Eine Krankenschwester nimmt im Impfzentrum in der Paul-Horn-Arena sechs Spritzen mit Covid-19 Impfstoff von BiontechPfizer, die aus einer einzelnen Ampulle zubereitet wurden, entgegen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Marijan Murat)

Steigende Zahlen, stagnierende Impfquote

Die Corona-Lage in RLP im Herbst 2021 - mit einem Vergleich zu 2020

STAND

Warum steigt die Zahl der Corona-Infektionen zurzeit so stark? Was ist anders als im Herbst 2020? Welche Gefahr geht von Geimpften aus und wie sieht es auf den Intensivstationen aus? Ein Überblick.

Was war vor einem Jahr?

Zeitreise in den Oktober und November 2020: Fußballspiele finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit oder mit geringem Publikum statt. Innenveranstaltungen sind fast komplett abgesagt. Open-Air-Veranstaltungen werden, auf Grund der Witterung, nicht mehr in großer Anzahl durchgeführt. Ab November tritt außerdem der "Lockdown Light" in Kraft, mit geschlossener Gastronomie und keinen Veranstaltungen. Die Schulen befinden sich im Wechselunterricht oder im Homeschooling.

Niemand in der Bevölkerung hatte bisher ein Impfangebot bekommen. In Rheinland-Pfalz steckten sich innerhalb von sieben Tagen im Durchschnitt 770 Menschen pro Tag mit dem Virus an, mehrheitlich Personen über 60.

Bessere Vorzeichen für den Winter 2021 - aber steigende Zahlen

In der Gegenwart: Durch die 2G+-Regel in Rheinland-Pfalz findet eine Annährung an ein "Leben vor der Pandemie" statt. Stadien dürfen halb oder sogar voll ausgelastet werden (2G), je nach Lage des Infektionsgeschehens sind bei Veranstaltungen und in der Gastronomie auch Personen ohne Impfschutz mit Schnelltest zugelassen. Weihnachtsmärkte können in Rheinland-Pfalz im Freien sogar ohne 3G stattfinden.

In Rheinland-Pfalz sind 71 Prozent der Bevölkerung erstgeimpft, 67 Prozent haben den vollständigen Impfschutz erhalten. Es stecken sich innerhalb von sieben Tagen im Durchschnitt 722 Menschen pro Tag mit dem Virus an. Mehrheitlich Personen zwischen 30 und 50.

Delta-Variante ist Basis für höheres Infektionsgeschehen

Die ursprünglich als "Indische Variante" bezeichnete Delta-Variante ist seit Mitte Juli 2021 die verbreitetste Variante des Coronavirus in Deutschland. Laut einer Veröffentlichung des Ärzteblattes ist sie wesentlich ansteckender als der Corona-Wildtyp: In einem PCR-Abstrich von Delta-infizierten Personen werden tausendfach mehr Virusgene nachgewiesen.

In einer Studie des Boston Children’s Hospital wurde der Grund dieser erhöhten Population ermittelt: Delta dringt in ungefähr 60 Minuten in die Zellen ein. Bei dem Wildtyp des Virus lag diese Zeitspanne noch bei mehreren Stunden.

Rheinland-Pfalz

Aktuelle Informationen Expertenrat: Impfung und Masken im Herbst wichtig

Corona-Regeln, aktuelle Zahlen und alles rund ums Impfen: Die wichtigsten Entwicklungen zum Coronavirus in Rheinland-Pfalz finden Sie hier bei uns im Liveblog.  mehr...

Für die Zahlen im Herbst 2021 ist diese Basis besonders wichtig: Eine mit der Delta-Variante infizierte, ungeimpfte Person gibt das Virus laut der Studie des Imperial College London zu 49 Prozent weiter. Bei vollständig geimpften Personen sinkt dieses Risiko auf 17 Prozent. Studien zeigen, dass geimpfte und ungeimpfte Personen hierbei ähnlich hohe Viruslasten weitergeben, aber bei geimpften Personen nur über einen sehr kurzen Zeitraum.

Wie gut wirkt die Impfung?

