STAND

Müssen Schüler heutzutage noch die Rechtschreibung beherrschen? Darüber ist eine überraschende Debatte unter Spitzenpolitikern und Fachleuten entbrannt. Nun hat sich auch die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Hubig eingeschaltet.

Stefanie Hubig (SPD), die zugleich auch Präsidentin der Kultusministerkonferenz ist, betonte die Wichtigkeit des Rechtschreibunterrichts und kritisierte den Anstoß der Debatte.

Hubig: Rechtschreibung "Grundlage für alles Weitere"

"Wir müssen in den Schulen dafür Sorge tragen, dass unsere Schülerinnen und Schüler richtig rechnen, lesen und schreiben lernen. Das ist die Grundlage für alles Weitere", sagte Hubig am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. "Dazu gehört vor allem auch die Rechtschreibung."

Digitale Endgeräte wie Handys und Tablets hätten viele Vorteile, sagte Hubig. "Aber wer sich in Sachen Rechtschreibung auf sie verlassen muss, ist schnell verlassen."

Kretschmann für "Grundgerüst an Rechtschreibkenntnissen"

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte die Debatte angestoßen. In einem Interview ließ er durchscheinen, dass er den Rechtschreibunterricht für nicht mehr so wichtig hält.

"Jeder Mensch braucht ein Grundgerüst an Rechtschreibkenntnissen, das ist gar keine Frage. Aber die Bedeutung, Rechtschreibung zu pauken, nimmt ab, weil wir heute ja nur noch selten handschriftlich schreiben", hatte der Grünen-Politiker in Stuttgart gesagt. Es gebe "kluge Geräte", die Grammatik und Fehler korrigierten. Kretschmann ist ehemaliger Chemie- und Biolehrer.

Den Grundschulverband hat er auf seiner Seite. Hans Brügelmann, emeritierter Professor für Grundschulpädagogik und in dem Verband aktiv, erklärte, Rechtschreibkompetenz bedeute heute etwas anderes als früher. Es gehe nicht mehr um das blinde Üben eines begrenzten Wortschatzes für Diktate.

Baldauf: Äußerungen "nicht ungefährlich"

Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Mainzer Landtag, Christian Baldauf, sieht das anders. Bei der Rechtschreibung gehe es nicht um irgendeine Neben- oder Zusatzqualifikation, sondern um "den Kanon elementarer Kulturtechniken, die ein Mensch beherrschen sollte". Äußerungen wie die von Kretschmann seien "nicht ungefährlich".

Auch die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) ist nicht Kretschmanns Auffassung: "Ich bin der Ansicht, dass wir vielmehr wieder ein deutliches Bekenntnis zur Rechtschreibung brauchen, gerade im medialen Zeitalter."

Philologenverband: Schulischer Umgang "zu lasch"

Der Deutsche Philologenverband hatte sich ebenfalls in die Debatte eingeschaltet. Dessen Vorsitzende, Susanne Lin-Klitzing, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland am Samstag: "Wir werden zu lasch im schulischen Umgang mit Rechtschreibung."

Die Autokorrektur reiche eben nicht, so Lin-Klitzing weiter, "weil der Computer nicht jeden Fehler ausmerzt, geschweige denn richtige Kommas setzt, um Sinnzusammenhänge und Zusammenhänge zwischen Neben- und Hauptsätzen zu verdeutlichen".

STAND
AUTOR/IN