Viele Menchen mit OP-Masken. Thema: Immer mehr Gesundheitsämter in RLP schaffen die Kontaktverfolgung nicht mehr (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa Bildfunk, picture alliance / Zoonar | Robert Kneschke)

Gesundheitsämter landesweit überlastet

Corona-Infizierte sollen Kontakte selbst informieren

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Angesichts der Masse von Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Rheinland-Pfalz schaffen die Gesundheitsämter die Kontaktnachverfolgung nicht mehr. Vielerorts sollen Infizierte selbst ihre Kontakte informieren.

In der Pfalz haben die ersten Gesundheitsämter die Reißleine gezogen und fordern Corona-Infizierte auf, selbst ihre Kontaktpersonen aus den vergangenen zwei Tagen nach dem positiven Test zu benachrichtigen. Dies gilt für die Städte Landau, Pirmasens und Zweibrücken sowie die Landkreise Südwestpfalz und Südliche Weinstraße.

Anders ist die Situation bei einem Corona-Fall in einer Schule oder Kita. Dann ist weiterhin das Gesundheitsamt für die Kontaktverfolgung zuständig.

Gesundheitsämter in Rheinhessen rufen zur Mitarbeit auf

Auch in Rheinhessen und der Nahe-Region ist die Arbeit teilweise nicht mehr zu bewältigen. "Wir benötigen jetzt die Mitarbeit der Bevölkerung, um vor allem die vulnerablen Gruppen zu schützen", appelliert die Leiterin des Gesundheitsamtes im Landkreis Alzey-Worms, Berit Kohlhase-Griebel, an Corona-Infizierte. Diese sollten selbst ihre engen Kontaktpersonen informieren und die Quarantäne-Regeln einhalten.

"Wir benötigen jetzt die Mitarbeit der Bevölkerung, um vor allem die vulnerablen Gruppen zu schützen."

Für genesene oder vollständig geimpfte Kontaktpersonen, die über einen entsprechenden Nachweis verfügen, gilt laut Gesundheitsamt keine Quarantänepflicht, solange sie keine Symptome haben. Sie sollten aber Kontakte für die nächsten 14 Tage so weit wie möglich vermeiden und sich beim Auftreten von Symptomen an ihren Hausarzt wenden.

Auch das Gesundheitsamt Mainz-Bingen geht nach eigener Auskunft dazu über, positiv Getestete mit dem Benachrichtigen ihrer Kontaktpersonen zu beauftragen.

Lage in der Eifel ähnlich prekär

In der Eifel versuchen die Gesundheitsämter noch selbst, die Kontaktverfolgung zu erledigen, sind aber zunehmend überlastet. In der Kreisverwaltung in Daun hieß es, man gerate an die Grenzen des Machbaren. Ähnlich sieht es im Kreis Bernkastel-Wittlich aus: Bei weiter steigenden Infektionsfällen könne eine Kontaktverfolgung nicht mehr lückenlos betrieben werden, so eine Sprecherin.

Einige Gesundheitsämter versuchen, mehr Personal einzustellen, um eine Kontaktnachverfolgung weiter zu gewährleisten. Der Kreis Mayen Koblenz will nun Werkstudenten einstellen. Zudem verstärken dort Mitarbeiter aus der Verwaltung das Gesundheitsamt. "Dennoch sind wir nicht so aufgestellt wie in den vergangenen Wellen. Aber wir kommen klar“, sagte ein Sprecher.

Personalmangel auch in Westerwald und Hunsrück

Ähnliches gilt auch für den Westerwaldkreis. Dort arbeiteteten die Mitarbeiter seit 1,5 Jahren an der Belastungsgrenze, hieß es. Aus dem Kreis Altenkirchen verlautete, der Markt an geeigneten Kräften sei leergefegt.

Von einer extrem angespannten Situation berichtet auch eine Sprecherin des Rhein-Hunsrück-Kreises. "In der vergangenen Corona-Welle hatten wir dankenswerterweise die Unterstützung der Bundeswehr. Diese steht uns aktuell nicht mehr zur Verfügung", sagte sie.

Rhein und Mosel: Vulnerable Gruppen und Familienumfeld im Fokus

Im Kreis Neuwied am Rhein ist indessen eine umfassende Kontaktnachverfolgung nicht mehr möglich, teilte ein Sprecher mit. "Da wir keinen Lockdown mehr haben, haben die Menschen einfach viel zu viele Kontakte. Daher konzentriert sich unser Gesundheitsamt darauf, die "vulnerablen“ Gruppen zu schützen, also vor allem die Alten, aber auch die Kinder, die sich noch nicht impfen lassen können."

Auch im Gesundheitsamt Trier haben die Mitarbeiter Probleme, die Menge an Fällen abzuarbeiten. Deshalb konzentriere man sich bei der Nachverfolgung auf das familiäre Umfeld, so ein Sprecher.

Pirmasens/Zweibrücken

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