Forschende des Imperial College London haben im Sommer insgesamt 100.000 Proben von Studienteilnehmern untersucht. Das Ergebnis: Einer von 160 Probanden steckte sich mit dem Coronavirus an. Die Prävalenzrate lag in dieser Studie bei Ungeimpften bei 1,21 Prozent. Bei vollständig geimpften lag dieser Wert weitaus niedriger, bei 0,4 Prozent.

Die Universität Oxford beleuchtet in einer Studie die Virusweitergabe der geimpften und ungeimpften Gruppen: Eine vollständig geimpfte Person hat eine drei Mal geringere Quote, sich überhaupt mit dem Virus anzustecken (Prävalenzrate im Vergleich 1,2 zu 0,4 pro 100.000 Personen). Erfolgt trotzdem eine Infektion, schützten die Impfungen auch bei der Delta-Variante zu 80 Prozent vor einem Krankenhausaufenthalt und zu 96 Prozent vor einer Behandlung auf der Intensivstation. Mit einer Drittimpfung kann der Schutz vor einem Krankenhausaufenthalt von 80 auf 92 Prozent angehoben werden, zeigt eine Studie aus Israel.

Risikoabwägung: Warum müssen geimpfte Personen nicht getestet werden?

In der Einordnung der dargestellten Daten ergeben sich bestimmte Aspekte: Schnelltests erkennen Viruslasten im Mund-Nasen-Raum mit einer Wahrscheinlichkeit um 80 Prozent, laut der englischen Gesundheitsbehörde. Doch Schnelltests zeigen erst vier Tage nach einer Infektion ein positives Ergebnis. Ansteckend ist die betroffene Person schon ab Tag zwei. Das Zeitfenster, in der eine negativ getestete Person trotzdem ansteckend sein kann, liegt bei mindestens zwei Tagen.

Eine geimpfte Person kann zwar auch das Virus weitergeben, doch im Mund-Nasen-Raum kann sich keine größere Viruslast über einen längeren Zeitraum bilden. Bei geimpften Personen sorgt eine Virusansammlung zwar für die Möglichkeit der Virusweitergabe: Doch ein positives Schnelltestergebnis ist auf Grund der kurzen Zeitspanne der Ansteckung sehr unwahrscheinlich, da sich die Viruslast schneller wieder abbaut.

Koblenz

Bundesweit einmaliges Angebot Geimpfte Koblenzer bekommen weiter kostenlose Corona-Schnelltests

Die Stadt Koblenz bietet geimpften Menschen weiterhin kostenlose Corona-Schnelltests an. Das hat der Stadtrat beschlossen.  mehr...

Die Wahrscheinlichkeit, dass ungeimpfte, mit Schnelltest negativ getestete Personen trotzdem weitere Personen anstecken könnten, ist höher als bei geimpften oder genesenen Personen.

Hinzu kommt, dass bei 2G-Veranstaltungen die potenziellen Empfänger eines Virus ebenfalls geimpft/genesen sind und aus diesem Grund eine stark reduzierte Wahrscheinlichkeit einer Infektion haben.

Coronavirus-Varianten Reinfektion mit Omikron: wie gefährlich ist das?

Immer mehr Menschen infizieren sich ein zweites Mal mit dem Coronavirus. Warum ist das so? Wie gefährlich ist das? Und wie sehr schützt die vierte Impfung?  mehr...

Quarantäne-Regelungen

Geimpfte und genesene Personen, die Kontakt zu Infizierten haben, aber symptomfrei sind, müssen nicht in Quarantäne. Nach Empfehlung des Robert-Koch-Instituts sollen diese Personen sich selbst beobachten. Erst nach eintretenden Symptomen ist die Gefahr einer eigenen Infektion erhöht und damit auch die Möglichkeit der Virusweitergabe wahrscheinlich.

Corona an Schulen - Infektionstreiber?

In Rheinland-Pfalz werden zurzeit im Präsenzunterricht einmal pro Woche Corona-Schnelltests durchgeführt. Sollte hierbei ein positiver Fall auftreten, werden die betroffenen Lerngruppen täglich mithilfe der Schnelltests auf das Coronavirus untersucht.

