In Corona-Zeiten ist digitaler Unrterricht eine Option (Foto: dpa Bildfunk, Andreas Arnold (picture-alliance/dpa))

Ferien in Corona-Zeiten

Einige Schüler und Lehrer müssen Weihnachten ohne Verwandte feiern

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Das Coronavirus hat ganz Rheinland-Pfalz fest im Griff. Auch an den Schulen sind die Infektionszahlen vor Beginn des neuen Shutdowns fast kontinuierlich gestiegen. Hätte man das durch ein früheres Eingreifen verhindern können?

Mitte August, kurz nach dem Ende der Sommerferien, waren die Infektionszahlen in Rheinland-Pfalz an den Schulen noch niedrig. Weniger als 100 Schülerinnen und Schüler und so gut wie keine Lehrkräfte waren nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Das änderte sich aber mit dem Ende der Herbstferien drastisch.

Wie aus einer Statistik der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier hervorgeht, gab es vor allem im November einen exponentiellen Anstieg der Infiziertenzahlen. Auch viele Schüler und Lehrer müssen daher Weihnachten zu Hause in Quarantäne verbringen und dürfen weder Verwandte besuchen, noch Besuch empfangen - trotz der vorübergehenden Lockerungen an den Feiertagen.

Hohe Infektionszahlen Mitte bis Ende November

Rasant war der Anstieg vor allem nach dem Ende der Herbstferien. Der bisherige Höhepunkt wurde am 22. November erreicht. Insgesamt 1.431 Personen an den Schulen insgesamt, davon 1.279 Schülererinnen und Schüler sowie 152 Lehrkräfte, waren mit Corona infiziert. Schaut man sich die Verdachtsfälle an, lagen die Zahlen an diesem Tag noch deutlich höher: Schüler (12.397), Lehrkräfte (861). Die Gesamtzahl betrug 13.258. Diese Zahlen ergeben sich aus einer Tabelle, die der ADD-Statistik angehängt ist.

Entwicklung wieder leicht rückläufig

Dennoch hielt die Politik grundsätzlich lange am Präsenz-Unterricht fest. Das Bildungsministerium ordnete aber eine Erweiterung der Maskenpflicht an. Schüler und Schülerinnen an weiterführenden Schulen mussten seit 3. Dezember auch am Sitzplatz Masken tragen. Mit der neuen Corona-Verordnung vom 14. Dezember gilt die Maskenpflicht sogar für Grundschüler ab der 1. Klasse. Zudem wurde die Präsenzpflicht aufgehoben, unter Wahrung einer Notbetreuung für berufstätige Eltern, die keine andere Betreuungsmöglichkeit für ihre Kinder finden.

Anfang Dezember gingen die Infektionszahlen vorübergehend zurück, um dann aber wieder deutlich anzusteigen. Aktuell (Stand: 17.12.2020) sind 1.013 Schülerinnen und Schüler sowie 162 Lehrkräfte nachweislich infiziert an 480 betroffenen Schulen. Die Gesamtzahl der Verdachtsfälle liegt bei 10.776, davon 722 Lehrkräfte und 10.054 Schülerinnen und Schüler. Vier Schulen sind laut ADD komplett geschlossen, darunter eine Grundschule und drei Förderschulen. 203 Schulen befinden sich nach Angaben der Behörde in Teilschließung, das heißt einige Klassen stehen ganz oder teilweise unter Quarantäne.

Hätte Corona besser eingedämmt werden können?

Gewerkschaften, Lehrerverbände sowie Eltern- und Schülervertreter werfen Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) schon seit längerem vor, die Schulen zu lange offen gehalten und nicht frühzeitig auf Wechselunterricht oder gar Fernunterricht gesetzt zu haben. Kritisiert wurde in diesem Zusammenhang auch immer wieder die mangelhafte digitale Ausrüstung von Schülern und Lehrkräften.

Gerhard Bold, VBE-Landesvorsitzender Rheinland Pfalz (Foto: dpa Bildfunk, Andreas Arnold (picture-alliance/dpa))
Gerhard Bold, VBE-Landesvorsitzender Rheinland Pfalz Andreas Arnold (picture-alliance/dpa)

Der Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Gerhard Bold, kommentierte den nunmehr erfolgten Lockdown auch an den Schulen als deutlich zu spät. Am 15. Dezember habe er einen offenen Brief an Bildungsministerin Hubig geschrieben, erst danach habe die Politik eingelenkt. Er warf der Landesregierung auch vor, dass die Lehrer ihre Materialien zur Vorbereitung auf den Fernunterricht mit in die Schule bringen müssten, anstatt von zu Hause im Homeoffice arbeiten zu können. Dabei gebe es an den Schulen gar nicht genügend geeignete Arbeitsplätze.

