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"Weihnachtsgeschäft" - ein Wort mit dem Einzelhändler eigentlich viele Kunden, lange Schlangen und gute Umsätze verbinden. In diesem Jahr war alles anders, die Innenstädte in Rheinland-Pfalz waren wegen des Lockdowns wie leergefegt. Für viele Läden eine Katastrophe.

Der Einzelhandel in Rheinland-Pfalz hat ein düsteres Weihnachtsgeschäft hinter sich. Der Vorsitzende der Trierer City Initiative, Patrick Sterzenbach, spricht sogar vom schlimmsten Weihnachtsgeschäft seit dem Zweiten Weltkrieg. "Die Möglichkeit während des Lockdowns in den Geschäften über das Internet zu bestellen, ist auch nur mäßig genutzt worden", erklärt er.

Einer SWR-Umfrage zufolge verzeichnen die Trierer Einzelhändler im diesjährigen Weihnachtsgeschäft deshalb Umsatzeinbußen von bis zu 70 Prozent. Schätzungsweise jedem vierten Einzelhändler in der Stadt drohe nun die Insolvenz, so die City Initiative.

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Auch der Einzelhandel in der Westpfalz zieht für dieses Jahr eine schlechte Bilanz, ebenso die Stadt Ludwigshafen. Durch den Lockdown sei für viele Läden das Weihnachtsgeschäft komplett eingebrochen, heißt es vom Vorsitzenden des Ludwigshafener Einzelhandelsverbands, Edmund Keller. Die Umsätze lägen weit unter Vorjahresniveau. Viele Kunden seien schon seit November sehr zurückhaltend.

Abhol- und Lieferdienste sind "Tropfen auf dem heißen Stein"

"Den Geschäften haben neun Öffnungstage gefehlt, alleine bis Heiligabend", erklärt Thomas Scherer, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Rheinland-Pfalz. Auch die umsatzstarken Tage zwischen den Jahren, an denen viele normalerweise mit Gutscheinen oder Weihnachtsgeld shoppen gingen, fielen weg.

Abhol- und Lieferdienste seien im Land zwar erlaubt, aber "auch nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein", sagt er. "Das ist nichts, was Überleben sichert." Das größte Problem sei, dass die Händler keinen Anspruch auf die sogenannten Dezemberhilfen hätten.

Stattdessen müsse man auf die "Überbrückungshilfe III" hoffen. Es sei jedoch noch unklar, wie diese ausgestaltet und ab wann sie ausgezahlt werde. "Viele können die voraussichtliche Wartezeit finanziell nicht überbrücken."

Auch nach dem Lockdown kaum Besserung in Sicht

Auch für 2021 seien die Erwartungen verhalten, erklärt Scherer. "Das erste Problem ist, das wir ja gar nicht wissen, wann die Läden wieder öffnen dürfen. Momentan gehen viele Händler davon aus, dass es nicht am 11. Januar sein wird."

Erst käme Weihnachten, dann Silvester. "Da gibt es Anfang Januar - beim nächsten Bund-Länder-Gespräch - bestimmt noch keinen Rückgang der Corona-Zahlen", vermutet er. Die Frage sei dann eher bis wann der Lockdown verlängert würde. "Eine Woche, vierzehn Tage, drei Wochen? Bis Ende Januar wäre natürlich der Supergau."

Und selbst wenn die Läden wieder öffnen dürfen, rechnet er nicht damit, dass die Leute sofort wieder in die Städte strömen. "Das sind alles Dinge, die mit einem großen fetten Fragezeichen versehen sind. Die Impfungen gehen ja gerade erst los. Viele werden weiterhin vorsichtig und verhalten sein." Das sei auch schon vor dem sogenannten Lockdown Light im November so gewesen.

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