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Hohes Fieber, Appetitlosigkeit oder blutiger Urin: Wenn Ihr Hund diese Symptome eines Zeckenbisses hat, sollten Sie ihn schnell zum Arzt bringen. Denn der Verlauf kann fatal sein.

Die Zeit, in der Collie-Besitzerin Emmi Lingnau mit ihren beiden Hunden unbeschwert im Wald und auf Wiesen spazieren gehen konnte, ist vorbei. "Ich habe immer ein ungutes Gefühl", gibt sie zu. Denn sie weiß, was ein einziger Zeckenstich anrichten kann. Ihre Hündin Laika (10) wäre fast daran gestorben. Diagnose: Babesiose, Hundemalaria.

Nur dem schnellen Eingreifen einer Tierärztin sei zu verdanken gewesen, dass Laika noch lebt. Sie erkannte sofort, dass sich der Hund mit Babesien infiziert hatte. Laika litt unter einer Infektionskrankheit, bei der die roten Blutkörperchen zerstört werden und die von der Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) übertragen wird. Für Menschen sind die Erreger ungefährlich - im Gegensatz zu bekannten Infektionen wie FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) und Borreliose, bei denen der Holzbock als Überträger gilt.

Emmi Lingnau aus Völklingen streichelt ihre schwarze Collie-Hündin Laika, die eine Infektion mit Babesiose ("Hundemalaria") durch einen Zeckenbiss nur knapp überlebt hat.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Katja Sponholz)
Emmi Lingnau aus Völklingen streichelt ihre schwarze Collie-Hündin Laika, die eine Infektion mit Babesiose ("Hundemalaria") durch einen Zeckenbiss nur knapp überlebt hat. Sie brauchte mehrere Monate, um sich davon zu erholen. picture alliance/dpa | Katja Sponholz

Starker Befall beobachtet

Vor allem Rheinland-Pfalz und das Saarland, aber auch der Freiburger Raum seien derzeit am stärksten von den Auwaldzecken mit Babesien betroffen, sagt Dieter Barutzki, Fachtierarzt für Parasitologie und Leiter des Tierärztlichen Labors Freiburg. Es untersucht Blutproben aus dem gesamten Bundesgebiet. Gerade aus dem Südwesten des Landes habe man dieses Jahr "schon solch eine hohe Zahl an positiven Fällen, wie wir sie seit langem nicht gesehen haben - vielleicht sogar wie noch nie", sagt Barutzki. Er macht vor allem den Klimawandel, das Einreisen befallener Hunde aus dem Ausland und die Nähe zu Frankreich dafür verantwortlich.

Auch in der Tierklinik Birkenfeld in Rheinland-Pfalz gibt es immer wieder Fälle. Dabei müssten die Symptome genau untersucht werden, sagt Tierärztin Jessica Cremer. Wichtig sei eine gewichtete Differenzialdiagnose: "Das heißt, das Wichtigste und Schlimmste wird als erstes abgeklärt." Dazu gehöre auch, nachzufragen, woher der Hund stamme und welche Vorgeschichte er habe. Routinemäßig werde zudem abgefragt, ob er über einen Zeckenschutz in Form von sogenannten Spot-on-Präparaten, Tabletten oder Zeckenhalsbändern verfüge. "Das Gute ist, vieles kann durch eine schnelle Blutuntersuchung dann eingegrenzt werden", erklärt die Tierärztin - und dementsprechend zielgerichtet behandelt.

Nach verdächtigem Zeckenbiss sofort zum Tierarzt

Anders als der Holzbock sind Auwaldzecken nicht braun oder schwarz, sondern haben ein Muster auf ihrem Panzer. "Hundebesitzer sollten darauf achten, wenn man eine solche Zecke entfernt. Dann sofort zum Tierarzt gehen", rät die Tierheilpraktikerin Meike Voss. Je nach Grad der Babesien im Blut und Zustand müssten manche Tiere stationär aufgenommen werden. "Hier spielt die schulmedizinische Betreuung eine ganz große Rolle, dass es das Tier überlebt."

Eine männliche Auwaldzecke mit gut erkennbarem Muster (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / imageBROKER | L. Werle)
Eine männliche Auwaldzecke mit gut erkennbarem Muster picture alliance / imageBROKER | L. Werle

Auch wenn die akute Infektion überwunden sei, hätten einige Hunde lange mit den Folgen zu kämpfen. "Spätfolgen können Nierenprobleme sein oder Probleme mit dem Bewegungsapparat", berichtet Voss, die solche Hunde in ihrer Praxis im baden-württembergischen Straubenhardt behandelt.

Zeckenbiss mit Spätfolgen

Auch Collie-Hündin Laica hatte lange mit den Folgen der Babesiose und Blutarmut zu kämpfen. "Sie brauchte vier Monate, um sich zu erholen", berichtet Emmi Lingnau. "Und bis heute ist sie irgendwie immer noch nicht die Alte." Und das, obwohl die akute Infektion nun schon zwei Jahre her sei - und die 60-Jährige bei den ersten Symptomen gleich zu ihrer Tierärztin gefahren war. Die Hundebesitzerin mag sich nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn sie noch gewartet hätte. "Wenn ich gedacht hätte, sie hätte nur eine Magenverstimmung und würde deshalb nicht aufstehen und nichts fressen, wäre es zu spät gewesen."

Zum Glück habe sie ihr am Tag zuvor noch einige Zecken entfernt und ihre plötzliche Erkrankung gleich auf die Spinnentiere zurückgeführt. Dass sie damals noch Kritikern geglaubt habe, die chemischen Zeckenschutz ablehnten und lieber auf Kokosöl, Schwarzkümmel und Knoblauchgranulat setzten, bedauert sie. "Ich dachte, es sei eine gute Alternative, weil viele damit gute Erfahrungen gemacht haben."

Viele lehnen Schulmedizin ab

Auch Tierarzt Danny Eisenbarth appelliert an Hundebesitzer, ihre Tiere regelmäßig mit einem geeigneten Zeckenschutz zu versorgen. Doch die Impfangst und Angst vor Chemie ziehe sich mittlerweile auch durch die Tiermedizin. "Dabei ist jede Erkrankung, die durch Zecken übertragen wird, 1.000 Mal gefährlicher", sagt er. Obwohl auch Lingnau ihren beiden Collie-Hündinnen Laika und Cora inzwischen einen entsprechenden Schutz gibt, sitzt der Schock noch immer tief. "Die erste Zeit nach der Erkrankung hatte ich eine Phobie und konnte überhaupt nicht mehr in den Wald." Mittlerweile habe sie die Hunde öfter an der Leine und achte darauf, dass sie ihren Kopf und Hals nicht mehr ins Gebüsch stecken. "Aber mit einem sorglosen Gefühl gehe ich nie mehr."

Generell könnten auch andere Haustiere betroffen sein

Grundsätzlich könne die Auwaldzecke auch für andere Haustiere, wie Katzen, gefährlich sein, so Tierärzte. Die Auwaldzecke könne, wie andere Zecken auch, verschiedene Krankheiten übertragen. Für die Babesien seien Katzen zum Beispiel aber nicht so empfänglich wie Hunde.

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