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Bisher hieß es, Kinder und Jugendliche erkranken weniger schwer und häufig an einer Coronainfektion als Erwachsene. Allerdings steigen die Infektionsraten und es gibt Berichte über Komplikationen. Sollen also auch Kinder schnellstmöglich eine Corona-Impfung erhalten?

Inzwischen haben mehr als 27 Millionen Menschen (Stand: 10.5.) in Deutschland ihre erste Impfung erhalten. Doch Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sind bislang außen vor. Denn für sie sind die Impfstoffe noch nicht zugelassen.

Das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech lässt gerade von der EU-Arzneimittelbehörde prüfen, ob auch Kinder ab zwölf Jahren geimpft werden können. Unternehmenschef Ugur Sahin rechnet damit, dass sein Corona-Impfstoff bald dafür zugelassen wird. "Wir glauben, dass es jetzt schnell gehen kann", sagte der Biontech-Chef. In Kanada haben die Corona-Impfungen für Kinder ab zwölf Jahren mit dem Vakzin bereits begonnen und in den USA geht es nun auch los. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rechnet mit einer "zügigen Zulassung". Das Mainzer Unternehmen Biontech und der US-Konzern Pfizer testen inzwischen das Vakzin auch bei Kindern ab dem sechsten Lebensmonat bis zum elften Lebensjahr.

Inzidenzen bei Kindern in Rheinland-Pfalz immer noch sehr hoch

Wie sehr Kinder und Jugendliche von Covid-19 betroffen sind, scheint aber immer noch eine Streitfrage zu sein. Allerdings ist der Anteil infizierter Kinder und Jugendlicher rasant angestiegen - die Inzidenz liegt in der Altersgruppe der 5- bis 14-Jährigen teils doppelt so hoch wie der der Gesamtbevölkerung. Und auch wenn die Symptome meistens mild bleiben, kann es zu Langzeitfolgen kommen und manchmal sogar zu einer besonders gefährlichen Folgeerkrankung, dem PIMS-Syndrom.

Kinderärzteverband erfreut über Impfung

Sollten Kinder also schnellstmöglich auch eine Corona-Impfung erhalten? Viele Eltern sind verunsichert. Das bestätigt auch Christian Neumann, Kinder- und Jugendarzt aus Zweibrücken und Sprecher des Landesverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Sie würden sich jedenfalls sehr über die Zulassung des Biontech-Impfstoffes für Kinder freuen. "Damit die Kinder und Jugendlichen endlich wieder ihr normales Leben zurückbekommen." Ein Impfstoff wäre "ein Segen" für die Kinder, die besonders von den Kontaktbeschränkungen betroffen seien, so Neumann.

Impfen in den Sommerferien?

Zuerst müssten die Kinder mit chronischen Vorerkrankungen geimpft werden. Sollte die Impf-Priorisierung - wie vom Gesundheitsminister angekündigt - aber im Juni wegfallen, meint Kinderarzt Neumann, dass zügig alle Kinder ab zwölf Jahren eine Spritze bekommen sollten, damit bald eine Herdenimmunität erreicht werden könne. "Dann fahren wir eben im Sommer nicht in den Urlaub, sondern impfen ganze Schulklassen", sagt Neumann.

Ethikrat mahnt zur Vorsicht

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Alena Buyx, hält es dagegen für falsch, bei der Impfung der Kinder mit dem Ziel einer schnelleren Herdenimmunität der gesamten Bevölkerung zu werben. Sie wandte sich entschieden dagegen, Kinder und Familien zu einer Corona-Impfung zu drängen. Eltern müssten gemeinsam mit ihren Kindern frei und individuell entscheiden können.

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Stiko-Mitglied Zepp will Impf-Empfehlung sorgfältig prüfen

Wird ein Impfstoff für Kinder zugelassen, ist es die Ständige Impfkomission (Stiko), die entscheidet, ob sie auch empfiehlt, dass Kinder geimpft werden. Professor Fred Zepp ist Mitglied der Stiko und ehemaliger Leiter der Mainzer Kinderklinik. Er sagt, der Impfstoff für Kinder sei erwünscht. Vor allem für die Kinder mit Lungen-Krankheiten oder Störungen des Herz-Kreislauf-Systems. Doch müsse man sorgfältig prüfen, ob auch gesunde Kinder von der Impfung profitierten und nicht unnötig mögliche Risiken eingingen.

Für Kinderarzt Neumann klingt das widersprüchlich. Auch andere von der Stiko empfohlene Impfungen dienten dem Zweck der Herdenimmunität, beziehungsweise dem Schutz anderer. Er schaut derweil gespannt auf Kanada und die USA, wo die Impfungen an Kindern bereits anlaufen, und hofft auf weitere Daten. Doch er ist sich sicher: Wenn der Impfstoff in Deutschland zugelassen ist, "rennen mir die Eltern die Praxis ein".

"Der mRNA-Impstoff ist sicher."

Neumann hat in seiner Praxis bereits knapp 40 Jugendliche ab 16 Jahren gemäß der Priorisierung geimpft. "Sie alle haben den Impfstoff sehr gut vertragen, es gab keine Nebenwirkungen nach der ersten Impfung." Er hält die Angst vor Langzeitfolgen durch das Vakzin für unbegründet und warnt vor obskuren Theorien aus dem Internet zu Folgen für das Wachstum oder der Fruchtbarkeit der Kinder. "Der Impfstoff greift nicht in die DNA ein", so Neumann. Der sogenannte mRNA-Impfstoff sei ein sicherer Impfstoff.

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