In Rheinland-Pfalz fehlen Blutspenden (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Hauke-Christian Dittrich)

Kaum noch Notreserven vorhanden

Blutspender auch in Rheinland-Pfalz dringend gesucht

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Matthias Weber

Auch zu Jahresbeginn fehlen Blutkonserven. Das Deutsche Rote Kreuz spricht von einer dramatischen Lage. Die Lieferungen an die Kliniken würden gekürzt, die Notreserven gingen weiter zurück.

"Gerade bei der seltenen Blutgruppe 0 negativ ist der Bestand deutlich, deutlich zu niedrig", sagt Daniel Beiser, der Sprecher des für Rheinland-Pfalz zuständigen Blutspendedienstes West des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Insgesamt liege die Menge der Blutkonserven in Rheinland-Pfalz derzeit rund 20 Prozent unter dem Bedarf.

Normalerweise müsse ein Notvorrat vorgehalten werden, der drei bis fünf Tage abdecke, erklärt Beiser auf SWR-Anfrage. "Derzeit liegt der unter zwei Tagen." Das sei so nicht mehr lange haltbar. Zudem der Januar ein Monat sei, in dem erfahrungsgemäß mehr Operationen stattfinden als sonst - und deshalb auch mehr Blut benötigt werde.

Kliniken können nicht voll versorgt werden

Die Blutkonserven-Knappheit hat Folgen: "Die Krankenhäuser bekommen zur Zeit deutlich weniger, als sie bestellen", betont Beiser. Bei einigen Blutgruppen lägen die Kürzungen bei mehr als 50 Prozent. Im Durchschnitt werden in Rheinland-Pfalz und dem Saarland zusammen rund 800 bis 1.000 Blutkonserven pro Tag benötigt.

Direkte Auswirkungen auf Patientinnen und Patienten hat die Knappheit derzeit aber offenbar noch nicht. Auf SWR-Anfrage teilten das Westpfalz-Klinikum, das Klinikum Ludwigshafen und die Kreuznacher Diakonie mit, die Lage sei zwar angespannt, es müssten aber bislang keine Operationen verlegt werden. Nur bei sehr seltenen Blutgruppen könne es manchmal bis zu 48 Stunden dauern, bis eine geeignete Blutkonserve zur Verfügung stehe.

Uniklinikum Mainz kann Patienten versorgen

Alle Patienten versorgen kann derzeit auch die Mainzer Universitätsmedizin. Das liege auch daran, dass ein besonderes Programm der dortigen Transfusionszentrale gut angenommen werde, sagt der Leitende Oberarzt Roland Conradi. Denn das Blut werde dort untersucht und die Spender könnten einen Gesundheitscheck bekommen - und zusätzlich eine Bestimmung der Corona-Antikörper.

Mainz erhalte aber inzwischen aus dem ganzen Bundesgebiet Anfragen nach Blutkonserven, sagt Conradi. "Deutschlandweit ist die Lage dramatisch."

Schwankungen bei der Spendenbereitschaft

Dabei sind Schwankungen bei der Spendenbereitschaft durchaus nicht ungewöhlich. Laut DRK sind die Gründe dafür vielfältig: So werde in Ferienzeiten weniger gespendet - oder auch, wenn das Wetter besonders gut oder besonders schlecht sei. Auch würden dringend Nachwuchsspender gebraucht, da die Spender immer älter würden.

Zusätzlich wirke sich nun aber auch Corona negativ auf die Spendenbereitschaft aus. In der Pandemie war die Zahl der Blutspenderinnen und Blutspender immer wieder eingebrochen, zuletzt im Frühjahr. Problematisch sei etwa, dass durch die Pandemie wenige Aktionen stattfinden könnten, an denen normalerweise zum Blutspenden aufgerufen werde - wie Blutspendetermine in Firmen oder Schulen oder Aktionen mit dem Blutspendebus.

3G-Regel beim Blutspenden

In den Blutspendezentralen gilt aktuell die 3G-Regel, es dürfen also nur geimpfte, genesene oder getestete Menschen Blut spenden. Diese Regel habe man eingeführt, um ein sicheres Umfeld für die Spenderinnen und Spender sowie die Mitarbeitenden zu schaffen, betont Beiser. Spenderinnen und Spender sollten sich wenn möglich anmelden, um Verzögerungen zu vermeiden.

Auch frisch Geimpfte können Blut spenden

Auch Menschen, die frisch gegen Corona geimpft sind, können nach Angaben des DRK bereits am Folgetag ihrer Impfung Blut spenden. Das gelte sowohl für die mRNA-​Impfstoffe (Moderna, BioNTech) als auch für die verwendeten Vektorimpfstoffe (AstraZeneca, Johnson & Johnson). Voraussetzung sei aber, das keine Impfreaktionen wie Fieber oder eine lokale Schwellung vorhanden seien.

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