Bold forderte erneut die Ausrüstung der Schulen und Schüler*innen mit digitalen Endgeräten, für FFP2-Masken in ausreichender Zahl zu sorgen und auch die Lehrkräfte beim Impfschutz zur priorisieren, wenn ein Impfstoff bald auch von der EU zugelassen wird.

Ministerin Hubig hatte immer wieder betont, dass Schulen aus ihrer Sicht keine Treiber des Infektionsgeschehens seien und erst nach den Bund-Länder-Gesprächen in der vergangenen Woche einer weitgehenden Schließung zugestimmt.

GEW fordert mehr Eigenverantwortung der Schulen nach Weihnachten

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Rheinland-Pfalz fordert mehr Eigenverantwortung der Schulen bei der Entscheidung, ob sie nach den Weihnachtsferien im Wechsel- oder Fernunterricht weitermachen. Der Landesvorsitzende Klaus-Peter Hammer sagte, das hänge auch von den jeweiligen Klassengrößen, der Personalstärke und dem Betreuungsbedarf ab. Um die Situation an den Integrierten Gesamtschulen und Gymnasien zu entschärfen, wäre eine Woche Fernunterricht nach den Weihnachtsferien für die Jahrgänge 5 bis 12 sinnvoll. Das Abitur müsse auf jeden Fall regulär durchgeführt werden. Dies ist allerdings laut der neuen Corona-Verordnung auch so vorgesehen.

Klaus-Peter Hammer, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) (Foto: SWR)
Klaus-Peter Hammer, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)

"Wir fordern das Bildungsministerium auf, sehr schnell darüber zu informieren, welche Szenarien nach den Weihnachtsferien umgesetzt werden können, damit für die Kolleginnen und Kollegen sowie die Schulleitungen Klarheit besteht, wie es nach dem Jahreswechsel weitergeht," sagte Hammer. Einer Verlängerung der Weihnachtsferien als isolierte Maßnahme erteilte die Gewerkschaft eine Absage. Diese wäre nur sinnvoll bei gleichzeitigen gesamtgesellschaftlichen Maßnahmen, etwa einer Verlängerung des Lockdowns.

Landselternsprecher sieht Wechselunterricht skeptisch

Der rheinland-pfälzische Landeselternsprecher Reiner Schladweiler hält vom Wechselunterricht nur eingeschränkt etwas. Viele Schüler hätten nicht die erforderliche digitale Ausrüstung zu Hause, gleiches gelte für die Schulen. Daher müsse es in der Regel Präsenzunterricht geben. Schladweiler bemängelte bereits im November im SWR, dass für die Schulen keine Raumluft-Filtergeräte oder Trennwände zwischen den Sitzplätzen der Schüler angeschafft worden seien. Zudem sprach er sich damals gegen verlängerte Weihnachtsferien aus. Diese würden für viele Eltern Betreuungsprobleme mit sich bringen.

Auch die Landesschülervertretung sieht die Politik in der Pflicht

Auch die Landesschüler*innenvertretung Rheinland-Pfalz (LSVRLP) sieht die Entscheidungen des Bildungsministeriums überwiegend kritisch. Vorstandsmitglied und Pressesprecher Eric Grabowski sagte auf Anfrage, nach den Sommerferien habe es die Landesregierung verpasst, die Digitalisierung der Schulen voranzubringen. Die versprochenen Laptops seien bei vielen Schülern gar nicht angekommen - und wenn nur vereinzelt. "An einigen Schulen kamen gerade einmal Laptoptaschen an und meistens nicht einmal vollständig", so Grabowski.

Zudem hätte es flächendeckend zumindest Wechselunterricht geben müssen, um überfüllte Klassenzimmer und Schulbusse zu vermeiden. Das hätte das Infektionsgeschehen eindämmen können. Einen "Normalbetrieb" in den Schulen sollte es nach Grabowskis Vorstellungen erst geben, wenn die Inzidenz-Zahlen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen wieder auf 50 gesunken seien. Dies hatte auch das Robert-Koch-Institut empfohlen.

Er könne sich vorstelle, so Grabowski, dass Lernmaterial im Notfall auch vor Ort in den Schulen abgeholt werden könne, um dann zu Hause zu arbeiten. Zudem müsse es in den Schulen eine Notbetreuung geben für die Kinder und Jugendlichen, die keine Möglichkeit hätten, zu Hause zu arbeiten oder für die die Schulen ein Ort des Rückzugs seien.

Weihnachtsferien für viele ganz anders

Jetzt beginnen erst einmal die Weihnachtsferien. Die meisten Schüler können sich auf ein Zusammensein im engeren Familienkreis freuen - einige sind aber auch in Quarantäne und können derzeit keinen Besuch empfangen. Für sie ist Weihnachten eher traurig.

Aber damit stehen sie nicht allein. Alle gesellschaftlichen Gruppen sind von der Corona-Pandemie betroffen - und in vielen Fällen meist deutlich stärker als Schüler und Lehrer.

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