STAND

"Nicht das Coronavirus ist schuld, sondern die gewalttätige Person" - das versucht der Frauennotruf Mainz gerade in Zeiten von Corona klar zu machen. Familienministerin Spiegel hat eine Erweiterung des Hilfsangebotes für häusliche Gewalt angekündigt.

"Mehr häusliche Gewalt wegen Corona!" - eine Schlagzeile, die zurzeit auch durch Rheinland-Pfalz wandert. Der Titel verschleiere nicht nur die wahren Verantwortlichen - nämlich die gewalttätigen Männer - sondern auch die Beziehung, in der die Gewalt stattfinde, erklärt Anette Diehl, Sprecherin des Frauennotrufs Mainz.

Laut Diehl leben Frauen nicht nur in Corona-Zeiten gefährlich. Sexualisierte Gewalt geschehe überall, in allen engen sozialen Beziehungen: den Sportvereinen, kirchlichen Gruppen, am Arbeitsplatz - und eben in großem Maße im eigenen Zuhause.

Wichtig sei, dass potentiell gewalttätigen Männern und Jungen verdeutlicht werde: "Es gibt keine Entschuldigung für sexualisierte Übergriffe und Gewalt", so Diehl. "Nicht das Coronavirus ist schuld, sondern die gewalttätige Person ist verantwortlich für das eigene Handeln!"

Onlineberatung in Zeiten von Corona sichergestellt

Der Frauennotruf wisse, dass aktuelle Maßnahmen wie Isolation und Social Distancing zu einem steigenden Gewaltrisiko und auch wiederkehrenden Erinnerungen von Gewalterfahrungen führen.

Deswegen sei es von hoher Bedeutung, aktiv zu werden und über diese Ängste zu sprechen. In Zeiten der Corona-Krise stehe der Frauennotruf Mainz zum Beispiel über eine anonyme und kostenfreie Onlineberatung zur Verfügung. Diese könne sicher von zu Hause aus genutzt werden.

Spiegel will Hilfsangbot erweitern

Das Familienministerium sei sich bewusst, dass das Hilfeangebot für häusliche Gewalt ausgebaut werden muss. Betroffenen fehle zu Zeiten von Corona der Rückzugsort. Die vorhandenen Frauenhäuser in Rheinland-Pfalz seien ausgelastet.

Damit in der jetzigen Lage die nötige Vorsorge getroffen werden könne, habe die Frauenministerin Anne Spiegel (Grüne) entschieden, eine Notunterbringung für die betroffenen Frauen und ihre Kinder bis Ende Juni 2020 zu schaffen. "Dafür wurde eine geeignete Unterbringungsmöglichkeit gefunden. Dort können insgesamt 35 Frauen mit ihren Kindern während der Zeit der Corona-Krise Schutz und Zuflucht finden", erklärt Spiegel.

Unbürokratische und schnelle Lösung nötig

Es brauche eine unbürokratische und schnelle Lösung, um Frauen und ihren Kindern, die akut von Gewalt betroffen sind, Schutz und Zuflucht anzubieten.

Einzelne Frauenhausmitarbeiter der landesweit 17 bestehenden Frauenhäuser haben zudem angeboten, eine eins zu eins Beratung der betroffenen Frauen per Telefon durchzuführen, heißt es weiter aus dem Ministerium. Es sei sehr wichtig, dass die Frauenhäuser in Rheinland-Pfalz eng eingebunden werden. "Denn ohne ihre Expertise und Unterstützung kann dieses Projekt nicht das leisten, was angeboten werden soll", erklärt die Familienministerin.

Laut Minsterium werden zu den bestehenden Frauenunterstützungseinrichtungen kurzfristig zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt, um den Beratungsarbeiten auch weiterhin nachkommen zu können.

Audio herunterladen (4,6 MB | MP3)

Zivilcourage in der Corona-Krise Häusliche Gewalt: Wie man Betroffenen helfen kann

Gemeinsam auf engstem Raum, keine Routine und kein soziales Netz - das kann in der Corona-Krise zur großen Belastung werden. Experten befürchten einen Anstieg von Gewalt und psychischen Belastungen.  mehr...

Der Vormittag SWR1 Rheinland-Pfalz

Kontaktverbot vergleichbar Weihnachtstagen Weißer Ring rechnet mit zunehmender häuslicher Gewalt

Der Opferhilfeverein Weißer Ring befürchtet während der Corona-Krise zunehmende Fälle häuslicher Gewalt und ruft zu Achtsamkeit auf. Die Situation sei vergleichbar mit Festtagen wie Weihnachten.  mehr...

STAND
AUTOR/IN