mit Kanzlerin Merkel lehnt Malu Dreyer Schulschließungen weiter vehement ab. Eine Studie belege die niedrige Ansteckungsgefahr an Schulen.

"Wir haben in einem großen Kraftakt viele Bereiche des öffentlichen Lebens geschlossen, damit Kitas und Schulen offen bleiben können", sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin. Man habe während der Schließungen im Frühjahr schmerzlich erfahren, wie sehr viele Kinder und ihre Familien darunter gelitten hätten. "Daher halte ich die Diskussion um Schulschließungen aktuell für falsch", so die SPD-Politikerin weiter.

Der Deutsche Lehrerverband forderte von der Politik eindeutige Richtlinien zum weiteren Vorgehen an den Schulen. "Schulen auf Biegen und Brechen offenzuhalten, ist nicht der richtige Weg", sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger dem NDR. Marlis Tepe, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), forderte, Wechselunterricht ab einem Sieben-Tage-Inzidenz-Wert von 50 zu beschließen.

Video herunterladen (5,1 MB | MP4)

Dreyer und Bildungsministerin Stefanie Hubig, die auch Präsidentin der Kultusministerkonferenz ist, sagten am Sonntag, sie könnten die Bedenken der Lehrerverbände und besorgter Eltern und Schüler verstehen. Die vorliegenden Untersuchungen zeigten jedoch, dass die Schulen gerade nicht die Orte seien, an denen sich Menschen ansteckten.

LUA untersuchte Ansteckungsrisiko in Schulen

Seit Ende der Sommerferien untersuche das Landesuntersuchungsamt (LUA) auf Basis der Meldungen der Gesundheitsämter in einer "Secondary Attack Rate in Schools Surveillance", wie hoch dort die Ansteckungsgefahr ist. "Das Ergebnis: Sehr gering." Maßgebliche Übertragungsraten seien dort nicht festzustellen.

Im Zeitraum vom 17. August bis zum 6. November wurden dem LUA von den Gesundheitsämtern 131 sogenannte Indexfälle unter Schülern und Kitakindern gemeldet. Für diese 131 Jungen und Mädchen konnten 4.063 direkte Kontaktpersonen der Kategorie 1 in den Schulen und Kitas ermittelt werden. Aber unter diesen 4.063 Kontaktpersonen Kategorie 1 habe es nur 22 Ansteckungen gegeben. Das sind gerade einmal 0,54 Prozent.

"Zum Vergleich: Bei Haushaltskontakten geht man von knapp 19 Prozent Ansteckung aus." Die Schlussfolgerung sei, dass die Ansteckungsgefahr in Schulen und Kitas bislang so gering ist, dass eine grundsätzliche Schulschließung mit Blick auf die negativen Auswirkungen auf Kinder und auch ihrer Familien nicht sinnvoll sei.

Zwischenbilanz mit Merkel

Zwei Wochen nach dem Inkrafttreten der jüngsten bundesweiten Kontaktbeschränkungen will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag mit den Ministerpräsidenten der Länder eine Zwischenbilanz ziehen. Die Bundesregierung hat bereits klar gemacht, dass sie angesichts der bis zuletzt gestiegenen Zahlen derzeit keinen Anlass für Lockerungen sieht.

Erste Erkenntnisse über Lockdown-Effekte frühestens Montag

Zwar gebe es erste Anzeichen, dass sich die Dynamik der Infektionen abschwäche. Aber: "Die Lage bleibt ernst", so Dreyer weiter. Frühestens am Montag lasse sich ablesen, ob und wie der Teil-Lockdown wirke. "Der Schlüssel für den Erfolg in der Pandemie-Bekämpfung bleibt das Verhalten von jedem und jeder einzelnen", mahnte die Ministerpräsidentin.

Dreyer-Pressekonferenz nach Bund-Länder-Treffen Lediglich Appelle an die Bevölkerung

Nach neuen Beratungen zwischen den Ministerpräsidenten der Länder und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist klar: Vorerst gibt es nur weitere Empfehlungen. Kommende Woche soll dann ein Gesamtkonzept für Dezember und Januar erarbeitet werden.  mehr...

Aktuelle Lage im Land Live-Blog zum Coronavirus in Rheinland-Pfalz - Mehr Schutz für Alten- und Pflegeheime

Das Coronavirus bestimmt weiter das öffentliche Leben in Rheinland-Pfalz. Die Zahl der Neuinfektionen liegt weiter auf hohem Niveau, Einschränkungen gelten bis in den Dezember hinein. Die aktuellen Entwicklung hier im Blog.  mehr...

Studie gibt Entwarnung Hilfe für Kinder greift auch in der Corona-Krise

Schulen und Kitas zu und viel Druck auf den Familien - der Lockdown im Frühjahr ließ befürchten, dass es mehr familiäre Gewalt, vor allem gegen Kinder gibt. Die Jugendämter stellten aber keinen Anstieg fest.  mehr...

Interview mit Prof. Günter Layer Klinikum Ludwigshafen: "Auf der Intensivstation sind wir fast am Anschlag"

Es ist Woche zwei des Teil-Lockdowns. Die Intensivstationen füllen sich, sowohl am Klinikum Ludwigshafen, als auch in Kaiserslautern, Koblenz oder Mainz. Immer mehr Corona-Patienten werden beatmet, berichtet Günter Layer, Ärztlicher Direktor des Klinikums Ludwigshafen im SWR-Interview.  mehr...

Entwicklung der Pandemie in Rheinland-Pfalz 755 Neuinfektionen am Montag, weitere 29 Tote

In Rheinland-Pfalz sind am Montag 755 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet worden. Das sind rund 200 weniger als Montag vor einer Woche. Die Zahl der Todesfälle stieg um 29.  mehr...

STAND
AUTOR/IN