Menschen gehen in ein Impfzentrum, um sich dort entweder mit dem BioNTech- oder dem Moderna-Impfstoff impfen zu lassen.  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Interview zur Rationierung von BioNTech zugunsten von Moderna

Booster-Impfung mit Moderna "unproblematisch"

STAND

Dass vermehrt Moderna- statt BioNTech-Impfstoff beim Boostern verimpft werden soll, verunsichert viele Menschen. David Beck, Redakteur bei SWR Wissen, zur Auffrischungsimpfung mit Moderna.

SWR Aktuell: Inwiefern sind die Impfstoffe von BioNTech und Moderna gleichwertig?

David Beck: Das ist praktisch der gleiche Impfstoff. Es gibt schon ein paar Unterschiede, aber da geht es sehr ins Detail. Es sind beides mRNA-Impfstoffe und letztendlich basieren beide auf der gleichen Forschung. Ob ich mit BioNTech oder Moderna geimpft werde, ist eigentlich egal. Das war bei der ursprünglichen Impfung schon egal und ist es jetzt beim Boostern eigentlich auch.

SWR Aktuell: Ist die Booster-Impfung mit Moderna unproblematisch - auch wenn man vorher mit BioNTech geimpft wurde?

Beck: Das ist auf jeden Fall unproblematisch. Es scheint tatsächlich so, dass es sinnvoll ist, Moderna zu nehmen, wenn man erst mit BioNTech geimpft wurde - und anders herum genauso. Also dass man jetzt mit BioNTech geimpft werden sollte, wenn man erst Moderna hatte. Da ist der Unterschied zwischen den Wirksamkeiten aber so gering, dass es kaum einen Unterschied macht. Wenn ich als Moderna-Geimpfter nur Moderna zum Boostern bekäme, würde ich auch auf jeden Fall nochmal Moderna nehmen - und andersherum genauso.

SWR Aktuell: Ist das auch der Fall, wenn man zuerst Astrazeneca oder Johnson&Johnson geimpft bekommen hat?

Beck: Es gab bei den ersten Impfungen schon Studien, die gesagt haben, dass eine Kreuzimpfung sehr sinnvoll ist. Und dass es da am sinnvollsten wäre, eine ganz andere Klasse Impfstoff zu nehmen. Wenn ich zum Beispiel einen Vektor-Impfstoff bekommen habe - also Astrazeneca oder Johnhon&Johnson - dann wäre es sinnvoll, bei der Zweitimpfung einen mRNA-Impfstoff zu nehmen - oder anders herum. Es spricht eigentlich nichts dagegen, dass das jetzt auch beim Boostern so ist. Dass es also noch "besser" funktioniert, wenn man einen anderen Impfstoff nimmt.

"Die Impfstoffe an sich können gar nicht miteinander interagieren."

SWR Aktuell: Wechselwirkungen zwischen den unterschiedlichen Impfstoffen können also ausgeschlossen werden?

Beck: Ja, auf jeden Fall. Der Impfstoff ist spätestens drei Wochen nach der Impfung komplett aus dem Körper verschwunden. Also die Impfstoffe an sich können gar nicht miteinander interagieren. Wenn man nach fünf, sechs, sieben Monaten einen Booster bekommt, ist gar nichts mehr von dem ursprünglichen Impfstoff da. Und selbst wenn: Das wäre gar nicht schlimm, denn die Impfstoffe sind keine aktiven Wirkstoffe, wie zum Beispiel Medikamente, bei denen Wechselwirkungen sehr schwere unerwünschte Wirkungen haben können.

SWR Aktuell: Hat Moderna beim Boostern vielleicht sogar die Nase vorn und ist besser zur Auffrischung geeignet?

Beck: Insgesamt scheint Moderna in allen Bereichen am wirksamsten zu sein - minimal, kurz vor BioNTech. Man kann aber wirklich nicht sagen, dass der eine besser wäre als der andere. Beide Impfstoffe sind gleich gut.

"Über Moderna wurde einfach nicht so viel gesprochen."

Video herunterladen (10,9 MB | MP4)

SWR Aktuell: Trotzdem wollen einige Menschen in Deutschland lieber mit BioNTech geimpft werden. Warum?

Beck: Das ist hauptsächlich ein Imageding. Während der Impfstoff-Entwicklung hat man in den Medien relativ wenig von Moderna mitbekommen. In Mainz wurde der BioNTech-Impfstoff entwickelt und in Tübingen der CureVac-Impfstoff. Da hat man in Deutschland drauf geschaut, da wurde viel drüber geredet. Insgesamt war BioNTech einfach am meisten in den Medien. BioNTech hatte natürlich auch sehr gute Studienergebnisse und es ist ein sehr guter Impfstoff. Über Moderna wurde einfach nicht so viel gesprochen. Moderna war zwar in den Studien immer ein bisschen weiter vorne und hatte immer ein bisschen bessere Ergebnisse, aber das ist in der breiten Masse in Deutschland überhaupt nicht angekommen.

SWR Aktuell: Nun lautet die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) ja, Moderna nicht an Unter-30-Jährige zu verimpfen. Gerät durch die Rationalisierung des BioNTech-Impfstoffes durch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) jetzt die Impfkampagne bei Jüngeren ins Stocken?

