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Die Ermittlungen gegen acht Bombenentschärfer in Rheinland-Pfalz ziehen sich ins Jahr 2021. Die Männer sollen gegen das Waffengesetz verstoßen haben.

Drei von ihnen ist gekündigt worden, wie die zuständige Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Laut Staatsanwaltschaft Koblenz schweigen bislang alle acht Beschuldigten zu den Vorwürfen.

Bei Razzien in Privaträumen sowie in dienstlichen Spinden des Kampfmittelräumdienstes (KMRD) Rheinland-Pfalz waren im Oktober elf Schusswaffen, Kartuschen, Patronen, alte Zünder und Teile von gefundenen Sprengkörpern sichergestellt worden. Die kriminaltechnischen Untersuchungen dieser Gegenstände zur Ermittlung ihrer Herkünfte dauern laut Staatsanwaltschaft Koblenz an. Die ADD teilt mit, die organisatorische Struktur des KMRD sei überprüft und geändert worden, um mögliche zukünftige Verfehlungen unabhängig von ihrer Bedeutung zu verhindern.

Man gehe nicht von krimineller Energie bei den Verdächtigen aus, sondern eher von Sorglosigkeit und Leichtsinn, hieß es von Seiten der ADD.

Alle Entschärfungen verliefen ohne Zwischenfälle

In diesem Jahr bekam der KMRD deutlich mehr als 1.000 Fundmeldungen von Bürgern - so viele waren es im Vorjahr gewesen, sagte Marco Ofenstein vom KMRD. "Schon im ersten Lockdown war jeder zu Hause."

Bei Gartenarbeit, Erdaushub für Swimmingpools und Spaziergängen seien von vielen Bürgern verdächtige Gegenstände entdeckt worden, von denen sich aber wie immer etliche als harmlos erwiesen hätten. Immer wieder hatten es die Kampfmittelräumer in diesem Jahr aber auch mit größeren Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg zu tun, etwa im Mai in Trier. Dort entschärften sie eine britische 250-Kilogramm-Fliegerbombe. 2.700 Anwohner im Umkreis von 500 Metern um den Fundort mussten zur Sicherheit ihre Häuser verlassen.

Ebenfalls 250 Kilogramm wog der Blindgänger, den der KMRD im August in Kirn im Kreis Bad Kreuznach unschädlich machte. Hier mussten 1.900 Anwohner aus ihren Häusern. Der Sprengkörper lag zur Hälfte unter Wasser, was die Entschärfung erschwerte. Die Bombe war von zwei Paddlern im sommerlichen Niedrigwasser der Nahe entdeckt worden.

Besonderer Einsatz in Koblenz

Für einen ganz speziellen Splitterschutz sorgten die Kampfmittelräumer erstmals in Rheinland-Pfalz im Oktober in Koblenz. Zwölf Übersee-Container wurden in drei Reihen übereinander gestapelt, mit Wassertanks schwer beladen und u-förmig um eine US-amerikanische 500-Kilogramm-Fliegerbombe gestellt, um eine Barrikade für den Fall eines Unfalls zu haben. Die Entschärfung gelang auch hier. Der Vorteil: Statt 15.000 Anwohner in einem Sicherheitsradius von 1.000 Metern mussten nur 5.000 Bürger im Umkreis von 500 Metern ihre vier Wände verlassen.

Evakuierungszone für die Bombenentschärfung am Sonntag, den 18. Oktober (Foto: Stadt Koblenz)
Evakuierungszone für die Bombenentschärfung am Sonntag, den 18. Oktober Stadt Koblenz

Experten schätzen, dass im Zweiten Weltkrieg ein Zehntel der über Deutschland abgeworfenen Bomben nicht explodiert ist. So vereisten laut dem KMRD mitunter die Zünder beim Abwurf aus mehreren tausend Metern Höhe, so dass die Entsicherung nicht funktionierte. Oder die Bomben mit Zündern nur am Kopf und Heck schlugen so auf, dass sie nicht detonierten. Die Zielgenauigkeit war ohnehin schlecht. Der KMRD Rheinland-Pfalz hat laut Ofenstein derzeit zwölf männliche Mitarbeiter. Ihr Hauptstandort ist in Koblenz und der Verwaltungssitz in Trier. Hinzu kommt ein Standort in Worms. Bei Koblenz hat der KMRD ein Zwischenlager für Fundmunition. Diese wird anschließend meist zur bundeseigenen Gesellschaft zur Entsorgung von chemischen Kampfstoffen und Rüstungsaltlasten (Geka) im niedersächsischen Munster gebracht.

Kinder entdecken Munition

Ein Dreivierteljahrhundert nach dem Zweiten Weltkrieg haben im Corona-Jahr 2020 viele Kinder den Bombenentschärfern in Rheinland-Pfalz mehr Arbeit beschert. "Im ersten Lockdown im Frühling waren die Spielplätze geschlossen und viele Kinder sind zum Spielen in die Wälder ausgewichen", sagte Ofenstein. "Sie fanden Infanterie-Kampfmittel von der Gewehrmunition bis zur Handgranate." Zum Glück sei "nichts hochgegangen. Mir sind keine Verletzungen von Kindern bekannt."

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