Buntes Lichterspiel an der Fassade des Doms von Trier. (Foto: IMAGO, McPHOTO)

Ein Beitrag zum Glauben

Das passiert mit der Kirchensteuer

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Johanna Stein

Die Kirche polarisiert. Während derzeit viele mit ethischen Bedenken oder finanziellen Sorgen austreten, sehen andere in ihr die Chance, soziale Projekte und Einrichtungen zu fördern. Wir erklären, wo die Kirchensteuer tatsächlich ankommt.

Was ist die Kirchensteuer?

Menschen, die in Deutschland wohnen und Mitglied bei einer staatlich anerkannten Kirche sind, zahlen grundsätzlich Kirchensteuer. Das Finanzamt zieht diese Steuer ein und gibt sie an die Kirchen weiter. Im Gegenzug zahlen die Kirchen Gebühren an den Staat, die zwischen zwei und vier Prozent der Kirchensteuer ausmachen. In Bayern wird die Kircheneinkommensteuer durch eigene Kirchensteuerämter festgesetzt und erhoben.

Wer zahlt die Kirchensteuer?

Drei Kriterien sind ausschlaggebend dafür, ob man Kirchensteuer zahlt oder nicht: die Kirchenmitgliedschaft, der Wohnsitz und die steuerliche Leistungsfähigkeit. In Deutschland zahlen hauptsächlich Kirchenmitglieder, die lohn- oder einkommensteuerpflichtig sind. Der Deutschen Bischofskonferenz zufolge sind das knapp die Hälfte aller Katholiken.

Somit zahlt eine Minderheit der Katholiken, rund 37 Prozent, fast 97 Prozent des Kirchensteueraufkommens. Nicht zahlungspflichtig sind dagegen Geringverdiener - oft auch Rentner, Arbeitslose, Kinder, Schüler und Studierende sowie Ordensleute. Einige Kirchengemeinden erheben allerdings noch allgemeine Kirchgelder, die unabhängig von der Kirchensteuer sind.

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Wie hoch ist die Kirchensteuer?

In Bayern und Baden-Württemberg macht die Kirchensteuer acht Prozent der Lohn- und Einkommensteuer aus. In den übrigen Bundesländern sind es sogar neun Prozent. Mitglieder der katholischen Kirche zahlen im Schnitt 291 Euro, Protestanten kommen auf 278 Euro im Jahr, rechnet das Institut der deutschen Wirtschaft IW vor. Damit ist der Durchschnittsbetrag fast doppelt so hoch wie noch im Jahr 2004.

Wofür wird das Geld verwendet?

Die katholische und die evangelische Kirche haben im Jahr 2020 in ganz Deutschland zusammen rund 12,08 Milliarden Euro Steuern eingenommen. Die Evangelische Kirche der Pfalz sammelte beispielsweise mehr als 122 Millionen Euro Steuern. Das Bistum Trier nahm rund 318 Millionen Euro ein. Wir zeigen am Beispiel des Bistums Trier, wofür 100 Euro Kirchensteuer ausgegeben werden:

  • 39,70 Euro für Zuschüsse an die Gemeinden plus Verwaltungskosten: Die Zuschüsse dienen als Finanzausgleich für die Gemeinden und umfassen Geld für Personal-, Sach- und Baukosten. Hiervon werden auch das pastorale Personal, die Dekanate, die Kassenstellen, die Personalverwaltung sowie -abrechnung finanziert.
  • 14,70 Euro für Kindertagesstätten
  • 9,43 Euro für Bistumsleitung und Bistumsverwaltung, sonstige Stellen: Das Geld finanziert die Leitung und Organisation des Bistums und wird auch zur Förderung verschiedener Projekte eingesetzt.
  • 9,03 Euro für die Caritas
Caritas (Foto: dpa Bildfunk, Martin Schutt)
Die Caritasverbände in Rheinland-Pfalz treten für eine solidarische Gesellschaft ein, in der alle Menschen in Würde leben können. Martin Schutt
  • 5,83 Euro für Finanzen und sonstige Aufwendungen: Das Geld entfällt hauptsächlich auf die Hebegebühr für die Kirchensteuer.
  • 5,58 Euro für Berufliche Bildung und Erwachsenenbildung
  • 5,11 Euro für Katholische Schulen und Religionsunterricht: Hier fließt das Geld vor allem in den Betrieb der Bistumsschulen und den Religionsunterricht an staatlichen Schulen durch Bistumsmitarbeiter.
  • 3,10 Euro für Besondere Felder der Seelsorge: Zu diesem Bereich gehören die Pastoralen Grundaufgaben und die Diakonische Pastoral. Dazu zählen zum Beispiel die Krankenhausseelsorge, die Hochschulseelsorge, oder auch die Muttersprachliche Seelsorge.
  • 2,82 Euro für Überdiözesane Einrichtungen: Hier erhalten die Diözesanstelle Weltkirche, das Interdiözesane Seminar zur Priesterausbildung in Lantershofen, die Katholischen Büros Mainz und Saarbrücken und das Theologisch-Pastorale Institut jeweils Geld. Außerdem erhält noch der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) einen Zuschuss.
  • 2,13 Euro für die Jugend
  • 1,72 Euro für Beratung: Das Geld kommt bei den Lebensberatungsstellen, der Telefonseelsorge und der Abteilung Beratung und Prävention an.
  • 0,85 Euro für Aufwendungen für die Altersversorgung

Die Verteilung der Ausgaben ist in anderen Kirchen ähnlich, auch der Unterschied zwischen katholischen und evangelischen Kirchen ist gering. Überall macht die Kirchensteuer einen Großteil des Gesamthaushaltes aus, im Bistum Trier rund 70 Prozent, in Speyer sogar 77 Prozent des Gesamteinkommens.

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