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Der rheinland-pfälzische Islamverband Ditib teilte am Sonntag mit: Der Vorsitzende des Verbands werde sein Amt niederlegen - eine Einladung und ihre Folgen:

Der Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Islamverbands Ditib, Yilmaz Yildiz, tritt von seinem Amt zurück. Grund: Der Islamverband hatte den umstrittenen türkischen Historiker Ahmet Simsirgil zu einem Online-Vortrag eingeladen. Simsirgil ist Professor für osmanische Geschichte an der Marmara-Universität in Istanbul und - für antiwestliche und antisemitische Ausführungen bekannt. Die Landesregierung forderte deshalb eine Stellungnahme des Islamverbands.

Yildiz übernimmt volle Verantwortung

Yildiz teilte dem Landesvorstand zufolge mit, er ziehe die Konsequenz aus der Einladung an Simsirgil. Als Landesvorsitzender trage er die volle Verantwortung. Zuvor habe bereits der Generalsekretär Necdettin Aydin, der das Organisationskomitee leitete, seinen Rücktritt erklärt.

"Ich möchte versichern, dass die medial geäußerten Meinungen von Herrn Simsirgil weder meine, noch die Meinung der Ditib auch nur annähernd wiedergeben."

Yilmaz Yildiz laut Ditib

Ditib-Landesvorstand: Simsirgil betreibe offene Hetze

Der Landesvorstand dankte Yildiz für seine zehnjährige Tätigkeit als Vorsitzender und erklärte zugleich, er halte dessen Rücktritt für notwendig. Die Einladung einer Person wie Ahmet Simsirgil könne in keiner Weise akzeptiert werden. Der Historiker betreibe in seinen Texten und Äußerungen offene Hetze gegen Menschen aufgrund ihrer ethnischen, geschlechtlichen oder religiösen Ansichten. Der Vortrag des Historikers, der am 21. März sein sollte, war zuvor abgesagt worden.

Historiker steht offenbar Erdogan und seiner Partei AKP nahe

Simsirgil verteidigt nach Medienberichten auf seiner Homepage unter anderem die Kündigung der Istanbul-Konvention des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen durch Präsident Recep Tayyip Erdogan. Der Historiker stehe Erdogan und seiner Partei AKP nahe, so Medien.

Warum Landesregierung RLP Stellungnahme fordert

Die rheinland-pfälzische Landesregierung hatte mit der Ditib und drei weiteren Islamverbänden im April 2020 eine Vereinbarung geschlossen. Ziel: diese als Partner für einen islamischen Religionsunterricht anzuerkennen. In der Vereinbarung verpflichten sich die Islamverbände und das Land zu gemeinsamen Wertegrundlagen als Basis ihrer Zusammenarbeit. Islamfeindlichkeit, Antisemitismus und religiöser Extremismus würden entschieden bekämpft, heißt es.

Hessische Landesregierung kündigte Ditib-Beteiligung

Die hessische Landesregierung dagegen kündigte damals die Beteiligung von Ditib am Islamunterricht auf. Als Hauptgrund nannte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) fortbestehende Zweifel an der Unabhängigkeit der Organisation vom türkischen Staat unter Präsident Erdogan.

Rheinland-Pfälzische Landesregierung verteidigte Gespräche

Der rheinland-pfälzische Kulturminister Konrad Wolf (SPD) verteidigte jedoch im Mai 2020 die fortdauernden Gespräche der Landesregierung mit Ditib. In Rheinland-Pfalz habe es bislang keine gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung gerichteten Aktivitäten von Ditib gegeben. Es gebe bislang keine Belege für Eingriffe der Türkei in die Angelegenheiten des Landesverbandes, solche Eingriffe wären aber möglich. Dies müsse ausgeschlossen werden, damit Ditib als Partner für den islamischen Religionsunterricht infrage komme.

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Ditib berät nach Rücktritt über Neuaufstellung

Ditib Rheinland-Pfalz teilte der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag mit, der Landesvorstand werde nun über die personelle Neuaufstellung beraten. Mit dem Rücktritt bekräftige Ditib das Bekenntnis, den Dialog mit der Landesregierung fortzuführen - auf dem Weg zu einem Grundlagenvertrag mit vier islamischen Verbänden.

Landesregierung RLP will nach Stellungnahme entscheiden

Die Landesregierung kündigte an, sie werde nach einer Stellungnahme von Ditib über mögliche Konsequenzen entscheiden.

Die rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende Julia Klöckner teilte mit, die Landesregierung sollte Konsequenzen ziehen und die Kooperation mit dem Verband beenden. Damit weiter zu warten, sei das falsche Signal.

Islamischer Religionsunterricht in Rheinland-Pfalz Abgeordnete streiten um Kooperation mit Ditib

Vor zwei Monaten hat die Landesregierung Zielvereinbarungen mit vier islamischen Verbänden unterzeichnet. Sie sollen langfristig den Weg zu einem konfessionellen islamischen Religionsunterricht freimachen. In einer Aktuellen Debatte des Landtags hat die AfD nun den Abbruch dieser Verhandlungen gefordert.  mehr...

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