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Schnell noch den Eimer Wandfarbe fürs Kinderzimmer oder den Spaten für den Garten besorgt: In Zeiten von Corona stürmen viele Menschen die Baumärkte, weil sie die Zeit zuhause zum Renovieren oder Werkeln nutzen wollen. Die Märkte stehen dabei vor besonderen Herausforderungen.

In den meisten Bundesländern dürfen Baumärkte auch weiterhin für Privatkunden öffnen - so auch in Rheinland-Pfalz. Sie gelten als "systemrelevant", weil sie den Grundbedarf decken.

So kaufen Kunden beispielsweise dringend benötigte Reparaturartikel für den Sanitärbereich, heißt es vom Branchenverband der Baumärkte, dem Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten e.V. (BHB). Doch auch Produkte rund um die Gartenbewirtschaftung sind demnach derzeit sehr gefragt. Manche Kunden decken sich für die Selbstversorgung mit Saatgut und Anzuchtpflanzen ein oder kaufen Brennstoffe wie Gas, Kohle und Holz auf Vorrat. Auch Outdoor-Spielzeug für Kinder - angesichts geschlossener Spielplätze - ist beliebt. Der Corona-Krise geschuldet sei zudem die starke Nachfrage nach Plexiglas und Folien als Abtrennung an Kassenzonen, nach Flatterbändern, Reinigungsmitteln sowie Handschuhen und Schutzkleidung.

Heimwerken als Beschäftigungstherapie

Doch die Baumärkte decken nicht nur den Grundbedarf, sondern erfüllen für viele Kunden angesichts des weitgehend stillgelegten öffentlichen Lebens noch eine weitere Funktion: Sie setzen der kollektiven Langeweile etwas entgegen. Wohnzimmerwände streichen, den Dachboden ausbauen oder das Blumenbeet umgraben - man hat ja nun Zeit. Dazu kommt: Wer sich bewegt und etwas tut, verscheucht womöglich sorgenvolle Gedanken.

Deshalb gibt es auf die Baumärkte derzeit einen regelrechten Kundenansturm. Beim Baumarkt-Riesen Hornbach mit Sitz im pfälzischen Bornbach beispielsweise ist die Nachfrage "deutlich über sonst üblichem Niveau", sagt Sprecher Florian Preuß auf SWR-Nachfrage. Das stelle die Märkte zum Teil vor erhebliche Herausforderungen.

Online-Geschäft boomt

Zum einen müssen trotz Kundenansturm die Abstandsregeln eingehalten werden. Deshalb darf je nach Marktgröße nur eine bestimmte Anzahl Menschen zeitgleich in den Markt. Bei großen Hornbach-Filialen wie etwa in Mainz-Bretzenheim seien das etwa 100 Personen, so Preuß. Gerade Rheinland-Pfalz habe aber auch einige kleine Märkte, die noch aus der Gründungsphase des Unternehmens stammten. So dürfen in die Filiale in Mosbach demnach etwa nur 50 Personen gleichzeitig, in Bad Bergzabern noch weniger. Besonders an Samstagen bildeten sich deshalb immer wieder Schlangen.

Außerdem stehen die Baumärkte vor immensen logistischen Herausforderungen. Denn das Online-Geschäft boomt - trotz teilweise längerer Lieferzeiten. Viele Kunden nutzen zudem die Möglichkeit, die Ware online zu reservieren und dann vor Ort abzuholen. Um die große Anzahl von Online-Aufträgen abzuwickeln, beschäftigt etwa Hornbach deutlich mehr Mitarbeiter in der Logistik. Da Baumärkte in Bundesländern wie Bayern, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern keine Privatkunden mehr zulassen, würden dort Ressourcen frei. Auch in einigen europäischen Ländern wie in Österreich, der Schweiz, Tschechien und in der Slowakei sind Baumärkte für Privatkunden geschlossen.

Umsatzverluste trotz Kundenansturm

"Diese verschiedenen Regelungen und Verfügungen in den Ländern sind eine irre Herausforderung", so Hornbach-Sprecher Florian Preuß. Hier müssten jeweils individuelle Lösungen gefunden werden.

Die zum Teil restriktiven Maßnahmen in den einzelnen Bundesländern aber auch europaweit sind auch der Grund, warum die Baumarkt-Branche trotz der hohen Nachfrage nicht vom Corona-Ausnahmezustand profitieren dürfte. "Über ein Drittel der rund 4.200 Bau- und Gartenfachmärkte, die der Verband vertritt, sind geschlossen", sagt BHB-Hauptgeschäftsführer Peter Wüst auf SWR-Nachfrage. "Die Kosten für die oft filialisierten Unternehmen laufen weiter und sind - der Größe der Betriebsflächen geschuldet - sehr hoch." Auch wenn das Online-Geschäft boome: Noch gebe es nicht die Strukturen, die die Umsatzverluste an den Standorten ausgleichen könnten.

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