Beck: Es kommt ein bisschen darauf an, ob man das Image von Moderna da hin kriegt, dass die Leute den Impfstoff auch haben wollen. Sollten die Menschen weiterhin lieber BioNTech haben wollen, ist die Frage: Wie lange macht man dieses Experiment mit, dass man zunächst versucht, die Moderna-Dosen zu verimpfen, und wann geht man wieder zu BioNTech über? Das Impfen müsste nicht ins Stocken geraten, genug Impfstoff-Dosen gibt es - auch von BioNTech.

Rheinland-Pfalz

Aktuelle Lage im Land Corona-Live-Blog in RLP: Nachbarbundesland Hessen bestätigt Virus-Variante

Seit dem 24. November gilt in Rheinland-Pfalz eine neue Corona-Verordnung. Die aktuelle Entwicklung der mittlerweile vierten Welle im Land finden Sie hier im Blog.  mehr...

SWR Aktuell: Jüngere Menschen könnten sich also trotz der STIKO-Empfehlung mit Moderna impfen oder boostern lassen?

Beck: Moderna ist nicht viel unsicherer als BioNTech. Beide Impfstoffe haben Herzmuskelentzündungen als Nebenwirkungen. Aber bei Moderna scheint das ein bisschen häufiger aufzutreten. Deswegen empfiehlt die STIKO für Jüngere eine BioNTech-Impfung. Wenn es aber den BioNTech-Impfstoff nicht gäbe, würde die STIKO Moderna auch für Unter-30-Jährige freigeben. Da bin ich mir sehr sicher. Zugelassen ist der Moderna-Impfstoff ja, es geht nur um eine Empfehlung. Sobald ein Impfstoff für eine Gruppe zugelassen ist, kann man ihn ohne Probleme verimpfen.

SWR Aktuell: Sind eigentlich Astrazeneca und Johnson&Johnson bei den Booster-Impfungen komplett raus?

Beck: Die STIKO empfiehlt mRNA-Impfstoffe zum Boostern – die anderen würden aber an sich auch gehen. Man könnte mit diesen Impfstoffen genauso boostern. Aber ich habe das Gefühl, dass die Menschen in Deutschland keine Vektor-Impfstoffe mehr haben wollen. In Großbritannien ist das anders: Da ist Astrazeneca das Nonplusultra. Der Impfstoff wurde dort entwickelt, die Menschen vertrauen ihm. Und bei uns vertraut man eher auf die mRNA-Impfstoffe und da vor allem auf BioNTech.

"Das Boostern ist wichtig, um die Verbreitung des Virus runterzudrücken."

SWR Aktuell: Warum ist das Boostern denn generell überhaupt wichtig?

Beck: Grundsätzlich ist das Boostern deshalb wichtig, weil der Impfschutz nachlässt. Es ist aber nicht so, dass der gesamte Impfschutz nachlässt. Also der Schutz vor schwerer Erkrankung und vor Hospitalisierung oder dem Tod ist immer noch sehr groß. Bei Älteren lässt auch das ein bisschen nach, bleibt aber auch relativ hoch. Was nachlässt ist die Antikörperkonzentration im Blut und dadurch der Schutz vor Ansteckung. Das heißt, es wird wahrscheinlicher sich wieder anzustecken und dadurch das Coronavirus an andere weiterzugeben. Und genau das sehen wir gerade: Dass sehr viele Menschen sich infizieren und auch Geimpfte sich infizieren und das Virus dann weitergeben. Deswegen haben wir eine sehr hohe Inzidenz. Das Boostern ist wichtig, um die Verbreitung des Virus runterzudrücken und damit die Menschen zu schützen, die weiterhin gefährdet sind.

Das Interview führte SWR Aktuell-Redakteurin Denise Thomas.

Impfstoff-Debatte Hausärzte kritisieren Impfstoff-Begrenzung

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat eine Debatte zur Impfstoff-Qualität ausgelöst.  mehr...

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR Fernsehen RP

Mainz

Moderna-Impfstoff soll aufgebraucht werden Hausärzte entsetzt über geplante BioNTech-Rationierung

Die Vorsitzende des Hausärzte-Verbandes Rheinland-Pfalz, Dr. Barbara Römer, ist empört über die Pläne, die BioNTech-Lieferungen für Hausarztpraxen zu beschränken.  mehr...

Bad Neuenahr-Ahrweiler

Eine Liste der beteiligten Kliniken in RLP Corona-Impfungen in Krankenhäusern gestartet

Seit dieser Woche ergänzen Corona-Impfungen in Krankenhäusern die Impfmöglichkeiten in Rheinland-Pfalz. An 21 Kliniken werden Impfstationen eingerichtet. Von diesen gehen am Mittwoch weitere in den Betrieb.  mehr...

Rheinland-Pfalz

Dritte Impfdosis: Fragen und Antworten Alles rund um die Booster-Impfung in Rheinland-Pfalz

Steigende Corona-Fallzahlen heizen die Diskussion um Auffrischungsimpfungen an. Was bringt die Booster-Dosis? Für wen ist sie sinnvoll? Und wo gibt es sie in Rheinland-Pfalz?  mehr...

STAND
AUTOR/IN