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Gernot Ludwig, Redaktion Landespolitik Rheinland-Pfalz (Foto: SWR)

Die Gesundheitsämter stehen seit Corona stark im Fokus. Denn sie sind Dreh- und Angelpunkt, wenn es darum geht, das Virus einzudämmen. Allerdings gibt es in den meisten Ämtern weniger Ärzte, als das rheinland-pfälzische Gesundheitsminsterium für angemessen hält.

Amtsärzte müssen entscheiden, wer getestet wird, sich um Abstriche und die Infizierten in Quarantäne kümmern, Kontaktpersonen ausfindig machen - und darüber hinaus Hygienepläne aufstellen. Sobald eine lokale Masseninfektion wie in Frankfurt oder Göttingen bekannt wird, heißt das Arbeiten unter Hochdruck.

Doch wie sind Gesundheitsämter grundsätzlich mit Ärzten und Mitarbeitern ausgestattet? Offizielle Zahlen gibt es dazu kaum. In Rheinland-Pfalz liegen jetzt erstmals umfassende Zahlen vor - durch eine landesweite SWR-Umfrage bei allen 24 Ämtern.

Drei Landkreise schneiden sehr schlecht ab

Ergebnis: Die Gesundheitsämter im Vulkaneifelkreis, im Rhein-Pfalz-Kreis und im Kreis Alzey-Worms (Stichtag 30. April) sind die am schlechtesten mit Ärzten ausgestatteten Ämter in Rheinland-Pfalz. In allen drei Fällen gibt es rechnerisch noch nicht einmal zwei Amtsärzte pro 100.000 Einwohner.

Zu wenig, findet das Gesundheitsministerium und teilte dem SWR mit, es halte "eine Besetzung der Gesundheitsämter mit durchschnittlich vier Ärzten pro 100.000 Einwohner für angemessen". Diesen Wert erreicht aber lediglich ein Drittel der Gesundheitsämter - und das oft auch nur, wenn man die Zahlen aufrundet. Der Großteil kommt auf rund zwei oder drei Ärzte pro 100.000 Einwohner.

Hinzu kommt: Wenn es im Einzugsgebiet eines Gesundheitsamtes beispielsweise Asylbewerberunterkünfte oder eine größere Zahl an Betrieben mit Erntehelfern gebe - wie in der Pfalz -, sei der Bedarf an Ärzten noch höher, so das Ministerium. Dann würden durchschnittlich vier Ärzte für 100.000 Einwohner nicht mehr ausreichen.

Betroffene Ärzte sehen das ähnlich. Der Leiter des Trierer Gesundheitsamtes, Harald Michels, sagte dem SWR, "aufgrund der gestiegenen Aufgaben, die die Gesundheitsämter in den vergangenen Jahren bekommen haben, wären aus meiner Sicht fünf bis sechs Ärzte pro 100.000 Einwohner eine vernünftige Zahl". Diesen Wert erreicht keines der 24 Gesundheitsämter in Rheinland-Pfalz.

In Vulkaneifel nur ein Amtsarzt

Die wenigsten Mediziner im Land beschäftigt das Gesundheitsamt des Vulkaneifel-Kreises. Dort gibt es seit Jahren nur einen einzigen Amtsarzt. Die Kreisverwaltung in Daun teilt dazu mit, man sei in der "glücklichen Lage einen überaus motivierten und engagierten Mediziner als Leiter des Gesundheitsamtes beschäftigen zu können". Und: Bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie sei das Aufgabenfeld noch für einen Arzt "leistbar" gewesen. Der Arzt sei von einer Honorarärztin unterstützt worden, die während der Corona-Pandemie eine befristete Vollzeitstelle erhalten habe.

Weniger als zwei Ärzte für 100.000 Einwohner beschäftigt auch das Gesundheitsamt Alzey-Worms. Die Kreisverwaltung in Alzey spricht von einer Momentaufnahme. Im Stellenplan für dieses Jahr seien drei zusätzliche Vollzeitstellen für Ärzte geplant. Eine davon sei inzwischen besetzt, eine weitere halbe Stelle im August. Man sei "guter Dinge" die restlichen offenen Arztstellen zeitnah besetzen zu können. Im kommenden Jahr sei geplant, weitere Stellen für Mediziner zu schaffen.

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Große Unterschiede auch bei Zahl der Mitarbeiter

Große regionale Unterschiede gibt es aber nicht nur bei der Zahl der Amtsärzte, sondern auch bei den Mitarbeitern, die die Ämter insgesamt beschäftigten. Dazu gehören neben Ärzten auch Hygieneinspektoren, Psychologen oder Sozialarbeiter.

Rhein-Pfalz-Kreis schlecht aufgestellt

Die Gesundheitsämter im Land beschäftigen im Schnitt rund 15 Mitarbeiter für 100.000 Einwohner. Der Rhein-Pfalz-Kreis liegt deutlich darunter. Dort stehen für 100.000 Einwohner rechnerisch nur rund sieben Mitarbeiter zur Verfügung - der niedrigste Wert im Land. Hinzu kommt, dass es dort rechnerisch auch nur rund zwei Ärzte für 100.000 Einwohner gibt. Damit ist das Gesundheitsamt des Rhein-Pfalz-Kreises das personell am schlechtesten ausgestattete im Land. Dabei ist die Behörde für mehr als 420.000 Einwohner zuständig und damit das zweitgrößte Amt im Land.

Die zuständige Kreisverwaltung in Ludwigshafen teilte dem SWR mit, sie halte einen Vergleich mit anderen Ämtern für "schwierig". Die Menschen, für die das Amt des Rhein-Pfalz-Kreises zuständig sei, lebten in einem dicht besiedelten Ballungsraum. Das bedeute für die Amtsärzte - anders als in vielen anderen Kreisen - kurze Anfahrtswege mit wenig Zeitverlust. Deshalb sehe man es auch nicht so, dass das Gesundheitsamt das personell am schlechtesten ausgestattete sei. Dennoch sei - unabhängig von der SWR-Anfrage - geplant, das Amt noch in diesem Jahr mit einer Vollzeitstelle für einen Arzt und drei Vollzeitstellen für weitere Mitarbeiter zu verstärken.

Positivbeispiel Trier-Saarburg

Spitzenreiter ist das Gesundheitsamt im Kreis Trier-Saarburg. Für 100.000 Einwohner stehen dort rechnerisch mehr als 21 Mitarbeiter und davon mehr als vier Ärzte zur Verfügung. Damit ist dieses Gesundheitsamt das personell am besten ausgestattete des Landes. Leiter Harald Michels begründet die hohen Zahlen damit, dass seine Behörde einige Sonderaufgaben wahrnehme, die es in anderen Ämtern nicht gebe. So würde zum Beispiel der Großteil der Asylbewerber in Rheinland-Pfalz in seinem Gesundheitsamt untersucht. Dennoch sagt Michels, dass auch seine Behörde aufgrund neuer Aufgaben mehr Stellen benötige. 

Bleibt die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass es in den Gesundheitsämtern an Ärzten und Mitarbeitern fehlt.

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