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Die Corona-Pandemie stellt Arbeitgeber und -nehmer vor neue Herausforderungen. Dass bereits genehmigte Urlaube verschoben oder abgesagt werden müssen, kommt nicht selten vor. Welche Rechte haben Arbeitnehmer in Corona-Zeiten?

Beim Blick auf ihren Wandkalender mit der Urlaubsplanung für dieses Jahr muss Christine Werner tief durchatmen. Im Rechnungswesen beim Kreditversicherer Coface errechnet sie Bilanzen. Die Kalkulation ihrer Ferien in Zeiten von Corona war fast genauso schwierig. Wie bei Millionen anderer Arbeitnehmer hat das Virus auch bei Christine Werner aus Mainz die Ferienplanung komplett durcheinandergewirbelt. "Dabei hatten wir schon Anfang 2020 alles gebucht", erinnert sich die 39-Jährige. "Dann kam aber Corona. Es gab keine planbare Urlaubszeit und damit auch keine planbare Arbeitszeit im Unternehmen. Eigentlich waren wir in den letzten Wochen im Last-Minute-Modus. Immer wieder haben wir den Urlaub verschoben und dann doch gestrichen." 

Normalerweise wäre Christine Werner mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern jetzt in Südspanien. Inzwischen hat sie die Reise aber storniert. Stattdessen geht es jetzt in rund drei Wochen nach Griechenland. Dabei war ihr erster Urlaubsantrag für Andalusien vom Arbeitgeber längst genehmigt worden. Dennoch konnte sie ihre Ferien nochmal umlegen. 

Kurzfristige Wünsche kein Einzelfall

Für Personalchef Holger Beckmann ist Christine Werner kein Einzelfall. Corona hat auch ihn vor ganz neue Herausforderungen gestellt. Beckmann schätzt, dass jeder fünfte Mitarbeiter im Unternehmen die Urlaubspläne kurzfristig ändern musste oder wollte – auch aus familiären Gründen, etwa um sich in der Corona-Krise um Angehörige zu kümmern.

SWRAxel John (Foto: SWR)
Alle Mitarbeiter in ihrer Urlaubsplanung zufrieden zu stellen, ist für Personalchef Holger Beckmann schwierig.

Einige Wünsche habe man aus betriebsbedingten Gründen nicht erfüllen können. Das seien aber Ausnahmen gewesen, erklärt Holger Beckmann. "Wir versuchen, die Bedürfnisse beider Seiten aufeinander abzustimmen. Wir wollen so auch attraktiv auf dem Arbeitsmarkt sein. Entgegenkommen etwa in Fragen der Urlaubsplanung kann in der heutigen Situation das entscheidende Quäntchen sein, um Fachkräfte zu holen und auch langfristig zu halten. Die Werte ändern sich. Es geht nicht nur um mehr Geld oder ein schickes Büro. Das Miteinander, der Teamspirit, die Unternehmenskultur und auch Flexibilität wie jetzt in der Corona-Krise werden immer wichtiger."

Fachanwalt für Arbeitsrecht Björn Becker: "Es müssen einvernehmliche Lösungen gefunden werden." (Foto: SWR, SWR/Axel John)
Fachanwalt für Arbeitsrecht Björn Becker: "Es müssen einvernehmliche Lösungen gefunden werden." SWR/Axel John

Auch Christine Werner ist froh über die gemeinsame Lösung mit ihrem Arbeitgeber. "Die Arbeit im Unternehmen muss natürlich erledigt werden. Aber wenn die Absprachen getroffen und die Übergabe der Projekte an die Kollegen erfolgt sind, läuft es eigentlich sehr unkompliziert. Man muss sich eben auch aufeinander verlassen können. Ich stehe auch bereit, wenn jemand seinen Urlaub noch mal umlegen möchte."

„Für den Gesetzgeber ist die Planungssicherheit wichtig“

Auch viele weitere Unternehmen kämen ihren Beschäftigten in Sachen Urlaubsplanung freiwillig entgegen, erzählt Björn Becker aus seinem Berufsalltag. Er ist Fachanwalt für Arbeitsrecht. Dabei seien die Regelungen im Bundesurlaubsgesetz klar. "Gesetzlich ist es nicht möglich, dass der Arbeitnehmer einseitig bereits genehmigten Urlaub aufhebt oder verschiebt. Die Parteien müssen hier immer eine einvernehmliche Regelung finden", erklärt Becker die Rechtslage. "Für den Gesetzgeber ist die Planungssicherheit wichtig – für beide Seiten." Deshalb seien kurzfristige oder nicht abgestimmte Entscheidungen nicht vorgesehen. Die neuen Herausforderungen durch Corona könne das Gesetz nicht abbilden. "Der Gesetzgeber macht keinen Unterschied, ob der Urlaub daheim oder an einem anderen Ort genommen wird. Entscheidend ist, dass der Arbeitnehmer von der Arbeit freigestellt wird und sich erholen kann."

Corona – was kommt noch auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu?

Beim langfristigen Blick auf das zweite Halbjahr wagt Personalchef Beckmann nur eine kurzfristige Einschätzung. "Wir können nur auf Sicht planen. Das ist mit unseren Kolleginnen und Kollegen ein Geben und Nehmen. Kommt etwa eine zweite Corona-Welle, dann müssen wir natürlich nochmal auf unsere aktuelle Urlaubs- und Personalplanung schauen. Wir brauchen auf beiden Seiten Flexibilität und setzen sie deshalb auch um – weit über die gesetzlichen Regelungen hinaus."

Christine Werner steht immer noch vor ihrem Wandkalender im Büro. "Ganz langsam macht sich bei mir auch ein bisschen Vorfreude breit. Ich hoffe jetzt nur, dass in den nächsten vier Wochen nichts Dramatisches mehr passiert und wir endlich losfahren können. Trotzdem haben sich mein Mann und ich noch Urlaubstage aufgespart. Vielleicht müssen die Kitas und Schulen nochmal geschlossen werden und wir haben dann wieder unsere Kinder daheim. Wir müssen flexibel bleiben, denn niemand weiß, was Corona noch alles bringt."

SWRAxel John (Foto: SWR)
Der Urlaub ist geplant. Jetzt hofft Christine Werner, dass nichts mehr dazwischenkommt.

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