Eine Ärztin klebt den Nachweis für die dritte Impfung mit dem Comirnaty-Impfstoff des Herstellers BiontechPfizer in ein Impfbuch.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa | Wolfgang Kumm)

Dritte Impfdosis: Fragen und Antworten

Alles rund um die Booster-Impfung in Rheinland-Pfalz

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Steigende Corona-Fallzahlen heizen die Diskussion um Auffrischungsimpfungen an. Was bringt die Booster-Dosis? Für wen ist sie sinnvoll? Und wo gibt es sie in Rheinland-Pfalz?

Angesichts weiter stark steigender Corona-Zahlen bieten die Bundesländer verstärkt Auffrischungsimpfungen (Booster-Impfungen) an - vor allem für ältere Menschen und Risikogruppen. Aber auch alle anderen Erwachsenen dürfen sich den nächsten Pieks holen. Was heißt das konkret für die Menschen in Rheinland-Pfalz? Hier Antworten auf die wichtigsten Fragen.

  1. Warum eine dritte Impfung?
  2. Wo bekomme ich meine dritte Impfdosis her?
  3. Wer hat offiziell Anspruch auf die zusätzliche Dosis?
  4. Wie viel Abstand muss zur Grundimmunisierung bestehen?
  5. Wie erfahre ich, ob ich Anspruch auf eine Drittimpfung habe?
  6. Kann vorher gemessen werden, ob die Immunität noch hoch genug ist?
  7. Welche Impfstoffe werden für die Booster-Impfungen verwendet?
  8. Hat eine Booster-Impfung möglicherweise neue Nebenwirkungen?
  9. Muss die Impfung auch zukünftig alle sechs Monate aufgefrischt werden?

1. Warum eine dritte Impfung?

Mittlerweile ist klar: Mit der Zeit lässt der Impfschutz nach. Wie lange er anhält, hängt von vielen Dingen ab: Welcher Impfstoff wurde verabreicht? Wie fiel die Immunreaktion aus und wie alt ist die geimpfte Person? Daten aus Großbritannien und Israel zeigen, dass der Impfschutz bei älteren Menschen stärker nachlässt. Eine britische Studie hat außerdem ergeben, dass die Wahrscheinlichkeit, trotz Impfung zu erkranken, größer wird, je länger die Immunisierung zurückliegt.

In Israel haben Forschende eine Studie vorgelegt, aus der hervorgeht, dass eine Auffrischungsimpfung gegen COVID-19 älteren Menschen einen deutlich höheren Schutz vor einer Ansteckung und einem schweren Verlauf bietet. Gerade für Ältere sowie für Menschen aus anderen Risikogruppen sei eine Dritt-Impfung daher medizinisch sinnvoll, betont der Berliner Infektiologe Leif Erik Sander. Israel hatte Ende Juli als erstes Land weltweit Dritt-Impfungen gestartet. Der Effekt: Die Infektionszahlen sinken schon seit Anfang September deutlich - während hierzulande die Inzidenz steigt. Deshalb fordern Experten in Deutschland nun auch immer lauter, die Booster-Impfungen voranzutreiben.

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2. Wo bekomme ich die dritte Impfdosis her?

Die aktuelle Impfkamagne fußt auf vier Säulen: Ärzte, Impfzentren, Krankenhäuser und Impfbusse.

Erste Ansprechpartner bleiben Hausärzte und andere Praxen niedergelassener Mediziner. Die Kassenärztliche Vereinigung veröffentlicht eine Liste mit Ärzten, die auch Menschen impfen, die sonst nicht ihre Patienten sind.

Ab 24. November sollen acht der einst 31 Impfzentren wieder öffnen. Es handelt sich um die Impfzentren Koblenz, Kaiserslautern, Trier, Ludwigshafen, Neustadt an der Weinstraße, Wörth, Ingelheim und Lahnstein. Es werden dort auch Erst- und Zweitimpfungen angeboten.

Darüber hinaus soll es auch Impfzentren geben, die auf Initiative der Kommunen ohne Unterstützung des Landes wieder öffnen, so zum Beispiel in Kusel und Pirmasens.

Anmelden kann man sich seit 18. November über die Hotline des Landes (0800 / 57 58 100; Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr und am Wochenende von 9 bis 16 Uhr) oder die Internetseite Impftermin.rlp.de.

An mehreren Krankenhausstandorten sollen zusätzlich dezentrale Impfzentren angeboten werden, die an an speziellen Impftagen geöffnet werden sollen. Angestrebt wird eine niedrigschwellige Möglichkeit, sich impfen zu lassen.

Weil die Impfbusse sehr beliebt seien, werde die Landesregierung bis zum Jahresende außerdem 500 weitere Impfbustermine anbieten. Die Zahl der Busse wird auf zwölf erhöht. In den Regionen, in denen es keine Impfzentren mehr gibt, sollen sie häufiger als bisher Halt machen. Zudem soll es mehr mobile Impfteams geben, die dann etwa in Gemeindezentren Impfungen anbieten.

