Ärzte und Pfleger untersuchen einen Patienten auf einer Covid-19-Intensivstation. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bodo Schackow)

Vierte Welle erreicht Krankenhäuser

Pandemie der Ungeimpften? Nicht nur, sagen Intensivmediziner

STAND

Betrifft Corona mittlerweile vor allem Ungeimpfte? Intensivmediziner in Rheinland-Pfalz sehen dies nicht uneingeschränkt so. Allerdings senke Impfen das Risiko deutlich.

"Wir sehen klar, dass die Impfungen wirken", heißt es von Seiten der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Die Sterblichkeit von Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen sei im Vergleich zu den ersten beiden Wellen zurückgegangen. "Wir sehen aber auch Durchbrüche bei Geimpften, diese weisen jedoch meist ein hohes Alter oder eine Vorerkrankung auf. Gerade deshalb sind Booster-Impfungen insbesondere für diese Gruppen zu begrüßen."

Am Sonntag liegt die Zahl der Covid-Intensivpatienten bundesweit bei mehr als 3.000. Das geht aus dem Register der Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin hervor. Dessen Leiter, Christian Karagiannidis, spricht von einer nur noch eingeschränkten Betriebsfähigkeit der Kliniken. Innerhalb von zwei Wochen ist die Zahl der Covid-Intensivpatienten bundesweit um rund 1.000 gestiegen.

Dem Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz zufolge wurden in den vergangenen acht Wochen (Kalenderwochen 32-39) 81 Fälle gemeldet, in denen Menschen mit Covid-19 auf Intensivstationen behandelt werden mussten. Davon seien 89 Prozent nicht oder unvollständig geimpft gewesen und 11 Prozent vollständig geimpft.

Infektionsrisiko auch nach Impfung gegeben

Kerstin Macher, Sprecherin vom Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein in Koblenz sagt, die Zahl der Corona-Infektionen sei bei Ungeimpften höher und die Verläufe deutlich schwerer. "Dennoch muss festgestellt werden, dass das Risiko einer Infektion auch nach einer Impfung gegeben ist." Von einer "Pandemie der Ungeimpften" wolle sie daher nicht uneingeschränkt sprechen. Auch in Koblenz stiegen wieder die Covid-Fälle an. "Und eben auch die, welche aufgrund der Infektion in eine stationäre Behandlung überführt werden müssen."

Derzeit sei die Covid-Lage am Gemeinschaftsklinikum zu beherrschen, und die Fallzahl liege unter den "Hochphasen" im Jahr 2020, erklärt Macher. Mit Blick auf Pläne der Politik sagt sie: "Bei konsequenter Umsetzung der gebotenen Vorsichts- und Vorkehrungsmaßnahmen, wozu auch ganz klar die Testpflicht und die Impfungen gehören, kann ein Ende der epidemischen Lage durchaus umsetzbar sein."

Video herunterladen (9,6 MB | MP4)

Klinikdirektor: Mehrere Faktoren treiben vierte Welle

Der Ärztliche Direktor des Westpfalz-Klinikums in Kaiserslautern, Christian Mönch, sagte: "Natürlich wird die Pandemie im Wesentlichen dadurch unterhalten, dass wir noch so viele Ungeimpfte haben." Man stelle aber auch fest, dass sich Geimpfte infizieren und andere anstecken könnten. "Es ist vielmehr die Kombination aus mehreren Faktoren, die gerade die momentane Situation antreibt: Geimpfte brauchen dringend die Booster-Impfung, weil der Impfschutz allmählich nachlässt." Zusätzlich habe man immer noch zu viele Ungeimpfte in Deutschland, und die Kinder brächten das Virus von der Schule nach Hause - wo sie weitere Familienmitglieder ansteckten.

RLP

Viele Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt Fast überall in RLP gilt jetzt Corona-Warnstufe 2

In Rheinland-Pfalz rollt die vierte Welle der Corona-Pandemie. Weil immer mehr Menschen mit Covid-19 auf Intensivstationen liegen, gilt Warnstufe 2 im Land - aber nur noch bis einschließlich Dienstag.  mehr...

Am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

"Momentan ist die Situation im Westpfalz-Klinikum zwar angespannt, aber noch entfernt von dem, wie es in der letzten Welle war", sagt Mönch. In ein paar Wochen könne sich die Lage aber wieder zugespitzt haben. "Ein Ende der epidemischen Lage zu erklären, wäre daher ein großer Fehler. Es ist zu erwarten, dass diese Welle genauso schlimm sein wird wie die letzten - wenn nicht noch schlimmer. Denn so viele Infizierte in Deutschland wie jetzt hatten wir noch nie", meint er.

Hohe Impfquote verringert Zahl schwerer Verläufe

Im Brüderkrankenhaus Trier stelle man zurzeit fest, dass es sich bei intensivpflichtigen Covid-Patienten vor allem um Ungeimpfte handele. "Dabei könnte man mit einer höheren Impfquote die Zahl schwerer Covid-Verläufe verringern", sagt Tim Piepho, Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin. Im Bereich der Normalstation, auf der man weniger schwere Fälle betreue, sei die Quote der geimpften Patienten höher als auf der Intensivstation, erzählt der Professor.

Falls der Anstieg so weitergehe, bestehe die Gefahr, dass Krankenhäuser wieder an Kapazitätsgrenzen stießen und Eingriffe verschieben müssten. "Schon jetzt melden einige Krankenhäuser der Region, dass sie keine weiteren Patienten versorgen können", so Piepho. Zudem gibt er zu bedenken, dass es im Moment deutlich weniger Intensivbetten gebe als 2020 - vor allem wegen des Fachkräftemangels in der gesamten Branche.

RLP

Kliniken bereiten sich vor Booster-Impfung im Krankenhaus - Ab 22. November geht es los

Ab der Woche des 22. November steigen in Rheinland-Pfalz die ersten Krankenhäuser in die Impfung gegen das Coronavirus ein. Dabei ist die Lage regional sehr unterschiedlich.  mehr...

Rheinland-Pfalz

Entwicklung der Pandemie 2.845 Neuinfektionen in Rheinland-Pfalz, 18 weitere Todesfälle

In Rheinland-Pfalz sind am Mittwoch 2.845 Neuinfektionen mit dem Coronavirus registriert worden. Es gab 18 weitere Todesopfer im Zusammenhang mit Corona. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg wieder an.  mehr...

STAND
AUTOR/IN