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Die Westeifel wird ab 1. November zum Wolfspräventionsgebiet. Von dem Tier, das diese Maßnahme auslöste, fehlt unterdessen jede Spur. Möglicherweise wurde Billy in Frankreich erschossen.

GW1554m - so wird der Wolf ganz wissenschaftlich genannt, der im Sommer die Eifel aufmischte und Landwirte verunsicherte. GW steht für Grey Wolf (deutsch: Grauwolf), danach kommt die Codenummer des Senckenberg-Institutes und das kleine 'm' am Ende zeigt, dass es sich um ein männliches Tier handelt (englisch male). GW1554m ist inzwischen aber viel besser unter dem Namen Billy bekannt.

Aus Niedersachsen nach Rheinland-Pfalz

Billys Weg nach Rheinland-Pfalz führte durch mehrere Länder. Er stammt aus einem Rudel im Emsland in Niedersachsen. Bei Lorup konnte er im Januar dieses Jahres erstmalig anhand einer Kotprobe identifiziert werden. Danach wurde er in den Niederlanden und in Belgien bestätigt. In den vergangenen zwei Monaten habe es keine weiteren Hinweise auf Billy gegeben, heißt es vom Umweltministerium. Ob er sich noch in Rheinland-Pfalz aufhalte, sei ungewiss.

18 Schafe und zwei Kälber gerissen

In der Eifel waren in der zweiten Julihälfte 18 Schafe und zwei Kälber an verschiedenen Orten von jeweils einem Wolf gerissen wurden. Fast alle Risse konnten Billy klar zugeordnet werden.

Für den Angriff auf Schafe Mitte September in Lorscheid im Kreis Trier-Saarburg war Billy dagegen nicht verantwortlich. DNA-Proben ergaben, dass ein Hund und kein Wolf die Tiere gebissen hat. Ein Tier wurde dabei getötet, vier weitere verletzt.

Große Wanderfreudigkeit

Aber warum kam Billy überhaupt nach Rheinland-Pfalz und warum legte er eine so große Strecke zurück. "Das ist völlig unklar, warum sie so weit laufen", sagte Wolfsexperte Moritz Schmitt von der Stiftung Natur und Umwelt (SNU) Rheinland-Pfalz dem SWR. Männchen hätten aber eine höhere Wanderfreudigkeit als Weibchen - vor allem, wenn sie auf der Suche nach einem neuen Revier seien.

Bisher habe man Billy aber noch nicht zweifelsfrei auf Bildern von Wildkameras oder live identifizieren können. Wölfe könne man schlecht auseinanderhalten, betonte Schmitt. Das sei etwa bei Luchsen anders, wo man die Tiere gut anhand ihrer Fellzeichnung unterscheiden könne.

Auch wo Billy sich derzeit aufhalte, sei schwer zu sagen, so Schmitt. Dass Wölfe große Strecken zurücklegen können, ist bekannt. Oft sind sie mehrere hundert Kilometer unterwegs, wenn sie sich ein neues Revier suchen. Auch Billy könnte mittlerweile weit entfernt von Rheinland-Pfalz leben.

Wurde Billy in Frankreich erschossen?

Möglicherweise ist Billy aber auch schon tot. Der französische Regionalsender "3 Bourgogne Franche-Compté" meldete vor zwei Wochen auf seiner Internetseite, am 23. September sei in der Gemeinde Val-d'Ajol im Departement Vosges (etwa 60 Kilometer westlich von Colmar) ein Wolf erschossen worden. Das Tier habe zuvor erheblichen Schaden angerichtet und in der Zeit von Mitte August bis zu seinem Tod 20 Schafe und 15 junge Rinder getötet.

Schmitt hält es für möglich, dass es sich bei dem toten Tier um Billy handelt. Das sei aber noch reine Spekulation, der Kadaver werde derzeit analysiert, ein Ergebnis könnte im November vorliegen.

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