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Geschlossene Restaurants und Sportstätten sowie strikte Kontaktbeschränkungen: Der Teil-Lockdown belastet viele Branchen in Rheinland-Pfalz. Vor dem Bund-Länder-Treffen am Montag gibt es wenig Hoffnung auf Lockerungen - eher im Gegenteil.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wird sich wieder mit den Ministerpräsidenten beraten. In ihrem Video-Podcast am Samstag stimmte sie die Bevölkerung schon auf längere Einschränkungen ein.

Auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sagte, es gebe zwar erste Anzeichen, dass sich die Dynamik der Infektionen abschwäche. Aber: "Die Lage bleibt ernst."

Zahl der Neuinfektionen steigt weiter an - aber langsamer

Denn auch in der zweiten Woche des Teil-Lockdowns stieg die Zahl der Neuinfektionen in Rheinland-Pfalz täglich weiter - allerdings langsamer als zuvor. Ob die verhängten Maßnahmen wirken, lässt sich noch nicht abschließend sagen. Zwischen Ansteckung, ersten Corona-Symptomen und einem Testergebnis können 10 bis 14 Tage liegen. Entsprechend zeigen sich die Auswirkungen der Maßnahmen und Beschränkungen erst zeitlich verzögert.

Ins Zentrum der Debatte bei der Schaltkonferenz von Bund und Ländern werden auch die Schulen rücken. Ein großes Ziel der Landesregierung ist es, die Schulen und Kitas nicht wieder schließen zu müssen wie im Frühjahr. Eine Studie des Landesuntersuchungsamtes kommt laut Dreyer zu dem Ergebnis, dass das Ansteckungsrisiko in Schulen "sehr gering" sei.

Bilanz des Lockdowns für Rheinland-Pfalz

Die Beschränkungen des Teil-Lockdowns treffen vor allem die Gastronomie, Freizeit- und Kultureinrichtungen, aber auch den Amateur- und Freizeitsport.

Gastgewerbe hart getroffen

Zwei Drittel der Betriebe im rheinland-pfälzischen Gastgewerbe sehen sich in der Corona-Pandemie laut einer Umfrage des Branchenverbandes Dehoga in ihrer Existenz gefährdet. Jedem sechsten Betrieb drohe bereits von diesem Monat an die Zahlungsunfähigkeit.

Die Ankündigung der Bundesregierung, die Entschädigungen für den Teil-Lockdown zunächst in Form einer Abschlagszahlung zu leisten, kritisierte der Gastroverband scharf.

Möbelhäuser zufrieden, Einzelhandel ächzt

Für den Handel in Rheinland-Pfalz falle die Bilanz nach zwei Wochen Teil-Lockdown schlecht aus, resümierte der Handelsverband. "Die Leute halten sich sehr zurück", sagte der Geschäftsführer des Handelsverbandes Rheinland-Pfalz, Thomas Scherer. Das Geschäft mit Lebensmitteln und Möbeln laufe noch gut. Von den staatlichen Hilfen könne der Handel aber nicht umfassend profitieren. Die Hürden seien teilweise zu hoch.

Schausteller in Existenznöten

Nicht nur Kulturschaffenden, auch vielen Schaustellern in Rheinland-Pfalz droht wegen der Corona-Pandemie die Insolvenz. Weil viele Weihnachtsmärkte in der Region abgesagt wurden, habe sich die wirtschaftliche Lage noch einmal verschärft, sagte der Vorsitzende des Schaustellerverbands Rheinland-Pfalz, Achim Müller, dem SWR. Es gehe um die Existenz vieler Betriebe, denn die Weihnachtsmärkte würden bis zu 60 Prozent des Jahresumsatzes ausmachen. Viele Kollegen hofften nun auf Unterstützung vom Staat, so Müller.

Kinos, Theater und Museen geschlossen

Auch die Kulturbranche ist vom Teil-Lockdown gebeutelt: Kinos, Theater und Museen - allesamt geschlossen. Aufführungen und Ausstellungseröffnungen mussten verschoben oder abgesagt werden. Beim Treffen mit der Kanzlerin will sich Dreyer daher für die Kulturbranche stark machen. Es sei wichtig, dass Veranstalter und Künstler, die jetzt kaum Einnahmemöglichkeiten hätten, über den November hinaus Hilfen erhalten. "Denn Kultur ist keine Branche wie jede andere", sagte sie.

Klagen von Fitnessstudios

Sport ist in Rheinland-Pfalz alleine, zu zweit oder mit Angehörigen desselben Haushalts weiterhin möglich. Grundsätzlich geschlossen sind Fitnessstudios und Sporthallen. In Mainz und Umgebung haben sich Besitzer von Fitnessstudios zusammengeschlossen und wollen vor Gericht ziehen.

Auch der klassische Vereins- und Kontaktsport ist verboten. Vor allem Kindern und älteren Menschen fehle die Gemeinschaft und der sportliche Ausgleich, so der kommissarische Hauptgeschäftsführer des Landessportbundes (LSB) Rheinland-Pfalz, Christof Palm.

Weiterer Anstieg der Infektionszahlen wird erwartet

Am Freitag wurden erstmals Ergebnisse aus dem neuen landesweiten Covid-19-Register vorgestellt. Aus diesen Daten werden auch Vorausberechnungen gemacht, wie sich die Coronazahlen weiterentwickeln könnten. Demnach rechnen die Verantwortlichen mit einem weiteren Anstieg und dass die Krankenhauskapazitäten stärker beansprucht werden. Die Intensivkapazitäten seien aber massiv ausgebaut und das Pflegepersonal für die Intensivstationen qualifiziert worden. Deshalb seien die rheinland-pfälzischen Krankenhäuser für die Herausforderungen gut gerüstet, hieß es.

Bleiben die Infektionszahlen gleich, so schätzen die Verantwortlichen, dass in den kommenden vier Wochen bis Mitte Dezember weitere rund 1.400 Corona-Patienten stationär in Krankenhäusern in Rheinland-Pfalz aufgenommen werden. Davon müssten wahrscheinlich rund 300 Patienten intensivmedizinisch betreut werden.

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