Der Polizeiberuf ist in Rheinland-Pfalz weiterhin gefragt - auch wenn Polizeibeamte im Einsatz immer wieder Angriffe und Pöbeleien erfahren.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Polizeinachwuchs in Rheinland-Pfalz

Kusel, Angriffe, Pöbeleien - wie attraktiv ist der Polizeiberuf noch?

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Angriffe, Pöbeleien und zuletzt sogar tödliche Schüsse: Polizistinnen und Polizisten haben einen gefährlichen Job. Wirkt sich das auf den Polizei-Nachwuchs in Rheinland-Pfalz aus?

Tödliche Schüsse auf Polizeibeamte wie in Kusel sind in Rheinland-Pfalz ein Ausnahmefall. Doch der Arbeitsalltag von Polizistinnen und Polizisten birgt stetig Gefahren. Hinzu kommen immer häufiger Angriffe und Übergriffe im Einsatz, Beleidigungen und Pöbeleien. Dem Interesse am Polizeiberuf an sich scheint das in Rheinland-Pfalz jedoch kaum Abbruch zu tun.

Bei der Polizeiinspektion Worms findet am Wochenende ein Polizeierlebnistag statt. Mit rund 20 Anmeldungen ist die Teilnehmerzahl nahezu am Maximum - unter Corona-Bedingungen. Die Hälfte der Angemeldeten ist weiblich. Bei dem Aktionstag können sie Arbeitssituationen bei der Polizei erfahren und erleben, zum Beispiel Verkehrskontrollen oder Spurensicherung.

Polizeibeamte wissen um die Gefahren des Jobs

"Der Polizeiberuf ist mit Gefahren verbunden, das weiß man, wenn man sich dafür entscheidet", sagt Polizeihauptkommissar Rafael Scholz. Er arbeitet in der Polizeiinspektion Worms unter anderem als Einstellungsberater. Polizistinnen und Polizisten sind gut ausgebildet und ausgerüstet, sagt Scholz. So lassen sich brenzlige Situationen entschärfen.

Was die Ausrüstung und vor allem die Personalstärke angeht, gibt es laut Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Rheinland-Pfalz noch Nachholbedarf, ebenso bei der Bezahlung. "Aber es ist ein attraktiver Beruf, keine Frage", sagt Steffi Loth, stellvertretende Landesvorsitzende der GdP in Rheinland-Pfalz. Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber ist noch zufriedenstellend - wenn auch nicht so hoch, dass man eine gute Auswahl hätte, sagt Loth.

Das bewertet das rheinland-pfälzische Innenministerium etwas anders. Auf Nachfrage des SWR teilte das Ministerium mit, dass die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber auf hohem Niveau sei. "In den zurückliegenden Pandemie-Jahren betrug das Verhältnis von Bewerbern zu Stellen regelmäßig mehr als 5:1, also mehr als fünf Bewerber pro Stelle." Laut Innenministerium gäben Nachbarländer wie Baden-Württemberg eine Quote von 4:1 an.

Bei jungen Menschen ist die Nachfrage nach dem Polizeiberuf auf jeden Fall da, sagt auch Mechthild Schikowski-Simons, Berufsberaterin bei der Arbeitsagentur. Eine Info-Veranstaltung zum Thema "Berufe in Uniform" in Koblenz bei der Jugendberufsberatung sei zuletzt gut besucht gewesen - vor allem von Frauen. Der Großteil der Menschen, die sich bei ihr über den Werdegang bei der Polizei informieren, sei jedoch männlich, sagt sie.

Tödlicher Angriff bei Kusel ist Interessierten präsent

Die Tötung einer Polizistin und eines Polizisten nahe Kusel in der Pfalz Anfang des Jahres haben die jungen Menschen, die sich für den Polizeiberuf interessieren, durchaus im Kopf. "Gefährlich seien andere Berufe aber auch, sagen sie", berichtet Berufsberaterin Schikowski-Simons. Der rüde Ton gegenüber Polizeibeamten, Respektlosigkeiten und Übergriffe im täglichen Dienst ist Interessierten ebenso präsent. "Eine junge Frau erzählte mir, dass sie in der Vergangenheit gern zur Polizei gegangen wäre", sagt Schikowski-Simons. "Aber mit dem Verhalten einiger Menschen gegenüber der Polizei könne sie nicht umgehen."

Polizeihauptkommissar Scholz hat seine Berufswahl trotz solcher Widrigkeiten und Angriffe noch nie bereut, sagt er: "Für mich überwiegen die positiven Aspekte. Ich habe viel Dankbarkeit und Wertschätzung erfahren, das treibt einen an." Respektlosigkeiten und Pöbeleien im Einsatz würden das nicht schmälern.

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