STAND

Angesichts einer drohenden Rezession infolge der Corona-Pandemie hat der DGB in Rheinland-Pfalz dazu aufgerufen, Hilfen an Unternehmen gezielt zu vergeben. Wer an der Lösung gesellschaftlicher Probleme mitarbeite, solle verstärkt gefördert werden.

"Wir sollten die Unternehmen stärker fördern, die bereit sind, fair zu bezahlen und Tarifverträge mit den Gewerkschaften auszuhandeln", sagte der Landesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Rheinland-Pfalz, Dietmar Muscheid, am Freitag in Mainz.

Unterstützung sollten vor allem diejenigen Unternehmen erhalten, "die daran mitwirken, die Probleme zu lösen, die unsere Gesellschaft auch schon vor der Corona-Pandemie beschäftigt haben", forderte Muscheid. Dabei nannte er den Klimaschutz und die Digitalisierung. Auch Ausbildungsbetriebe sollten deshalb besonders unterstützt werden, da "die drohende Rezession dem Ausbildungsmarkt stark zusetzen wird".

Bätzing-Lichtenthäler sieht Chance in Digitalisierung

Die rheinland-pfälzische Arbeitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) nannte die Möglichkeiten digitaler Arbeit als Chance in der Corona-Krise. Dabei verwies sie in einer Video-Botschaft auf die Forderung nach einem Recht auf Homeoffice. In diesem Jahr sei es das erste Mal, dass der 1. Mai nicht auf der Straße gemeinsam begangen werden könne, sagte Bätzing-Lichtenthäler. "Aber gerade in diesen schwierigen Zeiten, in denen wir uns befinden, zeigt sich doch, wie wichtig Solidarität in der Gesellschaft ist."

Tag der Arbeit - virtuell und auf dem Rhein

Die DGB-Gewerkschaften und ihre Mitglieder stehen am 1. Mai erstmals nicht gemeinsam auf der Straße, sondern digital zusammen, unter anderem in den sozialen Netzwerken und mit einer Live-Sendung. Von 11 bis 14 Uhr wurde der Livestream am Tag der Arbeit auf der Webseite des DGB sowie bei Facebook und Youtube ausgestrahlt.

Zudem sollten zwei Schiffe mit Transparenten am Freitagvormittag zwischen Ludwigshafen und Mainz sowie zwischen Vallendar und Koblenz unterwegs sein. Auf den Plakaten sollte mehr Geld für Beschäftigte in sogenannten systemrelevanten Berufen gefordert werden - unter anderem in der Pflege und dem Einzelhandel. Eine kleine Mai-Kundgebung unter Einhaltung der Corona-Abstandsregeln war außerdem vom "Mainzer Internationale 1. Maibündnis" für den Vormittag am Mainzer Hauptbahnhof angekündigt worden.

Video herunterladen (3,8 MB | MP4)

Ausbildungsmarkt in Gefahr

Muscheid sieht in der Corona-Krise insbesondere den Ausbildungsmarkt in Gefahr und fürchtet eine Verschärfung des Fachkräftemangels: "Da, wo Kurzarbeit gefahren wird, findet Ausbildung nicht mehr in dem Maße statt, wie sie stattfinden müsste. Da produziert man in der Krise die nächste Krise. Die Facharbeiter, die man morgen braucht, muss man heute ausbilden", hatte er bereits am Mittwoch gesagt.

Nach einer Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), die Report Mainz exklusiv vorliegt, plant ein Viertel der Handwerksbetriebe im kommenden Ausbildungsjahr weniger Lehrstellen zu besetzen.

Recht auf Homeoffice braucht klare Regeln

Muscheid sprach sich für klare Regeln in Bezug auf das geplante Recht auf Homeoffice aus. Es sei wichtig, die Rahmenbedingungen zu klären. Als Beispiele nannte er das Einhalten von Pausen und Arbeitszeit, die technische Ausstattung und die Gestaltung des Arbeitsplatzes, "Man entgrenzt sich im Homeoffice selbst ein stückweit von Regeln, die zum Arbeits- und Gesundheitsschutz beachtet werden müssen."

Kinderbetreuung in Zeiten der Corona-Krise DGB: Wegen Corona nicht in alte Rollenbilder zurückfallen

Der Mann geht wieder arbeiten - die Frau betreut die Kinder zu Hause: Genau das will die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds DGB, Elke Hannack, vermeiden.  mehr...

STAND
AUTOR/IN