3. Wer hat offiziell Anspruch auf die zusätzliche Dosis?

Die STIKO (Ständige Impfkommission) hat ihre Covid-19-Impfempfehlung am 18. November aktualisiert und rät nun allen Menschen über 18 Jahren sowie vor allem Risikogruppen, Bewohnern von Pflegeeinrichtungen sowie Personal in medizinischen Einrichtungen und Pflegepersonal zur Auffrischung, wenn die zweite Impfung sechs Monate her ist. Es handle sich um einen Beschlussentwurf, der zur Abstimmung an Fachkreise und Bundesländer gegangen sei. Änderungen seien noch möglich.

Die STIKO hatte bisher Auffrischungsimpfungen für alle ab 70 Jahren empfohlen. Rechtlich möglich wäre die dritte Impfung laut Bundesgesundheitsministerium bereits jetzt für alle ab zwölf Jahren.

4. Wie viel Abstand muss zur Grundimmunisierung bestehen?

Grundsätzlich muss ein Mindestabstand von sechs Monaten eingehalten werden. Eine Verkürzung des Impfabstandes auf fünf Monate könne im Einzelfall oder wenn genügend Kapazitäten vorhanden seien erwogen werden, so die STIKO-Empfehlung. Nur bei Menschen, die ihre Grundimmunisierung mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson erhalten haben, wird ein Booster bereits nach vier Wochen empfohlen.

5. Wie erfahre ich, ob und wann ich Anspruch auf eine Auffrischungsimpfung habe?

Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen erhalten ihr Impfangebot grundsätzlich vor Ort. Die Impfungen werden hier im Regelfall durch die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte umgesetzt. Auffrischungsimpfungen sind auch in deren Praxen möglich. Das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium will aber auch jedem Alten- und Pflegeheim erneut das Angebot unterbreiten, mobile Impfteams zur Unterstützung zu stellen.

Gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung und dem Hausärzteverband will das Ministerium zudem alle Rheinland-Pfälzer und Rheinland-Pfälzerinnen über 70 Jahre konkret anschreiben und für die Wichtigkeit einer Auffrischungsimpfung sensibilisieren.

6. Kann vorher gemessen werden, ob die Immunität noch hoch genug ist?

Auch, wenn Laboruntersuchungen zu Antikörperspiegeln möglich sind: Sie erlauben keine direkte Schlussfolgerung auf die Schutzwirkung beim Menschen. Es gibt bisher keinen definierten Schwellenwert, der aussagen könnte, ob jemand immun oder vor einem schweren Verlauf geschützt ist.

"Es bilden auch nicht alle Geimpften messbare Level an Antikörpern - was aber nicht bedeutet, dass man nicht geschützt ist", sagt Christine Dahlke von der Abteilung Klinische Infektionsimmunologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Das liege an den Gedächtniszellen, die in kürzester Zeit nach einer Infektion die Antikörper wieder auf ein ausreichendes Niveau höben.

7. Welche Impfstoffe werden für die Booster-Impfungen verwendet?

Alle Booster-Impfungen in Rheinland-Pfalz werden mit einem der beiden zugelassenen mRNA-Impfstoffe (BioNTech oder Moderna) durchgeführt. Dabei spielt es keine Rolle, mit welchem Impfstoff die Grundimmunisierung stattgefunden hat. Bei einer Grundimmunisierung mit einem mRNA-Impfstoff empfiehlt das Gesundheitsministerium allerdings, möglichst den bereits verwendeten Impfstoff zu nutzen.

8. Hat eine Booster-Impfung möglicherweise neue Nebenwirkungen?

Nach Angaben der STIKO sind die Impfreaktionen mit denen nach der zweiten Corona-Impfung vergleichbar. In den USA, wo schon Ende Oktober mehr als zwei Millionen Menschen ihre dritte Dosis bekommen haben, sind dabei einige lokale Reaktionen etwas häufiger aufgetreten, unter anderem Schmerzen an der Einstichstelle.

9. Muss die Impfung auch zukünftig alle sechs Monate aufgefrischt werden?

"Eine sichere Antwort auf diese Frage kann ich nicht geben", so SWR-Wissenschaftsredakteurin Veronika Simon. "Insgesamt gelten Corona-Viren als genetisch stabiler als zum Beispiel Grippe-Viren. Wahrscheinlich muss man also nicht jedes Jahr einen neuen Corona-Impfstoff entwickeln und verimpfen, wie man es bei der Grippeimpfung tut."

Die Erfahrungen, die man mit anderen Impfstoffen gesammelt hat, würden zeigen: Häufig braucht man bei Erregern, die sich nicht allzu stark verändern, nach einer ersten Booster-Impfung keine Auffrischungen im selben, schnellen Rhythmus. Nach der dritten FSME-Impfung (Frühsommer-Meningoenzephalitis, die überwiegend durch Zecken übertragen wird) zum Beispiel wird die nächste Auffrischung erst nach einigen Jahren notwendig. Ob das beim Corona-Impfstoff auch der Fall sein wird, könne man noch nicht sicher sagen.

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