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Pflegekräfte in Rheinland-Pfalz melden sich deutlich häufiger krank und gehen öfter in Frührente als der Durchschnitt der übrigen Beschäftigten im Land. Das zeigt der Pflegereport der Barmer-Krankenkasse.

Pflege kann krank machen. Schichtdienst, hohe körperliche Anforderungen, Zeitdruck und zu wenig Personal bringen viele Pflegekräfte an die Grenzen ihrer körperlichen und psychischen Belastbarkeit. Hohe Krankenstände im Kollegium belasten die verbliebenen Pflegekräfte zusätzlich - ein Teufelskreis.

Rheinland-Pfalz hätte auf einen Schlag rechnerisch 1.100 Pflegekräfte mehr, wenn Beschäftigte in der Pflege genauso gesund wären wie die übrigen Beschäftigten im Land. Das ist ein Ergebnis des Barmer-Pflegereports. Forscher der Universität Bremen haben den Report für die Krankenkasse erstellt, dessen Auswertung für Rheinland-Pfalz am Donnerstag vorgestellt wurde.

Land und Arbeitgeber seien gefordert

"Für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege können Land und Arbeitgeber sorgen", sagte Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Dazu würden eine angemessene Vergütung sowie möglichst planbare und familienfreundliche Arbeitszeiten gehören.

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Dem Report zufolge waren 9,2 Prozent der rheinland-pfälzischen Hilfskräfte in der Alten- und Krankenpflege im Mittel der Jahre 2016 bis 2018 krankgeschrieben. Dieser Wert liegt 84 Prozent über dem Krankenstand (5,0 Prozent) der übrigen Berufe in Rheinland-Pfalz im betreffenden Zeitraum. Er gehört zu den höchsten Werten im Vergleich aller Bundesländer. Auch der Krankenstand der rheinland-pfälzischen Altenpflegefachkräfte (7,2 Prozent) und Krankenpflegefachkräfte (6,3 Prozent) liegt deutlich über dem Landesmittel der übrigen Berufe für die Jahre 2016 bis 2018.

Pflegekräfte häufiger in Frührente als andere Arbeitnehmer

Wie belastend der Pflegeberuf ist, zeigt auch die hohe Quote von Beschäftigten, die nicht bis zur Altersrente arbeiten. So gingen im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2018 von 1.000 Altenpflegehilfskräften in Rheinland-Pfalz fünf in die Erwerbsminderungsrente (0,51 Prozent). Von den Erwerbstätigen in den sonstigen Berufen waren es nur drei (0,32 Prozent). Auch rheinland-pfälzische Krankenpflegehilfskräfte (0,50 Prozent) und Krankenpflegefachkräfte (0,45 Prozent) gingen vergleichsweise oft gesundheitsbedingt in Frührente.

Die Arbeitgeber in der Pflege müssten ihr Engagement beim betrieblichen Gesundheitsmanagement ausbauen, fordert Barmer-Geschäftsführerin Kleis. Übungen zur Vorbeugung von Rückenschmerzen sowie Kursen gegen Stress und psychische Belastung sollte mehr Raum gegeben werden. Nach Kleis' Worten hat die Corona-Pandemie die Arbeitsbedingungen in der Pflege noch verschärft. Dies habe mit einer pandemiebedingt verringerten Personaldecke gestemmt werden müssen.

Rund eine von 100 Altenpflegekräften in Rheinland-Pfalz war im vierten Quartal 2020 wegen Covid-19 krankgeschrieben - ein Anteil so hoch wie in keiner anderen Berufsgruppe. "Von all den Menschen, die mit Covid-19 krankgeschrieben werden, trifft es die in der Altenpflege am meisten und die in der Gesundheitspflege am drittmeisten", sagte Kleis. Auf Platz zwei liegen demnach Erzieher und Sozialarbeiter.

Die Datenauswertungen der Barmer-Krankenkasse liefern zudem Hinweise darauf, dass besonders Beschäftigte in Alten- und Pflegeheimen unter der Arbeitsbelastung leiden. So waren Beschäftigte in Heimen im Jahr 2019 in Rheinland-Pfalz 29,0 Tage arbeitsunfähig zuhause. Der Landesdurchschnitt aller Erwerbspersonen lag dagegen bei nur 18,5 Arbeitsunfähigkeitstagen.

Sehr hoch sind dabei die Fehlzeiten in der Belegschaft rheinland-pfälzischer Heime wegen psychischer Leiden wie zum Beispiel Depressionen. Seelische Erkrankungen sorgten bei Heimmitarbeitern für durchschnittlich 7,6 Krankentage. Im Landesmittel waren Erwerbspersonen nur 3,6 Tage arbeitsunfähig infolge psychischer Leiden.

Neben Depressionen Rückenerkrankungen häufig

An zweiter Stelle rangieren Krankheiten der Wirbelsäule und des Rückens. Diese sind mit durchschnittlich 7,4 Arbeitsunfähigkeitstagen ein weiterer Hauptgrund für die hohen Fehlzeiten von Pflegekräften in Rheinland-Pfalz im Jahr 2019. Auch dieser Wert übertrifft den Landesdurchschnitt aller Erwerbspersonen von 4,1 Krankentagen.

Einige psychische Belastungsfaktoren seien unweigerlich mit dem Pflegeberuf verbunden, heißt es in der Studie. Hierzu zählten die Schichtarbeit und der Umgang mit Krankheit und Tod. Belastend, aber strukturell veränderbar seien dagegen Umstände wie Überstunden, Zeitdruck, nicht verlässliche Dienstpläne und Arbeitsunterbrechungen. Diese seien Folge einer ungenügenden personellen Ausstattung.

In Rheinland-Pfalz waren 2017 insgesamt 34.929 Menschen in stationären Pflegeeinrichtungen beschäftigt, davon 60,1 Prozent in der körperbezogenen Pflege. 30,3 Prozent arbeiteten in Vollzeit, 32,9 Prozent in Teilzeit (über 50 Prozent der Regelarbeitszeit), 18,8 Prozent bis 50 Prozent der Regelarbeitszeit und 8,8 Prozent geringfügig.

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