Eine Spritze wird für eine Impfung gegen das Coronavirus vorbereitet. Der Präsident des Kinder- und Jugendärzteverbands spricht sich für eine Impfpflicht für Beschäftigte in Schulen, Kitas, in der Pflege und in Kliniken aus. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Mohssen Assanimoghaddam)

Lehrkräfte, Kita-Personal und Pflegekräfte

Impfpflicht für bestimmte Berufe? RLP-Verbände wollen lieber Freiwilligkeit

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Der Präsident des Kinder- und Jugendärzteverbands hat erneut eine Impfpflicht für Beschäftigte in Schulen, Kitas, in der Pflege und in Kliniken ins Gespräch gebracht - in deutlichen Worten. In Rheinland-Pfalz stößt diese Forderung auf wenig Verständnis.

"Wenn viele Beschäftigte in Kitas, Schulen und Kliniken Impfungen weiter verweigern, sollte der Gesetzgeber ernsthaft über eine Impfpflicht in diesen sensiblen Bereichen nachdenken", sagte Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

"Wer mit vulnerablen Gruppen zu tun hat und die eigene Immunisierung ablehnt, hat seinen Verstand ausgeschaltet."

Ähnlich, wenn auch in weniger deutlichen Worten, sieht es Christian Neumann, Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte in Rheinland-Pfalz: "Kinder sind in den vergangenen Monaten gezwungenermaßen ihrer Verantwortung nachgekommen, etwa ihre Großeltern zu schützen. Nun sind die Erwachsenen dran. Das ist keine Einbahnstraße."

Schwere Covid-19-Verläufe bei Kindern seien selten, aber die Folgen von Long Covid bei Kindern könnten von der Wissenschaft noch nicht eingeschätzt werden. "Alle, die regelmäßig Kontakt zu Kindern und Jugendlichen haben, sollten sich ihrer Verantwortung ihnen gegenüber bewusst sein", sagte Neumann.

GEW: Freiwilligkeit sollte weiterhin für alle gelten

In Rheinland-Pfalz stößt diese Forderung auf Verständnis in der Sache - aber nicht in der Form: "Ich verstehe das große Interesse daran, dass möglichst alle Erwachsenen sich impfen lassen", sagt Klaus-Peter Hammer, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Rheinland-Pfalz.

Er hält es jedoch für falsch, bestimmte Berufsgruppen zur Corona-Impfung zu verpflichten: "Solange es keinen Impfzwang gibt in Deutschland, sollte das auch für alle gelten", sagte Hammer. Stattdessen sollten weiterhin niedrigschwellige Impfangebote für alle Menschen gemacht werden.

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Philologenverband: Die meisten Lehrkräfte sind bereits geimpft

Cornelia Schwartz, Vorsitzende des Philologenverbands Rheinland-Pfalz, hält eine solche Impfpflicht nicht für zielführend: "Ganz viele Lehrkräfte haben sich impfen lassen", sagte sie. Die Rückmeldung aus den Kollegien sei, dass mindestens 90, wenn nicht sogar 95 Prozent der Lehrkräfte dort geimpft seien. Der Philologenverband vertritt die Interessen der Gymnasiallehrerinnen und -lehrer.

Ähnlich sieht es Sylvia Bühler, im Vorstand der Gewerkschaft Verdi zuständig für das Gesundheitswesen: Die meisten Beschäftigten im Gesundheitswesen hätten sich impfen lassen, sagt sie. Die Stimmung sei bei vielen in diesen Berufen bereits angespannt:

"Eine Impfpflicht für diese speziellen Berufsgruppen könnte für manche der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt und sie aus ihrem gesellschaftlich so relevanten Berufe treibt. Das sollte ernsthaft niemand wollen."

Dreyer: Impfpflicht nicht vermittelbar

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hat sich ebenfalls erneut klar gegen eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen ausgesprochen. Es sei der Öffentlichkeit nicht zu vermitteln, eine Pflicht erst auszuschließen und sie dann trotzdem einzuführen, sagte sie.

Die Landesregierung setze daher weiter darauf, dass sich noch mehr Menschen freiwillig für eine Impfung entscheiden. Dabei komme das Land "Stück für Stück voran". Mittlerweile hätten 80 Prozent der über 18-Jährigen mindestens eine Corona-Schutzimpfung erhalten. Die vom Land koordinierten Impfbusse seien weiter stark nachgefragt.

Bundesregierung weiterhin gegen Impfpflicht

Die Bundesregierung hat eine Impfpflicht wiederholt ausgeschlossen. Nach einer kürzlich in Kraft getretenen Gesetzesänderung dürfen Beschäftigte in Kitas, Schulen und Pflegeheimen für die Zeit der Corona-Krise vom Arbeitgeber gefragt werden, ob sie geimpft sind. Durch diese Informationen sollen Arbeitgeber den Personaleinsatz genauer planen und eventuelle Schutzvorkehrungen treffen können.

Bald drei Viertel der Erwachsenen durchgeimpft

Bei den Corona-Impfungen in Deutschland sind nun fast drei Viertel der Erwachsenen und ein Drittel der Kinder zwischen 12 und 17 Jahren vollständig geimpft. Die dafür meist nötige zweite Spritze haben nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) von Dienstag inzwischen 74,7 Prozent aller Menschen ab 18 Jahren bekommen - und 33,2 Prozent derjenigen von 12 bis 17 Jahren. Mindestens eine erste Impfung haben 78,6 Prozent der Erwachsenen und 41 Prozent der 12- bis 17-Jährigen erhalten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach von einer "guten Quote". Jede weitere Impfung gebe allen mehr Sicherheit für Herbst und Winter, schrieb er auf Twitter.

Knapp 75 % der Erwachsenen und ein Drittel der 12-17-Jährigen haben den vollen Impfschutz. Mind. eine Dosis haben 78,6% der Erwachsenen und 41% der 12-17-Jährigen erhalten. Das ist eine gute Quote. Und jede weitere Impfung gibt uns allen mehr Sicherheit für Herbst und Winter.

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SWR