Am 5. November 2021 standen 1.732 positiv getestete Schülerinnen und Schüler auf der Liste der ADD Trier, wie die Direktion am 8. November mitteilte. Die Inzidenz der unter 20-Jährigen beträgt in Rheinland-Pfalz zur Zeit 217,7 und liegt damit weit über den 20 bis 59-Jährigen mit 121,4 und den über 60-Jährigen mit 69,0 (Stand 8.11.21). Ein Grund für die geringeren Zahlen in den höheren Altersgruppen: die bessere Impfquote.

Coronalage an Schulen in Rheinland-Pfalz - infizierte Schülerinnen (Foto: SWR, Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion RLP)
Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion RLP

Im Jahr 2020 befanden sich die Schulen in einer Wechselregelung (Präsenz/Homeschooling) oder komplett im Homeschooling - und das im Infektionsgeschehen ohne Delta-Variante.

Sind die Schulen nun die Infektionstreiber in der Pandemie?

Zumindest haben sie einen Anteil an den hohen Zahlen, weshalb sich Kritik am Vorgehen der Landesregierung regt.

Bildungs- und Philologenverbände sowie die Gewerkschaften halten das Hygiene-Konzept nicht für ausreichend. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, warnte vor einem Kontrollverlust an Schulen. Ähnlich äußerte sich Schulleiter Oliver Pick aus der Eifel. In der aktuellen Lage sei der Schritt der Landesregierung nicht nachvollziehbar.

RLP

Knapp 1.800 Schüler und 150 Lehrer infiziert Zahl der Corona-Infektionen an Schulen in Rheinland-Pfalz steigt

Es werden wieder mehr Corona-Infektionen bei Schülern und Lehrern in Rheinland-Pfalz gemeldet. Hinzu kommen tausende Verdachtsfälle. Das Land verteidigt derweil die Teststrategie.  mehr...

Intensivbettenbelegung im Vergleich

Am 8. November 2021 waren deutschlandweit 2.633 Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt. Davon mussten 1.320 Personen beatmet werden. Ein Jahr zuvor, am 8. November 2020, lagen 2.905 Covid-Patienten auf Intensivstationen und deutlich mehr von ihnen mussten beatmet werden. 1.598 Personen wurden beatmet - 278 mehr als zum gleichen Zeitpunkt 2021.

In Rheinland-Pfalz werden zurzeit 94 Personen wegen einer Corona-Infektion auf der Intensivstation behandelt, 53 benötigen keine künstliche Beatmung, 41 Corona-Patienten werden auf der Intensivstation beatmet.

Kommt ein neuer Lockdown?

Die direkten Zahlenvergleiche lassen diese Frage aufkommen. Doch der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) betonte, dass auch bei weiter steigenden Infektionszahlen keine neuen Lockdown-Maßnahmen geplant seien. Für Geimpfte seien keine Einschränkungen vorgesehen. Diese beträfen nur ungeimpfte Bürgerinnen und Bürger.

Video herunterladen (9,8 MB | MP4)

Rheinland-Pfalz

Aktuelle Informationen Expertenrat: Impfung und Masken im Herbst wichtig

Corona-Regeln, aktuelle Zahlen und alles rund ums Impfen: Die wichtigsten Entwicklungen zum Coronavirus in Rheinland-Pfalz finden Sie hier bei uns im Liveblog.  mehr...

Koblenz

Nur noch ein Test pro Woche Koblenzer Eltern kritisieren neue Corona-Regeln an Schulen

Auch im Norden von Rheinland-Pfalz steigt die Zahl der mit Corona infizierten Schüler. Koblenzer Eltern haben deshalb kein Verständnis für die neuen, lascheren Regeln an Schulen.  mehr...

Mainz

Zahl der Corona-Tests steigt stark an Große Nachfrage nach Corona-PCR-Tests in Mainz und Ingelheim

Immer mehr Menschen in der Region lassen einen Corona-PCR-Test machen. In den Mainzer Testzentren von Covimedical habe sich die Zahl sogar verdoppelt.
 mehr...

STAND
AUTOR/IN